Verleihung des Ökumenischen Preises / LEIDER ABGESAGT

Samstag, 12. Dezember 2020

Preisträger: Internationale Nagelkreuzgemeinschaft, Kathedrale von Coventry (Foto: Klaus Wirbel).

Wir müssen die Verleihung des Ökumenischen Preises 2020 der Katholischen Akademie in Bayern – vorgesehen für den 12. Dezember – leider absagen. Die gegenwärtigen behördlichen Regelungen lassen einen auch nur kleinen Festakt nicht möglich und auch nicht angemessen erscheinen. Das ist umso bedauerlicher, weil der diesjährige Preisträger, die „Internationale Nagelkreuzgemeinschaft“ von Coventry, die Auszeichnung nicht nur in hervorragendem Maße verdient hätte, sondern der Preis auch bestens in die gegenwärtige politische Situation passen würde: 80 Jahre nach der Bombardierung der Stadt Coventry, dem Ausgangsereignis dieser ökumenischen Friedensinitiative, 75 Jahre nach Kriegsende, im Moment des Brexit und der Wiederkehr nationalistischer Umtriebe auch im Herzen Europas.

Die Zuerkennung des Preises (Preisbegründung siehe unten) an die „The Community of the Cross of Nails“ bleibt natürlich gültig, unabhängig von der bedauerlichen Absage des Festaktes. Wir werden alles daran setzen, die Feierstunde, wahrscheinlich im kommenden Dezember, nachzuholen – dann hoffentlich auch im angemessen großen Rahmen. Einladungen gehen der Öffentlichkeit und den Medien rechtzeitig zu.

Die Preisbegründung

 

Die Katholische Akademie in Bayern verleiht ihren Ökumenischen Preis 2020 an die „Internationale Nagelkreuzgemeinschaft“ aus Coventry. Die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung geht an eine ökumenisch geprägte Organisation, die sich seit Jahrzehnten für die Versöhnung zwischen Großbritannien und Deutschland einsetzt. Gerade im unmittelbaren Vorfeld des Brexit möchte die Akademie damit auch ein politisches Zeichen für die weitere Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg setzen.

 

Die Nagelkreuzgemeinschaft („The Community of the Cross of Nails“) ist ein weltweites ökumenisches Netzwerk, das sich in enger Verbindung zur Kathedrale im englischen Coventry für Frieden und Versöhnung einsetzt. Der Ursprung der Gemeinschaft geht auf einen kriegerischen Akt zurück: die Zerstörung der Kathedrale von Coventry und eines Großteils der sie umgebenden Innenstadt im II. Weltkrieg. Heuer vor 80 Jahre, genau am 14. November 1940, bombardierte die deutsche Luftwaffe die militärische völlig unbedeutende mittelenglische Stadt, um die britische Zivilbevölkerung zu terrorisieren.

 

Doch die Antwort aus Coventry damals war nicht der Ruf nach Vergeltung. Sondern schon wenige Wochen nach dem Angriff rief der damalige Dean der Kathedrale Richard Howard mitten in den Trümmern zur Versöhnung mit den Deutschen auf. Nicht Hass und Vergeltung sollten die Zukunft prägen, sondern Vergebung und Frieden. Als eindrückliches Symbol dieser Versöhnung wurden aus Zimmermannsnägeln, die vom niedergebrannten Dachstuhl der Kathedrale übrig geblieben waren, markante Kreuze geformt und dann im Verlauf der Jahrzehnte weltweit an Orte der Versöhnung – allein in Deutschland gibt es mehr als 70 Nagelkreuzzentren u. a. in evangelischen und katholischen Kirchen – verliehen.

 

„Im Jahr des Brexits möchte die Katholische Akademie in Bayern bewusst die christlich motivierte Aussöhnung zwischen Briten und Deutschen als Vorbild würdigen für vielfältige Formen der Versöhnungsarbeit über Konfessionsgrenzen hinweg“, schreibt Akademiedirektor PD Dr. Achim Budde in der Preisbegründung. Aussöhnung auf dem tiefgründenden Fundament der christlichen Botschaft sei angesichts anwachsender politischer, gesellschaftlicher und religiöser Verwerfungen heute so wichtig wie vor 80 Jahren, heißt es weiter.

 

Verliehen wird der Preis am Samstag, 12. Dezember 2020, im Rahmen einer öffentlichen Feier in der Akademie. Entgegennehmen wird ihn als Repräsentant der Gemeinschaft John Witcombe, der Dean der Kathedrale von Coventry. Auch Vertreter deutscher Nagelkreuzzentren sind eingeladen.

 

Die „Ökumenische Stiftung der Katholischen Akademie in Bayern“ wurde von Rechtsanwalt Hanns Gierlichs (1907−1993) zum Andenken an seine Eltern Wilhelm und Antonie Gierlichs errichtet. Ihre Zweckbestimmung ist „die Förderung der Una-Sancta-Bewegung“ durch die Verleihung von Anerkennungspreisen „für erbrachte Leistungen zur Förderung der Ökumene im Sinne Karl Rahners im Verhältnis der katholischen Kirche zu den Kirchen der Reformation“. Preisträger der vergangenen Jahre waren u. a. Kardinal Reinhard Marx und Landesbischof Heinrich Bedford-Strom (2018), Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (2017) und die Gemeinschaft von Taizé (2009).

 

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