Florian Schuller

verabschiedet Freiherr Albert von Schirnding auf Latein

Seit Herbst 2004 beglückte Albert von Schirnding mit seiner Literatur-Reihe "Autoren zu Gast bei Albert von Schirnding", bei der er 26 Mal als Gastgeber gewirkt hat, das Publikum in der Katholischen Akademie Bayern. Akademiedirektor Dr. Florian Schuller verabschiedete Albert von Schirnding mit einer in lateinischer Sprache gehaltenen Laudatio.
Hier der erste Teil der deutschen Fassung:
Nachdem dieser Dichterabend nun glücklich zu Ende ging, und wenn es gestattet sei, sehr verehrter Herr Pleschinski, die Aufmerksamkeit der Anwesenden nun zu einem anderen, wichtigen Punkt hinzulenken, wenn es auch gestattet sei, verehrte Zuhörer und Zuhörerinnen, Ihre so wertvolle und kurz bemessene Zeit in Anspruch zu nehmen, wenn es schließlich gestattet sei, jene Sprache zu verwenden, die zum Kern unserer westlich-abendländischen Kultur gehört, wenn dies so ist, bitte ich, unser aller Aufmerksamkeit auf jenen Herrn zu richten, der hier vorne sitzt. Er war ein äußerst beliebter Gymnasiallehrer der Alten Sprachen; nur deswegen versuche ich, auch Latein zu sprechen. Geboren zu Regensburg, ist er Herr auf Schloss Harmating, und wirkt sehr erfolgreich sowohl als Autor wie als Rezensent: Freiherr Albert von Schirnding. Soweit ich zurückblicken kann auf die vergangenen Jahre und wenn ich zurückdenke, sehe ich ihn, wie er – mit der Unterstützung von Michael Zachmeier – insgesamt 26 mal als Gastgeber gewirkt hat, für sehr viele Interessenten, besonders aber natürlich für die Schriftsteller und Dichter selbst, die immer hoch anerkannt und mit ihm befreundet waren. Was also ist das Besondere, Einzigartige, Herausragende unseres verehrten Gastgebers? Es scheinen mir fünf Punkte zu sein. Erstens, Albert von Schirnding ist ein Mann des großen Gedächtnisses. Er kennt sich perfekt aus im Erbe der Antike, das über die Jahrhunderte bis zu uns gekommen ist: in deren Sprachen und der Literatur, in Philosophie und Geschichte, im Argumentieren und Denken, im Fühlen und dem, was die Alten unter Frömmigkeit verstanden. Platon, der unbestrittene Philosophenstar, hatte dargelegt, dass die Menschen deshalb erkennen können, weil sie imstande sind, sich zu erinnern. Und Marcus Tullius Cicero zählt dann die Orte des Gedächtnisses auf: „Man muss viele davon gebrauchen: die klaren, die offenen, die voneinander getrennten. Zusätzlich wirken da klare Bilder mit, die dem Denken entgegenkommen können und es im Herzen treffen.“ Albert von Schirnding kennt alle diese Orte und Bilder der Antike, sie sind in ihm gespeichert. Damit hilft er uns, Menschen zu werden, die dieses Namens würdig sind. Zweitens, Albert von Schirnding ist ein Mann geistiger Netzwerke. Er stammte aus einer ehrwürdigen Familie, war mit großen Talenten begabt, die er auf vielen Feldern ausüben konnte, zumal er in Regensburg im Schloss jener Familie aufwuchs, die als erste über viele Länder hin ein weites Netz von Nachrichten und Kontakten aufgebaut hatte und deshalb einer bestimmten Form des öffentlichen Verkehrs auch den Namen gab, natürlich das Geschlecht der Thurn und Taxis. So kennt er bis heute nicht nur tote Dichter vergangener Zeiten, sondern spannt das Netz seiner Beziehungen weit, pflegt echte Freundschaft mit vielen zeitgenössischen Schriftstellern und Dichtern und führt sie zusammen. Drittens, Baron Schirnding ist ein Mann des Maßes. Denken wir nur an jene Verse aus einer Satire des Horaz: „Es gibt ein Maß in allen Dingen, auch klare Grenzen, ohne die nichts Richtiges existieren kann.“ Wenn Albert von Schirnding unsere Akademie betritt, zeigt er immer ein heiteres Gesicht, immer erleben wir, wie er lächelnd die Wahrheit sagt, nie kommt er uns grantig. Der kennt nicht nur, sondern lebt die klassische Mahnung des Horaz: „Ein Herz voll Gleichmut in der Geschicke Drang, / in guter Zeit gleich frei vom Übermaß / unbändiger Lust such dir zu wahren; / wir alle, Albert, müssen sterben.“ Viertens, Albert von Schirnding hat einen klaren, nüchternen Geist.

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