Zum Tod von Akademiedirektor a.D. Prälat Prof. Dr. Franz Henrich

Donnerstag, 10. Juni 2021

Bericht über die Beisetzung des früheren Akademiedirektors

Ein weiß-blauer Sommerhimmel spannte sich über Schwabing, als am späten Vormittag des 10. Juni die Glocken von St. Sylvester zum Requiem für Professor Franz Henrich riefen. Wie oft mag sie der langjährige Direktor der Katholischen Akademie wohl gehört haben, der auch nach seinen 33 Amtsjahren den Ruhestand in der Mandlstraße verbrachte. Am 4. Juni war er 89-jährig in seiner Wohnung verstorben.

Nun stand sein mit Blumen geschmückter Sarg inmitten der Kirche. Unter dem Vortragekreuz zeigte ein Schwarz-Weiß-Foto das unverwechselbare Profil des Verstorbenen, auf der anderen Seite des Altars brannte die Osterkerze. Die Eucharistie sei ein „Fest der Hoffnung, auch angesichts des Todes“, so Kardinal Reinhard Marx zu Beginn des Requiems, das er gemeinsam mit Monsignore Florian Schuller, Henrichs direktem Nachfolger als Akademiedirektor, und Dekan David Theil, dem Schwabinger Ortspfarrer, feierte. Gesangs- und Instrumentalsolisten unter der Leitung des Kirchenmusikers Andreas Behrendt gestalteten den Gottesdienst mit Teilen aus der frühen d-moll-Messe von Wolfgang Amadeus Mozart und Werken von Johann Sebastian Bach.

In seiner Predigt erzählte der Kardinal von seiner ersten Begegnung mit Franz Henrich. Bei einem Treffen der Akademieleiter in Brüssel – Marx leitete damals die Kommende in Dortmund – sei man heftig aneinander geraten, „aber wir haben uns immer wieder gut verstanden, weil wir uns ernst genommen haben“. Henrich sei ein hochbegabter und vielschichtiger Mensch gewesen, einerseits ein „unruhiger Geist“, andererseits ein „Beweger“ – „manchmal aufregend, immer anregend“.

Die Akademie sei für ihn nicht nur ein Wirkungsort gewesen, sondern der „Lebensort“, an dem er zeigen wollte, dass der „Glaube an Jesus Christus jedem Denken standhält“. Das sei sein Erbe, das auch seine Nachfolger hochhielten. Die Kirche stehe auch heute vor der Frage, ob sie sich nach außen abschließe oder in Dialog mit der Welt trete. Das bleibe der Auftrag einer Katholischen Akademie.

Am Ende des Gottesdienstes würdigte der heutige Akademiedirektor Achim Budde seinen Vor-Vorgänger. Henrich, der die Akademie mehr als die Hälfte der Jahre ihres Bestehens geleitet hat, „versammelte alles, was Rang und Namen hat, in unserem Haus“. Er habe Themen gesetzt, die „gesellschaftliche Debatten in Bayern und darüber hinaus prägten“. So habe er die Akademie zu landesweiter Bedeutsamkeit geführt, von der sie immer noch zehre.

Nach einer Verschnaufpause in der Akademie, wo den ganzen Tag über eine Bilderfolge von zahlreichen Begegnungen mit dem verstorbenen gezeigt wurde, traf sich die Trauergemeinde wieder am Münchner Waldfriedhof, wo Prälat Henrich seine letzte Ruhestätte in der ersten Reihe der Priestergräber des Erzbistums fand. Dekan David Theil verwies auf die zwei Seiten der christlichen Trauer: Einerseits vermissten wir den Verstorbenen, andererseits müssten wir uns nicht um ihn sorgen, denn er sei in den Armen des guten Hirten angekommen. Als zum Schluss der Beerdigung das uralte Osterlied „Christ ist erstanden“ angestimmt wurde, beleuchteten Sonnenstrahlen die bunten Kränze am Grab.

Das Wetter hielt auch noch beim Ausklang der Trauerfeier im Park der Akademie. Dort würdigte Florian Schuller seinen Vorgänger als „fast schon mythologische Figur“. Geprägt durch die Jugendbewegung und ein hohes Sendungsbewusstsein sei er durch das Zweite Vatikanische Konzil, das sein Lebensthema blieb, zu einem „Revolutionär“ geworden, der den Geist des Konzils in die Realität umsetzen wollte. Auch in der Erwachsenenbildung habe er große Projekte auf den Weg gebracht. Gegenüber der Politik habe er immer wieder den „Mut eines Löwen“ gezeigt. Über Franz Henrich als Chef hätte jeder Mitarbeiter auch noch nach Jahren schier unendliche Geschichten zu erzählen gehabt, „das muss jemand erst mal hinbringen, so prägend zu wirken“. Obwohl sein Vorgänger durchaus ein „Feierbiest“ gewesen sei, blieb auch ihm die Einsamkeit nicht erspart. Und er, der so geschliffen und zugespitzt reden konnte, sei mit Aussagen über den eigenen Glauben zurückhaltend, fast scheu gewesen – wohl aus Ehrfurcht vor dem Geheimnis Gottes.

Als letzter ergriff Henrichs jüngerer Bruder Rainer das Wort, sein Saarpfälzer Tonfall ließ noch einmal aufhorchen. Sein Bruder sei „von der Liebe zum Leben, zu den Menschen, zur Musik und zur Wahrhaftigkeit“ geprägt gewesen. Und Rainer Henrich hatte ein Foto dabei, das ihm die Bergkapelle St. Ingbert mitgegeben hatte, die auch öfter bei Festen in München aufgetreten war. Es schenkte es Christian Sachs, dem technischen Leiter der Akademie, der sich über viele Jahre um Franz Henrich und seine Pflege gesorgt hatte. Am späteren Abend ging ein kurzes, aber heftiges Gewitter über dem Park der Akademie nieder. Doch schon bald zeigte sich die Sonne wieder, und im Osten zog sich ein Regenbogen über den Schwabinger Himmel. Eine Dramatik, die Franz Henrich wohl gefallen hätte.

Johannes Schießl

 

(c) Foto Franz Henrich: Anne Kirchbach