Die dunkle Seite in uns

Professor Nedopil referierte und diskutierte.

Professor Norbert Nedopil auf Fährtensuche in der Psyche von Verbrechern

Untermauert mit Beispielen aus seiner jahrzehntelange Praxis als Gutachter in Strafprozessen schilderte der Psychiater Professor Norbert Nedopil den schmalen Grat, auf dem ein Gutachter vor Gericht entlang gehen muss, um "kranke" und "gesunde" Straftäter zu unterscheiden und damit maßgeblich über deren zukünftiges Schicksal entscheidet.

In einem 45-minütigen Vortrag am 3. Dezember 2018 vor rund 150 Teilnehmern untersuchte Norbert Nedopil, von 1992 bis 2016 Leiter der Abteilung für Forensische Psychiatrie an der Psychiatrischen Klinik der LMU München, zum einen, wo die Grenze zwischen krankheitsbedingt begangenen Straftaten und jenen Delikten liegt, deren Beweggründe noch in das breite Spektrum menschlicher Normalität fallen? Wie spielen Persönlichkeit, Störung und Situation zusammen, um die Hemmschwelle zum Verbrechen zu überwinden? Was kann man tun, damit Täter nicht zu Wiederholungstätern werden? Anhand dreier Beispiele aus seiner langjährigen Praxis machte er deutlich, dass aufgrund einer einzigen Straftat ein Mensch nicht automatisch psychisch krank sein muss, sondern dass seine Biographie und bestimmte Faktoren einbezogen werden müssen. Auf die Frage, wie der tägliche Umgang mit Verbrechern sein eigenes Leben beeinflusse, antwortete Nedopil, dass er gelernt habe, optimistisch zu sein. Depressive Menschen neigten eher zu Gewalt als manische und aus der Haft Entlassene mit positiver Zukunftseinstellung würden deutlich weniger rückfällig als negativ Gesinnte.

In einer der kommenden Ausgaben unserer Zeitschrift "zur debatte" können Sie das Referat nachlesen.

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