Prälat Prof. Dr. Karl Forster

Porträt des Gründungsdirektors der Katholischen Akademie Bayern, Prof. Dr. Karl Forster
Prälat Prof. Dr. Karl Forster (1928 bis 1981)

Prof. Dr. Karl Forster war der Gründungsdirektor der Katholischen Akademie. Er leitete die Akademie von 1957 bis 1967. In seiner Amtszeit konnte mit dem Kardinal Wendel Haus das Tagungszentrum der Akademie gebaut und 1962 eröffnet werden.

Kurzbiographie

Karl Forster, der Gründungsdirektor der Katholischen Akademie Bayern, wurde 1928 im oberpfälzischen Amberg geboren. Nach dem Studium der Philosophie und Theologie in Freising und München promovierte ihn die Universität München 1952 mit nur 24 Jahren zum Doktor der Theologie. Die Priesterweihe empfing er 1953.
29-jährig wurde Karl Forster 1957 von Joseph Kardinal Wendel zum ersten Direktor der Katholischen Akademie berufen. Forster schaffte es in seiner Amtszeit bis 1967, nicht nur die Akademie durch seinen Mut zum Dialog und durch die Offenheit des Geistes nachhaltig zu prägen, auf seine Initiative gingen auch die Gründung der Organisation der Katholischen Erwachsenenbildung in Bayern (1958), der Bau des Kardinal Wendel Hauses als Tagungszentrum der Akademie mitten in Schwabing (1962) und die Etablierung der Kommission für Zeitgeschichte (ebenfalls 1962) zurück.
1967 gab Karl Forster die Leitung der Akademie ab und war vier Jahre lang Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz. 1971 nahm er einen Ruf auf den Lehrstuhl für Pastoraltheologie der neu gegründeten Universität Augsburg an.
Völlig unerwartet starb Karl Forster am 23. November 1981. Beigesetzt ist er auf dem Friedhof am Perlacher Forst in München.

Biographie

Karl Forster kam 1928 in Amberg in der Oberpfalz als Sohn der Eheleute Karl und Katharina Forster zur Welt. Sein Vater arbeitete zunächst als Betriebsingenieur an der Luitpoldhütte in Amberg, trat dann in den Staatsdienst ein und zog mit seiner Familie nach Landshut, wo er zuletzt Baurat und technischer Leiter der staatlichen Fachhochschule für Maschinenbau war. In Landshut besuchte Karl Forster die Volksschule und die Oberschule für Jungen (jetzt Hans Leinberger-Gymnasium). Nach einer mehrmonatigen Notdienstverpflichtung, zuletzt zum Volkssturm, und einer zwischenzeitlichen Tätigkeit als Dolmetscher bei einer Dienststelle der US-Militärregierung legte er im Frühjahr 1946 die Reifeprüfung ab.

Das anschließende Studium der Philosophie absolvierte er an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Freising, das der Theologie an der Universität München. Für seine wissenschaftliche Arbeit „Die Verteidigung der Lehre des hl. Thomas von der Gottesschau durch Johannes Capreolus“ erhielt er den Preis der Theologischen Fakultät, die zudem die Untersuchung als Dissertation annahm. Karl Forster konnte seine theologischen Studien 1952 mit dem Synodalexamen und mit der Promotion zum Dr. theol. abschließen. Während seiner Studienzeit war er mehrere Semester ASTA-Vorsitzender der Universität München sowie Landesvorsitzender der Bayerischen Studentenschaft.

Vom Erzbischof von München und Freising, Joseph Kardinal Wendel, 1953 im Dom zu Freising zum Priester geweiht, war Karl Forster anschließend kurz Kaplan in Tuntenhausen und danach ein Jahr lang Seelsorger in Miesbach. Daraufhin ist er für die weitere wissenschaftliche Arbeit freigestellt und Assistent bei Prof. Michael Schmaus am Grabmann-Institut in München geworden. Gleichzeitig war er Religionslehrer, Schwesternseelsorger und Leiter des Studentenheims Jakob-Balde-Haus. Die wissenschaftliche Laufbahn des begabten Dogmatikers schien vorgezeichnet, seine Habilitation über den Weisheitsbegriff des hl. Augustinus war bereits weit fortgeschritten.

Doch Karl Forster verließ den eingeschlagenen Weg, als Kardinal Joseph Wendel den 29-Jährigen auf Vorschlag der vorbereitenden Kommission und beraten von Michael Schmaus und Romano Guardini zum 1. Februar 1957 zum Gründungsdirektor der Katholischen Akademie in Bayern berief. Deren vordringliche Aufgabe sah Kardinal Wendel darin, „die Beziehung zwischen Kirche und Welt zu klären und zu fördern“. Karl Forster hat dem Gründungsstatut der Akademie Leben gegeben und die Spannweite dessen aufgezeigt, was in dieser Zielformulierung „die Beziehung zwischen Kirche und Welt zu klären und zu fördern“ steckt: durch seine Auswahl und die Vielfalt der Themen und Referenten, durch seinen Mut zum Dialog und zur Kontroverse, durch seine Offenheit des Geistes, die es wagt, nicht nur über andere philosophische, religiöse, weltanschauliche, politische Positionen zu reden, sondern mit den Vertretern dieser Positionen ins Gespräch zu treten. Er nutzte die dem Direktor gewährte Selbständigkeit und Unabhängigkeit mit Mut gegen manche geistige Enge und hat so das geistige Profil und den Stil der Akademie bis heute geprägt.

Ebenso gehen auf seine Initiative und sein Engagement zurück: die Gründung der Landesorganisation katholischer Erwachsenenbildung in Bayern (1958), der Bau des Kardinal Wendel Hauses nicht auf der grünen Wiese, sondern mitten in Schwabing (1962), die Gründung der Kommission für Zeitgeschichte (1962), die Arbeit der Hochschulkreise in den bayerischen Universitätsstädten, die ersten Auslandskontakte der Akademie nach Rom, Paris und in die USA. Dr. Karl Böck hat die Leistung seines langjährigen Weggefährten und Freundes mit folgenden Worten gewürdigt: „Karl Forster hat die Katholische Akademie in Bayern souverän an die Spitze aller vergleichbaren Einrichtungen der katholischen Kirche in der Bundesrepublik Deutschland geführt.“

Auf Vorschlag von Julius Kardinal Döpfner, der 1961 die Leitung der Erzdiözese München und Freising in der Nachfolge von Joseph Wendel übernommen hatte, wurde Karl Forster von der Deutschen Bischofskonferenz zu ihrem ersten Sekretär gewählt. Am 1. März 1967, nachdem mit Dr. Franz Henrich ein neuer Akademieleiter installiert war, trat er sein Amt offiziell an. Das Arbeitsgebiet des in München angesiedelten Sekretariats umfasste den Gesamtbereich kirchlichen Wirkens, angefangen von Fragen der pastoralen Koordination über kirchenpolitische Aufgaben bis zur Zusammenarbeit mit den Dienststellen der evangelischen Kirche, zur Förderung der Weltmission und der kirchlichen Entwicklungsarbeit. Karl Forster wuchsen nun zwar mehr Gestaltungsmöglichkeiten zu, aber seine Arbeitsfelder waren jetzt unweit größer, die Aufgaben unübersehbarer, die Konflikte zahlreicher und die Jahre nach dem Konzil auch unruhiger geworden. Was Karl Forster in diesen schwierigen Jahren für die Kirche getan hat, drückte bei dessen Beerdigung der Essener Bischof Dr. Franz Hengsbach im Namen der Deutschen Bischofskonferenz so aus: „In wie vielen Gesprächen und Sitzungen hat er uns geholfen, in wie vielen Briefen und Gutachten uns bis zuletzt beraten! Wir konnten uns auf ihn verlassen, auf seine hohe Intelligenz, sein klares Urteil, seine priesterliche Treue und auf sein mutiges Eintreten für das, was ist, und für das, was gilt. Er wusste, was Vollmacht ist. Aber er suchte nicht die Macht. Er wusste, was Wissen und Gewissen ist, und er weckte die Verantwortung.“

Für viele überraschend schied Karl Forster im Sommer 1971 aus dem Amt des Sekretärs der Deutschen Bischofskonferenz aus und nahm den Ruf auf den Lehrstuhl für Pastoraltheologie an der neu errichteten Universität Augsburg an; er schlug damit den Bogen wieder zum Anfang seines Berufslebens, zur theologischen Wissenschaft. In den zehn Jahren seiner Lehrtätigkeit hat er eine immense Forschungsarbeit geleistet, etwa im Hinblick auf die Einstellung deutscher Katholiken zu weltkirchlichen Aufgaben, auf pastoraltheologische Kernprobleme oder auf die Gesellschaftsverantwortung der Kirche und der Katholiken. Zahlreiche Veröffentlichungen sind in diesen Jahren entstanden. Auch nutzte er intensiv die Massenmedien, insbesondere den Hörfunk, um den Menschen in Ansprachen und Vorträgen die christliche Botschaft nahezubringen. Bis zu seinem Tod war er der Vertreter der katholischen Kirche im Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks.

Karl Forster starb völlig unerwartet auf dem Weg zu seiner Vorlesung am 23. November 1981. Unter der Anteilnahme zahlreicher Vertreter aus Wissenschaft, Kirche und Staat wurde er am 27. November auf dem Friedhof am Perlacher Forst in München begraben.

In einer biographischen Skizze würdigte ihn Augsburger Sozialwissenschaftler Anton Rauscher SJ mit den Worten: „Forster gehört zu denjenigen Persönlichkeiten, die ein Vierteljahrhundert Geschichte der Kirche und der Gesellschaft in Deutschland maßgeblich mitgeprägt haben.“ Und Franz Henrich, sein Nachfolger im Amt des Akademiedirektors bemerkte in seinem Nachruf: „Forsters Lebensinhalt und zentrales Thema war die Kirche: die Kirche in der Gesellschaft, im Staat, in der Politik, in der Öffentlichkeit, in den Medien, in der Wissenschaft.“


 
Lebensdaten


27. Januar 1928
Geboren in Amberg in der Oberpfalz

1929
Umzug der Familie nach Landshut

1934-1938
Besuch der Volksschule in Landshut

1938-1946
Besuch der Oberschule für Jungen (heute Hans Leinberger-Gymnasium) in Landshut;
mehrmonatige Notdienstverpflichtung, zuletzt zum Notsturm;
Tätigkeit als Dolmetscher bei einer Dienststelle der US-Militärregierung;
Abitur im Frühjahr 1946

1946-1948
Studium der Philosophie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Freising

1948-1952
Studium der Theologie an der Universität München

1949-1950
ASTA-Vorsitzender der Universität München und Landesvorsitzender der bayerischen Studentenschaften

1950
Preis der Theologischen Fakultät für die wissenschaftliche Arbeit „Die Verteidigung der Lehre des hl. Thomas von der Gottesschau durch Johannes Capreolus“, die als Dissertation angenommen wird

1952
Synodalexamen und Promotion zum Dr. theol.

1952-1953
Pastoral-praktische Ausbildung und Vorbereitung auf die Priesterweihe im Priesterseminar Freising

29. Juni 1953
Priesterweihe durch den Erzbischof von München und Freising, Joseph Kardinal Wendel, im Dom zu Freising

1. September bis 1. Oktober 1953
Kaplan in Tuntenhausen

1. Oktober 1953 bis 1. Oktober 1954
Kaplan in Miesbach


1954-1957
Wissenschaftlicher Assistent bei Prof. Michael Schmaus am Grabmann-Institut in München;
Vorbereitungsarbeiten für die Habilitation über den Weisheitsbegriff des hl. Augustinus;
Gleichzeitig Religionslehrer, Schwesternseelsorger und Leiter des Studentenheims Jakob-Balde-Haus

1. Februar 1957 bis 28. Februar 1967
Direktor der Katholischen Akademie in Bayern

1958-1967
Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft für Katholische Erwachsenenbildung in Bayern und Vorstandsmitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft für Katholische Erwachsenenbildung

1958-1968
Diözesanbeauftragter für die kirchlichen Sendungen in Hörfunk und Fernsehen

1960
Ernennung zum Ritter vom Heiligen Grab

1960-1962 und 1968-1981
Vertreter der Katholischen Kirche im Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks

1962-1968
Vertreter der Katholischen Kirche im Fernsehrat des ZDF

1. März 1967 bis Sommer 1971
Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz

1968
Ernennung zum Päpstlichen Ehrenprälaten

28. September 1971 bis 23. November 1981
Professor für Pastoraltheologie an der Universität Augsburg

23. November 1981
Verstorben in Augsburg

27. November 1981
Beisetzung auf dem Friedhof am Perlacher Forst in München

 

 

 

Bilder

Bilder zu Kardinal Wendel