Wenn Technik den Nerv trifft

Sozialethiker Markus Vogt (li.) befragte den Ingenieur Thomas Stieglitz nach dem Vortrag.

Neuroimplantate und fühlende Prothesen

Neuroimplantate und deren Anwendung in der Behandlung von Krankheiten und in der Rehabilitation war das Thema von Prof. Dr. Thomas Steglitz am 10. April 2019 im Deutschen Museum. Der Professor für Biomedizinische Mikrotechnik an der Universität Freiburg referierte in der Reihe "Wissenschaft für jedermann", in der Europas führendes Technikmuseum und die Katholische Akademie in Bayern seit Jahren erfolgreich kooperieren.

Rund 200 Interessierte hatten sich im Ehrensaal des Deutschen Museums eingefunden und erhielten von einem der führenden Experten auf dem Gebiet der Neuroimplantate Informationen zur großen Spannbreite der medizinischen Anwendungen dieser High-Tech-Geräte. Thomas Stieglitz setzte einen Fokus auf die technische Machbarkeit, zeigte aber auch den jeweiligen medizinischen Nutzen, die gesellschaftlichen und ethischen Implikationen sowie die wirtschaftlichen Hintergründe bei Grundlagenforschung, sowie Entwicklung und Einsatz der Implantate.

 

Noch ein weiter Weg

 

Das Fazit von Professor Stieglitz war, dass die Implantat-Technik ein sehr großes Potential hat und dass bei umsichtigem Einsatz die Chancen mögliche Risiken bei weitem überwiegen. Viele Implantate sind schon im klinischen Alltag angekommen, bieten einen oft zwar nur einenn einfachen Funktionsersatz, erhöhen aber durchaus die Lebensqualität. Aber: Auch Implantate haben Nebenwirkungen, die nicht größer oder kleiner sind, als bei Medikamenten, sondern eben anders. Es sei noch ein weiter, forschungsintensiver Weg zu beschreiten, der auch finanzielle Anstregnungen erfordere, um eine große Bandbreite schon entwickelter oder angedachter Implantate serienreif zu bekommen.

 

Gesellschaftliche Diskussionen

 

Auch die ethische und gesellschaftliche Diskussion habe eben erst begonnen, so Stieglitz. Wir müssen sagen, was wir wollen und was nicht, so Stieglitz. An diesem Punkt setzte auch Prof. Dr. Markus Vogt an, Professor für Christliche Sozialetthik an der LMU München, Vorsitzender des Münchner Hochschulkreises der Akademie und Moderator bei "Wissenschaft für jedermann". Es stelle sich die Frage, wo die Grenze zwischen Fortschritt und Hilfe auf der einen Seite und Überwachung und Optimierung von Menschen auf der anderen Seite liegen.

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