Von der Französischen Revolution zum Wiener Kongress

Wolfram Siemann

Das „lange Jahrhundert“ von der Französischen Revolution bis zum Ersten Weltkrieg markiert den Weg in die moderne Welt und erscheint als ein Zeitalter der Bewegung und des Wandels schlechthin. Denn damals bahnten sich in Deutschland wie in ganz Europa auf nahezu allen Gebieten des Zusammenlebens tiefgreifende Veränderungen an, deren Auswirkungen bis in unsere Gegenwart spürbar sind. Säkularisierung, Nationenbildung, Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft und unerschütterliches Fortschrittsdenken kennzeichnen diese Epoche ebenso wie das Ringen um liberale Verfassungen oder auch neue Wege in der Kunst. Die Beschleunigung von Mobilität und Kommunikation war richtungsweisend; Technik und Naturwissenschaften mit all ihrer Vielfalt nahmen beispielhaften Aufschwung; Umbrüche in den Produktions- und Arbeitsformen führten ins industrielle Zeitalter, brachten aber gleichzeitig starke soziale Verwerfungen mit sich. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts mehrten sich dann koloniale und imperiale Bestrebungen, die erhebliche internationale Spannungen hervorriefen.
Auch für die katholische Kirche markiert diese Zeitspanne eine tiefgreifende Zäsur. Es erfolgten entscheidende Weichenstellungen, die bis heute Theologie und Spiritualität sowie das Verhältnis von Kirche und Staat prägen. Von den mannigfachen Entwicklungen können unsere „Historischen Tage“ natürlich nur einige Aspekte in den Blick nehmen, aber durchaus zentrale.
Zum Thema „Von der Französischen Revolution zum Wiener Kongress: Die Umwälzung und Neuordnung Europas und die Entstehung der ‚Nation‘ als politischer Leitbegriff“ referierteProf. Dr. Wolfram Siemann, Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der LMU München.

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