Neubeginn nach dem Kulturkampf - Die deutschen Katholiken um 1900

Hans Maier

Tiefgreifende Zäsuren erlebte die katholische Kirche in Deutschland während des 19. Jahrhunderts. An dessen Beginn hatte die Säkularisation zu enormen materiellen Einbußen geführt und zu einem weitreichenden Verlust an Einfluss in Wissenschaft und Politik. Zwar brachte dann u.a. die Romantik ein erneuertes, auch gestärktes Selbstverständnis. Aber im späteren Kulturkampf nach der Gründung des Kaiserreichs sahen sich Katholiken erbitterten Angriffen durch den nationalliberalen, protestantisch geprägten Staat ausgesetzt, galten als Reichsfeinde und standen unter dem Generalverdacht, „ultramontan“, also von Rom gesteuert zu sein. So entfremdeten sich Katholizismus und nationale Kultur zusehends in gegenseitiger Zurückweisung. Teils wurde Katholisches gezielt verpönt, teils schotteten sich Katholiken bewusst ab. Diese Distanzierung zur kulturellen Umwelt ließ sie häufig die geistig-kulturelle Offenheit verlieren. Um die Wende zum 20. Jahrhundert wuchs allerdings unter katholischen Intellektuellen der Wille, der Isolation zu entfliehen. Im Rückblick zeigt sich ein hochinteressantes Tableau. „Wir müssen aus dem Turm heraus“ forderte 1906 der Zentrumspolitiker Julius Bachem. Wie aber sollte die Teilnahme am deutschen Kulturleben aussehen? Wie weit konnte und durfte die Mitarbeit daran gehen? Und wie waren Treue zur Kirche und Aufgeschlossenheit für moderne Wissenschaft, Kunst und Literatur vereinbar?
Unter dem Titel „Neubeginn nach dem Kulturkampf. Die deutschen Katholiken um 1900“ referierte Prof. Dr. Hans Maier, Professor em. für christliche Weltanschauung, Religions- und Kulturtheorie an der LMU München, Staatsminister a.D.

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