Historische Tage Abendvorträge

Zwei intensive Stunden

Gustav Stresemann

Der Nationalliberale Gustav Stresemann war während der Kriegsjahre zu einem der markantesten Parlamentarier des Kaiserreichs geworden, seit 1917 trat er für einen Verständigungsfrieden ein. Nach der Revolution 1918/19 betrieb er als Vorsitzender der Deutschen Volkspartei nach anfänglicher Distanz gegenüber der republikanischen Staatsform eine entschiedene Politik der innen- und außenpolitischen Verständigung.

Als zeitweiliger Reichskanzler im Krisenjahr 1923 und langjähriger Außenminister bis zu seinem frühen Tod 1929 war er der wichtigste deutsche Architekt der Friedenspolitik, die in den Locarnoverträgen und dem Beitritt zum Völkerbund 1925/26 gekrönt wurde. Neben Friedrich Ebert war er die stärkste Säule der Weimarer Demokratie.

Reichsaußenminister Gustav Stresemann im Gespräch mit Journalisten
Der Schriftsteller Thomas Mann in seinem Arbeitszimmer.

Thomas Mann

Thomas Mann stand der neuen Republik bereits im November 1918 durchaus aufgeschlossen gegenüber. Doch erst mit seiner 1922 gehaltenen Republik-Rede gab der angesehene Schriftsteller die zuvor gesuchte politische Zurückhaltung auf. Angesichts der erlebten Gewalt, Instabilität und gesellschaftlichen Umbrüche gelangte er schließlich zu der Auffassung, dass auch die Demokratie einen unverzichtbaren Anteil an der notwendigen Bewahrung und weiteren Verwirklichung der Humanität habe.

Der Vortrag beleuchtet den Weg und die Gründe für Thomas Manns Hinwendung zur Republik sowie das vielfältige Engagement des Schriftstellers, das ihn zu einem führenden Repräsentanten der Weimarer Republik und entschiedenen Gegner des Nationalsozialismus machte.