Mephisto theologisch

Faust-Festival München

Diskutierten theologisch über den Teufel:

Gibt es den Teufel wirklich?

Ob es den Teufel gibt, wollten rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der gestrigen Diskussionsveranstaltung wissen, die im Rahmen des Münchner Faust-Festivals stattfand. Eingangs verlieh Akademiedirektor Dr. Florian Schuller seiner Hoffnung Ausdruck, dass Mephisto seiner Aufgabe nachkäme – gerade angesichts der klirrenden Kälte draußen sei das reibungslose Funktionieren des akademieeigenen Blockheizkraftwerks Mephisto G34 von großer Relevanz. Dieses sorgte auch dafür, dass die vier geladenen Experten in wohliger Wärme über die Existenz des Bösen diskutieren konnten.

Schon zu Beginn des Gesprächs ging der Jesuit, Arzt und Psychotherapeut Eckard Frick auf seine ignatianische Ordenstradition ein, die sich der Unterscheidung der Geister annimmt: Die Aufgabe der Menschen sei es, den richtigen Weg, also zwischen Gut und Böse, zu wählen. Der Dogmatikprofessor Thomas Ruster hingegen sprach sich für eine systemische Perspektive auf die Frage nach der Existenz des Teufels aus: Systeme seien wie Personen handelnde Akteure. Sie könnten gerade auf der Basis einer falschen Zielsetzung durch die ihnen innewohnende Logik genauso böse agieren wie Menschen. Nichtsdestotrotz gibt es ja nicht nur im Christentum eine lange Tradition der Personifizierung des Bösen als gefallenen Engel, als dämonisches Wesen, als Verführer mit Widderhörnern, -hufen und Schwanz. Auf diese Visualisierungsversuche und die dahinter stehenden Zeichencodes konzentrierte sich der Münchner Kunsthistoriker Wolfgang Augustyn. Die Religionswissenschaftlerin Katharina Wilkens machte deutlich, dass es – zumal außerhalb Europas – jedoch auch heute noch Menschen gibt, die den Teufel beziehungsweise (seine) Dämonen gewissermaßen leibhaftig erfahren und sich Befreiung durch Exorzismus erhoffen.

Die eigentliche Problematik eines christlichen Dualismus zwischen dem lieben Gott und seinem Widersacher findet sich in einem durch Florian Schuller vorgetragenen Zitat Kurt Flaschs: „Christentum mit Teufel macht Angst; Christentum ohne Teufel schmeckt fad.“

Dass das Thema Teufel nicht nur die Zuhörerinnen und Zuhörer umtreibt, zeigt auch die Berichterstattung, der sich die Veranstaltung in B2mk online und der Tagespost erfreute.