Johanneisch lernen und verstehen

Hans-Georg Gradl

Das Johannesevangelium beginnt mit einem Paukenschlag: Keine Kindheitsgeschichte, kein Stammbaum, sondern theologische Reflexion auf höchstem Niveau: „Im Anfang war das Wort“. Nicht nur im Prolog, sondern im gesamten Evangelium verbirgt sich hinter jedem Satz eine theologische Idee. Bis heute fasziniert das vermutlich jüngste der vier Evangelien mit seiner Herangehensweise an das Christusgeheimnis. Dessen Auslegung gipfelt im Kreuz; die radikale Erniedrigung Jesu fällt zusammen mit der Verherrlichung und Erhöhung des Erlösers.
„Johannes“ inspiriert Denker und Künstler, hält Provokationen bereit und konfrontiert uns mit einer sehr spezifischen Verschränkung von theologischer Reflexion und spirituellem Impuls.
Prof. Dr. Hans-Georg Gradl, Bibelwissenschaftler an der Theologischen Fakultät Trier, nimmt einen der wichtigsten Autoren des Neuen Testaments kompetent in den Blick: Johannes Evangelist. Was sind die Besonderheiten an seiner Art des Schreibens und Formulierens? Was unterscheidet ihn von den so genannten Synoptikern, also von den anderen drei Verfassern neutestamentlicher Evangelien: Matthäus, Markus und Lukas?
Professor Gradl bezieht sich für seine Tour durch die Schreibwerkstatt des Johannes Evangelist auf einen der großen Denker der Spätantike, Clemens von Alexandrien, und nennt diese Reise augenzwinkernd "Johanneischlernen". Die Schwierigkeit dabei ist keineswegs die Grammatik. Vielmehr geht es darum, zu verstehen, was bei Johannes Evangelist die Begriffe Licht, Leben, Fleisch, Geist, Stunde und Herrlichkeit bedeuten.

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