Islam in Europa

Abdel-Hakim Ourghi, Armina Omerika und Andreas Renz (v.l.n.r.) diskutierten Fragen zu Islam und Integration.

Kooperation mit Renovabis und Zeitschrift Ost-West

Rund 150 Teilnehmer waren am 15. November 2018 zu der Kooperationsveranstaltung "Islam in Europa. Isolation oder Integration" in die Katholische Akademie Bayern gekommen. Zusammen mit unserern Kooperationspartnern, dem bischöflichen Hilfswerk Renovabis und der Zeitschrift Ost-West, konnten ausgewiesene Fachleute gewonnen werden, die unter anderem die Frage diskutierten, ob der Islam zu Europa gehört. Auf dem Podium saßen  Dr. Abdel-Hakim Ourghi, Institut für Islamische Religionspädagogik der Pädagogischen Hochschule in Freiburg, die an der Uni Frankfurt Ideengeschichte des Islam lehrende Professorin Dr. Armenia Omerika und Dr. Andreas Renz, Fachreferent im Referat Ökumene und interreligiöser Dialog der Erzdiözese München und Freising. Die Diskussionsleitung hatte Prof. Dr. Michael Albus, Verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift Ost-West. Hier finden Sie auch ein Medienecho zur Veranstaltung.

Der am Institut für Islamische Religionspädagogik der Pädagogischen Hochschule in Freiburg lehrende und in Algerien geborene und aufgewachsene Muslim Dr. Abdel-Hakim Ourghi wurde deutlich: „Ich bin dankbar dafür, dass ich hier in Deutschland frei und kritisch über den Islam sprechen kann, zu Hause in Algerien wäre das undenkbar.“ Hart geht Ourghi mit den Dachverbänden des Islam ins Gericht und appelliert an die Bundesregierung. „Stoppt den Import der Imame aus der Türkei und aus den arabischen Ländern, in Deutschland müssen die Imame deutsch predigen!“ Was die Türkei betrifft, kritisiert er die starke Anbindung der Dachverbände an den türkischen Staat. Ourghi spricht sich außerdem für eine „Moscheen-Steuer“ aus, denn muslimische Gemeinden hätten bis jetzt nicht das Geld, um Imame selbst zu bezahlen.

Und die in Mostar, in Bosnien-Herzegowina, aufgewachsene und an der Uni Frankfurt Ideengeschichte des Islam lehrende Professorin Dr. Armenia Omerika plädierte dafür, „dass der Islam sich mit dem Weltwissen auseinandersetzen muss, und das ist ein anderes, als jenes im 12. und 13. Jahrhundert …(und) eine Religion, die keine Akademisierung erfährt, ist irrelevant.“ So sei es dringend geboten, neue Zugänge zum Koran mit Hilfe der modernen Quellenkritik zu schaffen. Es gäbe aber mittlerweile in Deutschland eine erstaunliche Entwicklung der islamischen Theologie, das sei einzigartig in der Welt. „Die Islamwissenschaft ist anschlussfähig geworden“.

Dr. Andreas Renz, Fachreferent im Referat Ökumene und interreligiöser Dialog der Erzdiözese München und Freising, wünscht sich einen liberalen Islam, einen Islam der human ist und vereinbar mit unserer pluralistischen Gesellschaft. Der Schlüssel dafür sei Bildung, es brauche einen flächendeckenden islamischen Religionsunterricht in staatlicher Trägerschaft, als Korrektiv gegenüber den Moscheenverbänden. Imame müssten in Deutschland ausgebildet werden, stellt er ebenfalls klar. Darüber hinaus hätte der Staat durchaus die Möglichkeit, für unliebsame Imame die jährlich erteilte Aufenthaltsgenehmigung nicht mehr zu verlängern. „Davon wird meines Wissens aber nicht Gebrauch gemacht.“

Auf die Frage des Moderators Prof. Dr. Michael Albus „Glauben Christen und Muslime an den selben Gott?“ waren sich die Podiumsteilnehmer einig,  Ourghi: „Ja wir glauben an den selben Gott, dieser Gott hat sich für drei Wege entschieden, um zu ihn zu kommen!“ und spätestens seit dem zweiten Vatikanischen Konzil beteten Muslime mit uns zu dem einen Gott, d.h. er ist der selbe Gott.“ (Renz) „Glauben bedeutet sich seine Schöpfers bewusst zu sein, und dieser ist der selbe im Islam wie im Christentum“ (Omerika)

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