Armut, Menschenwürde und die Frage nach den sozialen Menschenrechten

Arnd Pollmann

Weltweit ist 2016 die Zahl der Todesurteile erschreckend von 1998 auf 3117 gestiegen, so Amnesty International. Dazu kommen die unzähligen Folteropfer, drangsalierten Flüchtlinge, missbrauchten Frauen und Kinder. Die „Würde des Menschen“ wird Tag für Tag vieltausendfach nicht nur angetastet, sondern verletzt oder zerstört. Was die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ 1948 als Antwort auf die schrecklichen Gräuel jener Jahre gefordert hatte, harrt immer noch der Einlösung. Dazu scheint sogar in Europa, auch in Deutschland, der entsprechende gesellschaftliche Konsens zu schwinden, wie unter anderem der Erlanger Menschenrechtsexperte Heiner Bielefeldt diagnostiziert.
Gründe genug, dass sich die Philosophischen Tage heuer mit dieser ethischen Zentralforderung beschäftigen. Auf dem Programm stehen die philosophische Begründung der Menschenwürde, die (nicht nur) in unserer Verfassung die kodifizierten Grundrechte fundiert, außerdem ein Überblick über einzelne Menschenrechte und deren Geltungsansprüche, nicht zuletzt, was die konkrete Verwirklichung angeht, sowie Überlegungen zur spannungsreichen Beziehung von Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit. Vielleicht verstehen wir am Ende ein wenig mehr von unserer Welt, warum sie so ist, wie sie ist, und wie sie sein könnte und sollte.
Seit April 2018 ist Prof. Dr. Arnd Pollmann Inhaber der Professur für Ethik und Sozialphilosophie an der Alice Salomon Hochschule Berlin.

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