Mittags im Schloss

Zu Gast Ulrich Wilhelm

Ulrich Wilhelm (li.) im Gespräch mit Dr. Florian Schuller.

Gespräch über Medien, Politik und Glauben

Vor rund 100 Teilnehmern aus Politik und Medien, Verwaltung und Justiz, Kultur und Wirtschaft unterhielten sich Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks und ARD-Vorsitzender, sowie Dr. Florian Schuller, der nach Ablauf seiner Amtszeit als Akademiedirektor noch einmal als Gastgeber für sein Haus wirkte. Der BR-Intendant warnte in seinen Redebeiträgen besonders davor, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt durch "Informationsblasen" gefährdet sei. Viele Menschen würden sich nur noch solche Nachrichtenkanäle - vor allem im Netz - suchen, in denen sie ihnen genehme Informationen fänden. Vorurteile würden dadurch verstärkt, alternative Information würden nicht mehr durchdringen und der demokratische Austausch werde zunehmend schwieriger.

Und, das erste verstärkend, Monopolplattformen wie Google oder Facebook würden ihrerseits kaum etwas unternehmen, um solch selbstreferentiellen Austausch zu unterbinden. Im Gegenteil: Jeder bleibt unter sich, findet, was ihm gefällt, bleibt dadurch lange im Netz und steigert den Erfolg der Plattformen.

Auch die Verbreitung von rechtlich bedenklichen Nachrichten, wie die Leugnung des Holocausts fänden im Netz problemlos statt, weil nicht eingegriffen würde, um das Geschäft nicht zu behindern. Algorithmen sind nicht neutral, sondern setzten bestimmt Werte durch. Dagegen müsse man versuchen, eigene, auf den eigenen Werten basierende Algorithmen zu etablieren. Auch vor der Regulierung in Netz dürfe man in letzter Konsequenz nicht zurückschrecken.

Wilhelm sah aber auch die Journalisten und Medienhäuser in der Pflicht. Sie dürften die für viele Menschen wichtigen Themen auch nicht vernachlässigen. Man dürfe eben nicht alles aus der Sicht von Akademikern und Großstädtern berichten. Auch das fördere die "Blasenbildung". Mit großem Nachdruck setzte sich Ulrich Wilhelm für einen weiterhin starken Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk ein, der nicht auf Gewinn aussein muss, daher über Randständiges berichten kann, aber auch umfassend und qualitätsvoll über alle gesellschaftlichen Bereiche und so seine ihm von der Verfassung zugewiesene Rolle wahrnehme.

Angesprochen auf seine persönliche Gläubigkeit meinte Wilhelm, dass er sicherlich ganz anders denken und handeln würde, wenn er nicht gläubig wäre. Vor allem der Mut, so seine Vermutung, käme dann wesentlich zu kurz.

Mehr