Träume in Kunst und Literatur erleben

Dr. Dirk Heißerer, Vorsitzender des Thomas-Mann-Forums München sowie Hrsg. der Thomas-Mann-Schriftreihe

Tagung im Schloss Suresnes

Einen traumhaften Start erlebte die neue Kooperation zwischen der Katholischen Akademie in Bayern und der Zeitschrift Welt und Umwelt der Bibel (WUB): Knapp 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen vom 23. bis 26. Oktober in der Romano-Guardini-Bibliothek des Schlosses Suresnes zusammen und nahmen mit zahlreichen geladenen Experten das Phänomen des Träumens einmal ganz genau unter die Lupe. Dabei ging es aber nicht nur um Wissenschaft und Deutungshoheit, sondern auch um Traumerleben in Kunst und Theater – und um Thomas Mann.

Den Auftakt markierte Prof. Dr. Hans Förstl von der TU München mit einem Lagebericht zur klinischen Traumforschung, kontrastiert mit den ältesten Zeugnissen menschlicher Traumerfahrungen überhaupt – aus dem alten Orient –, die die Göttinger Alt-Orientalistin Prof. Dr. Annette Zgoll vorstellte.

 

Traum in der Bibel

 

Auch kam die Bibel durchaus nicht zu kurz: Während Prof. Dr. Jörg Lanckau von der Ev. Hochschule Nürnberg ausgewählte Traumstücke aus dem Alten wie Neuen Testament analysierte, wies Liturgiewissenschaftler Dr. Heinzgerd Brakmann sogar eine lebendige Traumpraxis (Inkubation) in der Geschichte des Christentums nach. Traumkritische Passagen wurden dabei aber nicht einfach übergangen, sondern von Prof. Dr. Martin Meiser, Bibelwissenschaftler der Universität des Saarlandes, ausdrücklich hervorgehoben – ergänzt durch eine philosophische Kritik am Traum überhaupt, die der Dekan der philosophischen Fakultät der LMU, Prof. Dr. Axel Hutter, vornahm, gleichzeitig aber die Angemessenheit einer solchen Tagung betonte.

 

Thomas Mann

 

Besondere Würdigung erfuhr der Schriftsteller Thomas Mann, der mit seinem Roman „Joseph und seine Brüder“ nicht nur die wichtigste Traumerzählung der Weltliteratur nacherzählte, sondern dadurch selbst Anlass zu Nacherzählung bot: Während Dr. Dirk Heißerer, Vorsitzender des Thomas-Mann-Forums München e.V., die Entstehungsgeschichte des Romans am Beispiel ausgewählter Lithographien rekonstruierte, konnte Prof. Dr. Karl-Josef Kuschel gar zeigen, dass Träumen in den Josephs-Romanen als ein Zurücksinken in einen Strom des Geistigen, in dem alles mit allem verbunden ist, verstanden werden kann.

 

Arabische Nacht und Villa Stuck

 

Abgerundet wurde das Traumseminar durch das Theaterstück „Arabische Nacht“, das eigens für diese Veranstaltung konzipiert und durch fünf Schauspielstudierende der August-Everding-Theaterakademie aufgeführt worden war. Ein Besuch in der Villa Stuck markierte schließlich das Ende der Tagung und lud mit der Ausstellung „FIEBERHALLE“ des Künstlerduos M + M, das den Tagungsgästen während ihres Aufenthalts sogar Rede und Antwort stand, zum Wachträumen ein.

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