Newsletter vom 10. September 2020: Ökumenischer Preis an Nagelkreuzgemeinschaft

Die zerstörte Kathedrale: Foto: Martin Williams, Lay Canon der Kathedrale / Archiv der Stadt Coventry

Auszeichnung geht nach Großbritannien

Die Katholische Akademie in Bayern verleiht ihren Ökumenischen Preis in diesem Jahr der „Internationalen Nagelkreuzgemeinschaft“ aus Coventry („The Community of the Cross of Nails“). Dies entschied unlängst die Akademieleitung. Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert.

Das internationale ökumenische Netzwerk hat sein Zentrum und seinen Ursprung an der Ka­the­drale von Co­ven­try und setzt sich weltweit für Frieden und Versöhnung ein. „80 Jahre nach der Bombardierung Coven­trys durch die deutsche Luftwaffe, 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und im Jahr des Brexits möchte die Akademie bewusst die christlich motivierte Aussöhnung zwischen Briten und Deutschen als Vorbild würdigen für vielfältige Formen der Versöhnungsarbeit über Konfessionsgrenzen hinweg“, so schreiben wir in der Preisbegründung. Und weiter heißt es dort: Aussöhnung auf dem tiefgründenden Fundament der christlichen Botschaft sind angesichts anwachsender politischer, gesellschaftlicher und religiöser Verwerfungen heute so wichtig wie vor 80 Jahren.

 

 

Der Ursprung der Nagelkreuzgemeinschaft geht auf einen kriegerischen Akt zurück: Vor 80 Jahren, am 14. November 1940, bombardierte die deutsche Luftwaffe die militärisch mäßig bedeutsame mittelenglische Stadt Coventry. Erstmals war es das strategische Ziel, durch flächendeckende Zerstörung der zivilen Infrastruktur die Bevölkerung zu demoralisieren. Die Innenstadt wurde weitgehend zerstört, die Kathedrale in Flammen auf. Dieses zynische Mittel der Kriegsführung verfehlte seine Wirkung nicht und fand in der Folge auf beiden Seiten Nachahmung in noch weitaus größerem Maßstab.

Inmitten des nachvollziehbaren Rufs nach Vergeltung entschloss sich der damalige Propst der Kathedrale, Richard Howard, zu einem Schritt, der noch heute unfassbar mutig und geradezu visionär anmutet: Wenige Wochen nach dem Angriff rief er in einer Radioansprache aus den Trümmern der Kathedrale zur Versöhnung mit den Deutschen auf. Nicht Hass und Vergeltung sollten die Zukunft prägen, sondern Vergebung und Frieden. Obwohl klar war, wer in Coventry Täter und wer Opfer war, mahnte Howard seine Landsleute, auch die eigene Schuldverstrickung und Vergebungsbedürftigkeit nicht zu vergessen. „Vater vergib!“ – nicht „ihnen“, sondern uns allen, lautet daher der zentrale Vers der Versöhnungslitanei von Coventry, die weltweit freitags um 12 Uhr gebetet wird.

Als eindrückliches Symbol der Bewegung wurden aus Zimmermannsnägeln, die vom niedergebrannten Dachstuhl der Kathedrale übriggeblieben waren, markante Kreuze geformt und dann im Verlauf der Jahrzehnte weltweit an Orte der Versöhnung verliehen. Allein in Deutschland gibt es mehr als 70 Nagelkreuzzentren u. a. in evangelischen und katholischen Kirchen (z. B. die Dresdner Frauenkirche oder die kirchliche Arbeit an der KZ-Gedenkstätte in Dachau).

Die Katholische Akademie in Bayern möchte diese Arbeit durch ihren Ökumenischen Preis würdigen. Entgegennehmen wird ihn The Very Revd. John Witcombe, der Dean der Kathedrale von Coventry, gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Deutschen Nagelkreuzgemeinschaft, OKR Dr. Oliver Schuegraf, und weiteren Vertreterinnen und Vertretern bayerischer Nagelkreuzzentren im Beisein des Bischofs von Coventry, The Rt. Revd. Dr. Christopher Cocksworth, und des Erzbischofs von München und Freising, Reinhard Kardinal Marx.

Ich möchte Sie hiermit herzlich ermuntern, sich anlässlich der Jahrestage und der Preisverleihung ein wenig mit dem Thema zu befassen. Die Homepage der nagelkreuz.org bietet einen guten Einstieg dafür. Dort finden sich auch weitere Bilder. Selbstverständlich werden wir die Veranstaltung auch in der Debatte dokumentieren. Ob es uns mit Blick auf Hygiene- und Abstandsregeln erlaubt sein wird, zur Preisverleihung auch öffentlich einzuladen, wird sich erst noch klären. Falls ja, erfahren Sie darüber durch diesen Newsletter.

So verbleibe ich mit herzlichen Grüßen und wünsche Ihnen alles Gute!

Ihr Achim Budde

 

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