Sonderheft zu 04/2015 Geschichte Bayerns

Inhaltsverzeichnis
Das Wessobrunner Gebet

Vor 1200 Jahre – im Jahr 814 – wurde ein Codex mit frühmittelalterlichen Handschriften im Kloster Wessobrunn fertiggestellt, von denen eine ganz besondere Schrift ist: das „Wessobrunner Gebet“. Es ist einer der ganz frühen poetischen Texte in althochdeutscher Sprache und das älteste deutschsprachige christliche Gebet oder christliche Gedicht. Prof. Dr. Hans Pörnbacher, em. Professor für Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters, einer der besten Kenner der altbairischen Geschichte und Literatur, erläuterte die Bedeutung dieser wenigen Zeilen beim Adventlichen Abend für Journalisten am 3. Dezember 2014 in Schloss Suresnes.

 

Ein Lied auf Gottes Herrlichkeit
von Hans Pörnbacher

Die Handschrift, in die das „Wessobrunner Gebet“ eingetragen wurde, trägt auf der letzten Seite die Jahreszahl 814. Das will sagen, dass der Codex in diesem Jahr abgeschlossen wurde. Die mühsame Arbeit daran hat ja längere Zeit gedauert. Und doch erlaubt uns die Jahreszahl 814 jetzt, 1200 Jahre später, an eine Dichtung zu erinnern, die schon damals so geschätzt wurde und so beliebt war, dass man sie in eine kostbare, weil schon wegen des Pergaments teure und wegen der mühsamen Schreibarbeit aufwendige Handschrift eingetragen hat. Nur auf diese Weise konnte man damals einen so kleinen, nur zwei Seiten umfassenden Text festhalten und bewahren.
Aufschlussreich ist die Überschrift des Dokuments: da steht „De Poeta“, was so viel besagt als „Etwas vom Dichter“, „Etwas Poetisches, Dichterisches“. Diese Überschrift erlaubt uns, das Sprachdenkmal, das seit Beginn des 19. Jahrhunderts unter dem Titel „Wessobrunner Gebet“ firmiert, nicht als Gebet, sondern als Gedicht zu bezeichnen.

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