Joachim Gauck zu Gast in der Akademie

Joachim Gauck sprach rund 40 Minuten zu den rund 550 Zuhörern.

Rede zu Freiheit und Verantwortung

Chancen und Risiken sowie Zuversicht und Angst liegen für Joachim Gauck sehr eng zusammen. Mit einer sehr lebhaften, positiv gestimmten und immer wieder auch persönlich gefärbten Rede legte der frühere Bundespräsident am Abend des 31. Januars 2019 vor rund 550 Zuhörern in der Katholischen Akademie in Bayern dar, welche Herausforderungen er in einer doch unsicheren Welt sieht. Nur in einer freiheitlichen Gesellschaft, da war sich Gauck sehr sicher, könnten all diese Probleme gelöst werden, allerdings nur dann, schränkte er ein, wenn die Bürgerinnen und Bürger Verantwortung übernehmen würden, Verantwortung für sich, für andere und für das Gemeinwesen. Der Vortrag von Joachim Gauck in voller Länge ist hier nachzuhören. Das überarbeitete Referat finden Sie abgedruckt in der neuen Ausgabe unserer Zeitschrift "zur debatte".

Die Zukunft für Deutschland und die gesamte westliche Welt, so Gauck weiter, werde nicht einfach zu gestalten sein, so Gauck, von 2012 bis 2017 Deutschlands Staatsoberhaupt, bei der Veranstaltung "Freiheit und Verantwortung". Denn vielfältige autoritäre Strukturen, ungelöste Probleme, aus Angst entstehender Populismus, Nationalismus und die vielfache Abkehr der internationalen Politik von geregelten Verhältnissen seien Tatsachen, die man nicht leugnen könne, und gegen die es noch keine zufriedenstellenden Rezepte gibt. Doch für viele Menschen bei uns böten die technologischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Veränderungen große Chancen, die diese auch ergreifen würden. Für andere jedoch brächten sie vor allem Risiken und Gefahren. Diese Menschen würden verunsichert, fühlten sich hilflos. Gauck sah es als unabdingbar an, die Ängste dieser Menschen ernst zu nehmen, aufzugreifen und Perspektiven anzubieten.

 

Mit Freude und Begeisterung

Zurzeit täten dies vor allem populistische und rechtsradikale Gruppen, weil die es durch ihr Gerede davon. zu alten Zeiten zurückzukehren, schafften, emotional zu punkten. Umsetzbar seien diese Vorstellungen aber nicht. Hingegen gäbe es auf Seiten der liberalen, offenen Gesellschaften gute Rezepte. Doch müssten deren Vertreter endlich so sprechen, dass sie verstanden würden. Nicht nur mit Kühle und Rationalismus, sondern mit Freude und Begeisterung für ihre Überzeugungen einstehen. Nach der Reaktion vieler Zuhörer ist dies Joachim Gauck bei seinem Abend in der Akademie bestens gelungen.

 

Zersplitterung des Westens

In der anschließenden Podiumsdiskussion, die von dem Journalisten Dr. Christoph von Marschall, Mitglied der Chefredaktion des Berliner "Tagesspiegel" moderiert wurde, legte Gauck dann weiterhin dar, dass man Bedrohungen von außen nur dann meistern könnte, wenn man dem Gegenüber Paroli böte. Es müsse glaubhaft sein, dass man sich wehren kann und das auch tun würde. General a. D. Klaus Naumann, der frühere Vorsitzende des NATO-Militärausschusses und intimer Kenner der internationalen Politik, rief dazu auf, sich der Bedrohung der Freiheit durch autoritäre Staaten - China und Russland an erster Stelle - erst einmal bewusst zu werden. Nicht mehr Waffen seien die Lösung, sondern klaren Einsichten und Haltungen. Prof. Dr. Ursula Münch, Politikwissenschaftlerin, Direktorin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing und ebenfalls auf dem Podium, sah die Hauptsorge hingegen in der zunehmenden Zersplitterung des Westens. Exemplarisch und besonders gravierend sei für sie der Brexit.

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