Sonderheft zu 01/2015 Auferstehungstexte im Neuen Testament

Auferstehungstexte im Neuen Testament

„Auferstehungstexte im Neuen Testament“ war der Titel der Biblischen Tage 2014, die – wie in den zurückliegenden Jahren jeweils auch – in der Karwoche, vom 14. bis zum 16. April, stattgefunden haben. Rund 150 Teilnehmer kamen dazu in die Katholische Akademie Bayern. Theologen verschiedener Fachrichtungen gaben in Referaten und Kurz-Statements Einblicke in zentrale Fragen, die an die Auferstehungstexte in den vier Evangelien gestellt werden, die ja die Basis des Christentums bilden. Auch die Darstellungen der Auferstehung in Filmen und der Bildenden Kunst waren Thema der Biblischen Tage 2014.

In diesem Sonderheft unserer Zeitschrift „zur debatte“, das zusammen mit der laufenden Ausgabe erscheint, dokumentieren wir zum einen die von den Autoren überarbeiteten Hauptreferate. Sie finden im Sonderheft aber auch die sechs Statements, die bei der Veranstaltung als Impuls zu den jeweiligen Diskussionsgruppen gedacht waren. Alle Autoren haben sich die Mühe gemacht, diese Texte noch einmal gründlich zu überarbeiten und uns zur Verfügung zu stellen.

Illustriert werden die 28 Seiten des Sonderheftes durch farbige Abbildungen, die zentrale Aussagen der Evangelien zur Auferstehung auf ihre Weise darstellen. Sie entstammen der „Holkham Bible“, einer spätmittelalterlichen englischen Pergament-Handschrift.

Auferstehungstexte im Neuen Testament. Einführung und Überblick
von Hans-Georg Gradl

Das Bekenntnis zur Auferweckung Jesu ist das Herzstück des christlichen Glaubens. So formulierte bereits Augustinus: „Nimm die Auferstehung weg, und du zerstörst das Christentum“. Wer die Auferstehungstexte im Neuen Testament studiert, wendet sich dem Grunddatum des christlichen Glaubens zu. Dieser Einführungsvortrag möchte zweierlei erreichen. Einerseits gilt es, sich einen Überblick über die unterschiedlichen Auferstehungstexte im Neuen Testament zu verschaffen. Das Bekenntnis zur Auferweckung Jesu findet sich in verschiedenen Schriften und wird in unterschiedlichen Gattungen ausgedrückt. Andererseits sollen die wesentlichen Themenfelder benannt werden, die mit der Auferweckung Jesu in Verbindung stehen und die im Lauf der biblischen Tage behandelt werden sollen. Hier ginge es darum, ein Koordinatensystem zu entwerfen, das den Facettenreichtum der Thematik deutlich macht und der Orientierung innerhalb des breitgefächerten Themenfeldes dient. (…)

Auferstehung im Film. Seh-Hilfen zur Wahrnehmung der Wirklichkeit von Vollendung
von Jürgen Bründl

Das Ereignis der Auferstehung ist nicht von dieser Welt. Die Vollendung, für die sie steht, die Rettung, welche sie dem unheilvoll gebrochenen und vom Tod bedrohten Leben des Menschen verheißt, sprengt jeden irdischen Rahmen. Deshalb ist die anschauliche Darstellung von Auferstehung ein Unterfangen, das auf weltliche Weise kaum gelingen kann.

Wie soll das Unkalkulierbare, die definitive Rettung, das ewige Heil gezeigt, in vergängliche Bilder gefasst werden? Die neutestamentlichen Evangelien wissen um diese Schwierigkeit und erzählen ihre Auferstehungsgeschichten entsprechend komplex. (…)

Die Überlieferungsgeschichte der Osterbekenntnisse
von Bernhard Heininger

Wer sich auf die Suche nach den ältesten Osterzeugnissen macht, darf sich von der Schönheit der Ostererzählungen nicht blenden lassen. Deren Ästhetik sowie der Umstand, dass die erzählte Zeit von Geschichten wie der Erscheinung Jesu vor Maria Magdalena (Joh 20,11-18) oder vor den beiden Emmausjüngern (Lk 24,13-35) ganz nahe an den Ursprung des christlichen Glaubens heranrückt, lässt nur allzu bereitwillig über das relativ junge Alter dieser Erzählungen hinwegsehen. Zwar ist es mehr als wahrscheinlich, dass die vier Evangelisten, die zwischen 70 und 100 n. Chr. schreiben, ältere Traditionen aufgriffen und ihren Evangelien inkorporierten. Und manchmal, wie im Fall von Lk 24,34 („Der Herr ist wirklich auferweckt worden und dem Simon erschienen, mögen sich sogar älteste Traditionssplitter in den Ostergeschichten der Evangelien erhalten haben. An die aus der paulinischen Briefliteratur bekannten Osterbekenntnisse reichen sie zeitlich dennoch nicht heran. Denn Paulus schreibt ja nicht nur mindestens circa 20 Jahre früher als die Evangelisten, sondern er weist an etlichen Stellen seiner Briefe auch explizit darauf hin, dass er ältere Tradition zitiert. (…)

Hellenistische und jüdische Vorgaben für die christliche Botschaft von der Auferweckung Jesu
von Uta Poplutz

Das Christentum und mit ihm das Neue Testament entstanden im Kontext einer blühenden Kulturlandschaft: dem Imperium Romanum. Die prägende Religion der Christinnen und Christen war das Judentum, nicht nur im Heimatland Israel, sondern auch in der Diaspora. Da eine Idee oder Erfahrung, so singulär sie auch sein mag, ohne den Rückgriff auf kulturell oder religiös geprägte Sprachformen und Denkmodelle nicht kommunikabel ist, ist zu fragen, inwiefern die urchristliche Osterverkündigung auf zeitgenössische jüdische und/oder pagane Verstehensmuster zurückgegriffen hat. (…)

War das Grab leer?
von Jürgen Bründl

Die Antwort auf diese Frage lautet in aller Kürze: Wir wissen es nicht. Das klingt zunächst prekär. Allerdings hat die Frage nach dem leeren Grab erst in der Neuzeit den Rang einer Wahrheits-Prüfung des Glaubens erhalten. Die älteste christliche Oster-Überlieferung, wie sie etwa bei Paulus begegnet, kennt den Hinweis auf ein leeres Grab nicht, sie verkündigt aber die Auferstehung Christi. Zwischen beiden Vorstellungen herrscht weder logisch noch ontologisch ein Implikationsverhältnis. Die hebräische Bibel verheißt die himmlische Auferstehung des Leibes in dem vollen Bewusstsein, dass die irdischen Körper der zu Tode gemarterten Glaubenszeugen im Grab verwesen (vgl. 2 Mak 7,1–29). (…)

Visionen – war alles nur Einbildung?
von Hans-Georg Gradl

Visionen gehören zur Verkündigung der Auferweckung Jesu im Neuen Testament. Sie sind Gegenstand der Bekenntnis- und der Erzähltradition. Alle Evangelien berichten von Visionen der Jünger. Neben Tod, Begräbnis und Auferweckung Jesu erwähnt auch Paulus erwähnt als viertes Glied des Osterkerygmas die Erscheinungen des Auferstandenen; „und er erschien dem Kephas, dann den Zwölf. Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen. Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln. Als letztem von allen erschien er auch mir, dem Unerwarteten, der ‚Mißgeburt‘“ (1 Kor 15,5-8). Ohne Visionen lässt sich der Glaube an die Auferweckung Jesu im Neuen Testament kaum fassen. Zu fest sind sie mit der Entstehung des Osterglaubens verbunden. (…)

Leichenraub oder Scheintod – Gibt es andere Erklärungen?
von Bertram Stubenrauch

Gefragt wird, ob es für das nachösterliche Auftreten Jesu auch andere Erklärungen gibt als die beiden Alternativen Leichenraub oder Scheintod. Und ich sage: Natürlich! Ja! Es gibt andere Erklärungen! Die eigentliche Erklärung ist die Botschaft von der tatsächlichen Auferweckung Jesu Christi – deren theologisches Verständnis fünf kurze Thesen erläutern sollen. (…)

Welchen Leib hatte der Auferstandene?
von Jürgen Bründl

Wer nach dem „Leib“, griechisch „soma“, des Auferstandenen fragt, der fragt nach der ewigen, das heißt definitiv geretteten und heil gewordenen Wirklichkeit des Gekreuzigten bei Gott. Den ursprünglichen Kontext dieser Aussage bildet also auch hier das Christus-Bekenntnis. Das Wort von einer leibhaften Auferstehung bedeutet dann, dass wirklich derselbe Jesus aus Nazareth, der von den römischen Behörden hingerichtet wurde, aufgrund göttlicher Intervention neu lebt, den Menschen begegnet und zum Grund einer Hoffnung auf die Vollendung auch ihres irdisch-unvollkommenen, das heißt vergänglichen und von Leid und Unheil angefochtenen Lebens werden kann. (…)

Karfreitag, Ostersonntag und danach: Wie entsteht der Osterglaube?
von Hans-Georg Gradl

Der Tod Jesu zerstört die Hoffnung der Jünger. Da werden Menschen, die Jesus gehört und erlebt haben, die mit ihm unterwegs waren und sich zu seiner Gefolgschaft rechneten durch die Verurteilung und Hinrichtung Jesu auseinandergerissen. Sie fliehen. Sie versuchen die Katastrophe zu verschmerzen. Sie kehren in ihren Alltag zurück. Der Karfreitag ist die deprimierende Krise und der scheinbare Untergang der Jesusbewegung und des Jüngerkreises. Doch plötzlich beginnen eben diese Jünger, die Botschaft des Meisters weiterzutragen. Die Jünger sammeln sich und verkünden den Gekreuzigten als den von Gott Erweckten. Aus dem Untergang erwächst ein Neuanfang.

Die Ausgangsfrage dieses Statements betrifft gerade diese Zäsur – zwischen Karfreitag und Ostern, zwischen der Flucht einerseits und der erneuten Sammlung andererseits, zwischen dem Schock des Kreuzestodes und dem Vertrauen in die Auferweckung Jesu. Wie entsteht der Osterglaube? (…)

Die Ostererzählungen – Mythos oder Tatsachenbericht? Begegnung mit dem Auf-erstandenen
von Bertram Stubenrauch

Die Frage nach dem Auferstehungsleib Jesu ist eine heikle. Es geht dabei zuallererst um die Beziehungsfähigkeit des Menschen. Leib zu sein, Leib zu haben, das bedeutet: Ich kann in Kontakt treten, ich bin als Individuum erkennbar; ich bin wer; ich bin Persönlichkeit. Zur Persönlichkeit gehört also der Leib, gehört das „Fleisch“. Wir stehen uns ja nicht als reine Geister gegenüber; wir kommunizieren von Angesicht zu Angesicht. (…)

Klänge aus dem Jenseits: Die Osterbotschaft in der Musik. Philosophisch-theologische Explikation
von Michael Hartmann

Klänge sind durchaus irdische Phänomene und als solche nicht dem Jenseits entsprungen. Beschränkt sich demnach die Potenz der Musik – verstanden als die Kunstform, die mit Klängen arbeitet, sie organisiert und mit Bedeutung auflädt – darauf, eine Klangfolie für das Wort der Osterbotschaft zu sein, um nicht trocken wie das gesprochene Wort allein zu sein?

Wenn nur darin die Qualität von Musik bestünde, Wortvermittlung mit akustischem Zierrat zu ermöglichen, könnten wir sie getrost vergessen und der Unterhaltungsindustrie überlassen. (…)

Bestellung/Abonnement Zurück