Zum Weltfrieden - Ein politischer Entwurf

Michael Wolffsohn

Rund 330 Bundeswehroffiziere waren am 1. März 2016 in die Katholische Akademie gekommen, um Prof. Dr. Michael Wolffsohn zu hören, Professor em. für Politik an der Universität der Bundeswehr München.
In seinem Vortrag mit dem Titel „ Zum Weltfrieden. Ein politischer Entwurf“ legte Wolffsohn dar, dass herkömmliche Konfliktlösungsstrategien zunehmend scheitern, weil sie auf dem Modell des Nationalstaats basieren. Er konstatierte, dass friedliches Zusammenleben vor allem dort möglich sei, wo die Bevölkerung einigermaßen homogen sei. Sobald aber innerhalb von Staaten oder in benachbarten Staaten über Grenzen hinweg sehr unterschiedliche Gemeinschaften zusammenleben müssten, seien Konflikte programmiert. Der bekannte Politikwissenschaftler führte als Beispiele die Türkei, Syrien, den Irak, Afghanistan und das westafrikanische Mali an – alles Länder, in deren Konflikte die Bundeswehr involviert sei. Wolffsohns Vorschlag, wie Spannungen und Konflikte minimiert werden könnten, ging dahin, föderative Strukturen innerhalb von Staaten oder über Staatsgrenzen hinweg zu schaffen, die es unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen erlauben würden, in Eigenständigkeit zu leben, ohne von einer Zentrale bevormundet zu werden. Die demografische Geografie, also die Bevölkerungsstruktur in und über Staatsgrenzen hinweg, müsse in Zukunft stärkeres Gewicht erhalten als die politische Geografie, also die Staatsgrenzen.
Professor Wolffsohn setzte in seinem Referat darauf, dass der Leidensdruck bei Konflikten so stark werde, dass Lösungen wie von ihm vorgeschlagen in den Blick genommen würden. Außerdem müsse der politische Druck auf Staaten, in denen Bundeswehrsoldaten im Rahmen von UN-Missionen zum Einsatz kommen, dahingehend erhöht werden, dass als Vorleistung oder sogar als Bedingung die Schaffung föderativer Strukturen in Angriff genommen werde.

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