Joseph Kardinal Wendel

Joseph Kardinal Wendel (1901 bis 1960)

Joseph Kardinal Wendel war von 1952 bis 1960 Erzbischof von München und Freising. In seiner Amtszeit und initiiert von ihm wurde die Katholische Akademie in Bayern gegründet.

Kurzbiographie

Erzbischof Joseph Kardinal Wendel ist der Gründer der Katholischen Akademie in Bayern. Er wurde 1901 in der Pfalz geboren und 1943 Bischof von Speyer. Nach dem Tod von Kardinal Michael von Faulhaber ernannte ihn Papst Pius XII. 1952 zum Erzbischof von München und Freising und erhob ihn kurze Zeit später zum Kardinal. Joseph Wendel war der erste Militärbischof der Bundeswehr, er setzte sich schon in den 50er Jahren für die Annäherung der christlichen Konfessionen ein und war Organisator des Eucharistischen Weltkongresses 1960 in München.
Kardinal Wendel erkannte frühzeitig, dass sich die gesellschaftliche und geistige Situation der Welt wandelt, und die Kirche eine Auseinandersetzung mit den Zeitströmungen auf hohem intellektuellem Niveau führen muss. Dieser Einsicht folgend gründete Kardinal Wendel, unterstützt von vielen Persönlichkeiten aus Kirche, Wissenschaft und Politik, 1957 die Katholische Akademie in Bayern.
Die Einweihung des eigenen Hauses der Akademie an der Mandlstraße 23 im Jahr 1962 erlebte der Kardinal nicht mehr. Er starb am Silvesterabend 1960.
In Erinnerung an ihn erhielt das Tagungsgebäude der Akademie den Namen „Kardinal Wendel Haus“.

Biographie

Kardinal Joseph Wendel, der Gründer der Katholischen Akademie in Bayern, kam 1901 im saarpfälzischen, damals noch königlich-bayerischen Blieskastel, Diözese Speyer, als Sohn des Schneiders Georg Karl Wendel und seiner Frau Katharina zur Welt. Seine Kindheit und Ju-gend war durch eifriges religiöse Leben geprägt, gefirmt wurde er 1914 durch den Speyerer Bischof Michael von Faulhaber.

Nach dem Abitur 1921 am staatlichen Gymnasium in Speyer absolvierte er das Studium der Philosophie und Theologie an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, wo er auch die Priesterweihe empfing. Es folgten Kaplansjahre in der Industriestadt Kaiserslautern sowie die Leitung des Bischöflichen Studentenheims St. Josef in Speyer und des Diözesan-Caritasverbandes. Für viele überraschend ernannte Papst Pius XII. Joseph Wendel 1941 zum Bischof und gab ihn als Coadjutor mit dem Recht der Nachfolge Bischof Ludwig Sebastian zur Seite, der ihm im Dom zu Speyer die Bischofsweihe spendete. Sein neues Amt stellte er, wie in seinem Wappen festgehalten, unter das Leitmotiv „Veritati et Caritati“ (Für die Wahr-heit und für die Liebe). Nach dem Tod von Bischof Sebastian folgte ihm Joseph Wendel 1943 als Bischof von Speyer nach.

Sein Einsatz galt vor allem der durch weitgehende Kriegszerstörung des Landes leidenden Bevölkerung. So nahm er eine ausgebombte zehnköpfige Familie in sein Bischofshaus auf, gründete 1945 ein Kinderhilfswerk und rief ein Wohnungsbauprogramm ins Leben. Dabei kam ihm sein organisatorisches und praktisch-technisches Geschick sehr zugute.

Nach dem Tod von Kardinal Michael von Faulhaber am 12. Juni 1952 wurde Joseph Wendel von Papst Pius XII. zum Erzbischof von München und Freising ernannt und nur kurze Zeit später zum Kardinal erhoben. Auch in seinem neuen Erzbistum stand der Kardinal vor großen Herausforderungen des materiellen und geistig-religiösen Wiederaufbaus. So mussten zahl-reiche im Weltkrieg zerstörte Kirchen wieder errichtet bzw. neu gebaut, die Seelsorge erneu-ert und verlebendigt und einer Gesellschaft im Umbruch geistige Orientierung angeboten wer-den. Hinzu kam, dass Joseph Wendel zum ersten Militärbischof für die neu gegründete Deut-sche Bundeswehr ernannt wurde und somit für den Aufbau der Militärseelsorge verantwort-lich war. Die Organisation des Eucharistischen Weltkongresses in München brachte schließ-lich für ihn übergroße Anforderungen mit sich.

Kardinal Wendel setzte sich für die Annäherung der christlichen Konfessionen ein, betonte aber stets die zentrale Rolle der katholischen Kirche in der Glaubensverkündigung. Er war volksnah, auch bei Andersgläubigen geschätzt und den Zeitproblemen gegenüber aufge-schlossen. Als Militärbischof erwarb er sich schnell den Respekt der militärischen Stellen sowie die Zuneigung der Soldaten. Gleichzeitig galt er als prinzipientreuer Theologe und Dogmatiker. Nicht zuletzt ging es ihm darum, die kirchlichen Strukturen in wirtschaftlicher und organisatorischer Hinsicht effektiver zu gestalten.

Der geistigen Situation dieser Jahre, die eine Auseinandersetzung mit den Zeitströmungen auf hohem intellektuellem Niveau erforderte, kam Kardinal Wendel mit der Gründung der Katho-lischen Akademie in Bayern 1957 entgegen. Nach seiner Intention soll sie, wie er in seiner Eröffnungsansprache am 1. Februar formulierte, „eine Stätte der Begegnung sein, nicht nur des Glaubens und des Wissens, sondern auch des Erkennens und des Lebens.“ Es gelte, „nicht nur das rechte Weltbild zu zeichnen, sondern auch sich um die rechte Weltgestaltung zu mü-hen, die nur durch die richtige Lösung der praktischen Aufgaben möglich ist, die dem persön-lichen und öffentlichen Leben in neuzeitlicher Vielfalt gestellt sind.“

Kardinal Wendel galt als Mann von äußerer und innerer Gelassenheit, bescheiden und nüch-tern, doch bei seiner vornehmen Zurückhaltung von durchaus klarer Entschiedenheit. Als Bi-schof in einer Zeit des Übergangs, war er geprägt noch von den Traditionen des 19. Jahrhun-derts, doch gleichzeitig auch offen für die Erfordernisse der sich abzeichnenden Umbrüche.

Völlig überraschend starb Kardinal Joseph Wendel am 31. Dezember 1960, wenige Stunden nach seiner Silvesteransprache. Die „Süddeutsche Zeitung“ schrieb damals: „Auch im Kir-chenregiment ruht die Verantwortung auf den Schultern von bewährten Verwaltern, die als hervorragende Fachleute ihren Apparat zu dirigieren wissen, mit einem Wort: Auf dem Typ des Managers, den die moderne Welt verlangt. Insofern war Kardinal Wendel einen geradezu zeitgemäßen Tod gestorben – am Herzinfarkt.“ Unter reger Anteilnahme der Bevölkerung und im Beisein zahlreicher Amts- und Würdenträger aus Kirche, Staat und Politik wurde Joseph Wendel wenige Tage später in der Krypta des Münchener Liebfrauendomes beigesetzt.


 
Lebensdaten

27. Mai 1901
Geboren in Blieskastel, Bistum Speyer

1921
Abitur am Staatlichen Gymnasium in Speyer

1921-1928
Studium der Philosophie und Theologie an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom

30. Oktober 1927
Priesterweihe in Rom

1929-1943
Direktor des Bischöflichen Studienheims St. Joseph in Speyer

1938-1943
Direktor des Diözesan-Caritasverbandes

4. April 1941
Ernennung durch Papst Pius XII. zum Titularbischof von Lebessus
und Koadjutor mit Nachfolgerecht als Bischof von Speyer

29. Juni 1941
Bischofsweihe im Dom zu Speyer

4. Juli 1943
Inthronisation zum Bischof von Speyer

9. August 1952
Ernennung durch Papst Pius XII. zum Erzbischof von München und Freising

9. November 1952
Inthronisation zum Erzbischof von München und Freising

12. Januar 1953
Erhebung zum Kardinal

4. Februar 1954
Ernennung zum ersten katholischen Militärbischof für die Deutsche Bundeswehr

1. Februar 1957
Gründung der Katholischen Akademie in Bayern

31. Juli bis 7. August 1960
37. Eucharistischer Weltkongress in München

31. Dezember 1960
Tod durch Herzinfarkt nach der Jahresschlussandacht mit Silvesteransprache

5. Januar 1961
Beisetzung in der Krypta des Münchener Liebfrauendomes

 

Sein Wappen als Kardinal und Erzbischof von München und Freising

 

Das Wappen zeigt in den Feldern 1 und 3 den Freisinger Mohr als Zeichen für die Erzdiözese München und Freising. In den Feldern 2 und 4 ist ein auf blauem Grund in der Mitte ein Wel-lenband zu sehen, darüber eine weiße Taube, darunter eine Krone. Die Krone steht für das Reich Christi, das Wellenband symbolisiert das Wasser der Taufe, durch die man in das Reich Christi eintritt. Die Taube ist das Symbol des Heiligen Geistes – des Geistes der Wahrheit und der Liebe, ein Verweis auf den Wahlspruch von Kardinal Wendel „Veritati et Caritati“ (Für die Wahrheit und für die Liebe“).

 

Das Wappen von Joseph Kardinal Wendel
Bilder

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