Themenabend "Angst" auf ARDalpha

Verena Kast mit Moderator Andreas Bönte (re.) und Axel Hutter.

Podiumsgespräch mit Verena Kast, Axel Hutter und Andreas Bönte

Sehen Sie hier den Beitrag zu unserem Podiumsgespräch "Angst", das am Montag, 15. April 2019, in ARD-alpha, dem Bildungskanal des Bayerischen Rundfunks, gesendet wurde.

Schon beim Abend in der Akademie hatten sich rund 350 interessierte Zuhörer eingefunden, die auch selbst engagiert in die Diskussion eingreifen konnten. Für Prof. Dr. Axel Hutter, Ordinarius für Philosophie an der LMU München,ist das Ideal, dass der perfekte Mensch ein angstloser Mensch ist, ein eher modernes Thema in der Philosophie. Angst ist allerdings etwas, das den Menschen auszeichnet. Denn Tapferkeit ist ohne Angst nicht möglich. Die Tapferkeit impliziert Angstüberwindung und zugleich auch Angsterhaltung. Die konkrete Angst vor dem Tod zeigt auf, dass der Mensch – in Abgrenzung zum Tier – antizipatorisch im Sinne von zukunftsorientiert, denken kann.

Prof. Dr. Verena Kast, Professorin für Psychologie an der Universität Zürich sowie Dozentin und Lehranylytikerin am dortigen C .G. Jung-Institut, bezeichnete Tapferkeit als „Ja zum Leben“, weil man sich mit einer existenziellen Bedrohung auseinandersetzt. Das Leben ist nicht sicher, der Mut zur Angst ist das Wichtigste. Denn Angst ermöglicht dem Menschen, sich lebendig zu fühlen. "Unsicherheit aushalten ist der Anfang von Kreativität", stellte Verena Kast fest. Sie erläuterte weiterhin, dass Angst viel mit Bindung zu tun hat. Außerdem verbindet sich Angst leicht mit anderen Emotionen. Und wenn jemand nicht mehr aus der Angst herausfindet und diese dadurch zum Dauerzustand wird, sodass der Mensch unter seiner Angst leidet, wird es sogar zu einer Krankheit.

Am Ende der Diskussion rückten Politik und Staat in den Fokus. Parteien, die aus einfachen „Wirs“ bestehen,"bewirtschaften Angst", so die Schweizer Psychologin. Axel Hutter gab noch zu bedenken, dass der Staat heute Sicherheit schafft, woraus seiner Meinung nach ein zunehmender Verlust der Angstkompetenz des Individuums resultiert.

Nach der Podiumsdiskussion waren die Teilnehmer eingeladen, Nachfragen zu stellen oder Kommentare einzubringen, wovon sie ausgiebig Gebrauch machten. Auch beim abschließenden "Wein und Brot" blieben viele noch in der Akademie und tauschten sich aus. Magdalena Görtler

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