Heft 01/2015

Inhaltsverzeichnis
Reihe „Wissenschaft für jedermann“
Geo-Ressource Untergrund

Wieder vollbesetzt war der Ehrensaal des Deutschen Museums am Abend des 12. Novembers 2014, als „Geo-Ressource Untergrund. Chancen und Risiken im Rahmen der Energiewende“ das Thema war. Das Deutsche Museum und die Katholische Akademie Bayern hatten in der Reihe „Wissenschaft für jedermann“ Prof. Dr. Michael Kühn eingeladen. Kühn ist Professor für Hydrogeologie an der Universität Potsdam und Leiter der Sektion Hydrogeologie am Helmholtz-Zentrum Potsdam, dem Deutschen GeoForschungszentrum (GFZ). Er stellte in seinem Vortrag Chancen und Risiken der geplanten und schon durchgeführten Eingriffe tief unter die Erde dar. Prof. Dr. Markus Vogt, Professor für Christliche Sozialethik an der Universität München, gab in seinem Beitrag eine ethische Einordnung der gesamten Problematik.

Geo-Ressource Untergrund in ethischer Perspektive
von Markus Vogt

Nach den Berechnungen des Evolutionsbiologen Hans Mohr könnte die Erde ohne kulturell-technische Eingriffe nur ein Tausendstel der gegenwärtigen Menschheit ernähren. Die ständige Erweiterung der Tragekapazität der Erde im Agrarbereich ist somit unverzichtbare Basis menschlicher Existenzsicherung, zumal in Zeiten des ungebremsten globalen Wachstums der Weltbevölkerung und ihres Anspruchsniveaus.

Diese Dynamik gilt für den Umgang mit natürlichen Ressourcen allgemein: Ihr Bestand ist nicht einfach eine vorgegebene Größe, sondern eine abhängige Variable von kultureller und technischer Innovation. So wird beispielsweise Wasserstoff erst durch seine technische Nutzbarkeit zu einer Ressource. (…)

Chancen und Risiken im Rahmen der Energiewende
von Michael Kühn

Das Deutsche GeoForschungsZentrum GFZ (www.gfz-potsdam.de) als Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft (www.helmholtz.de) hat sich zum Ziel gesetzt, das System Erde zu verstehen und hier insbesondere auch die Wechselwirkung mit dem Menschen, um Antworten auf die drängenden Fragen der Gesellschaft beizusteuern. Unser Planet Erde übt vor allem Einflüsse aus auf uns, aber auch der Mensch ist dabei, das Gesamtsystem signifikant zu beeinflussen, wie die anthropogenen Anteile des Klimawandels sehr deutlich zeigen.

Die Ziele der Bundesrepublik Deutschland im Rahmen der Energiewende sind sehr ehrgeizig. Hier soll die Frage beleuchtet werden, welchen Beitrag die Geo-Ressource „Untergrund“ dazu liefern kann. Die Ausgangsbasis ist das Energiekonzept der Bundesregierung von 2010 (nach Fukushima in 2011 aktualisiert) für eine umweltschonende, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung. (…)

Klosterbauten ohne Orden
Dimensionen und Herausforderungen

Ausbleibende Berufungen sind nicht nur für die Ordensgemeinschaften selbst ein drängendes Problem. Es stellt sich auch die Frage, was künftig aus den vielleicht verwaisten Klosterbauten werden soll. Denn viele Klöster hatten und haben – jenseits ihrer religiösen Bedeutung – eine enorme Strahlkraft auf Struktur und Entwicklung ganzer Landschaften „Klosterbauten ohne Orden – Dimensionen und Herausforderungen“ lautete der Titel der Abendveranstaltung der Katholischen Akademie Bayern am 6. Mai 2014, auf der versucht wurde, Wege aufzuzeigen, Klöster als besondere Orte zu erhalten. Lesen Sie im Anschluss die überarbeiteten Referate und ein Interview mit Abt Hermann Josef Kugler OPraem von Windberg zu den Perspektiven, die sich aus der Akademieveranstaltung ergeben haben.

Mehr als Klöster – Klosteranlagen und der ländliche Raum
von Ferdinand Kramer

Wenn von „Mehr als Klöster“ die Rede ist, dann ist damit gemeint, dass die folgenden Ausführungen über den religiösen, spirituellen Kern eines Klosters hinausgehen, ja die eigentliche Bestimmung eines Klosters nur am Rande berühren.   Mit Blick auf die Geschichte der Klöster bis an die Gegenwart heran und spezifisch für den ländlichen Raum wollen wir nach den Funktionen der Klöster und Klosteranlagen fragen, die uns über den religiösen Gehalt hinaus womöglich Hinweise auf Motive und Kräfte geben können, die immer wieder Klöster und Klosteranlagen oder ihre Erneuerung und Umnutzung ermöglicht haben. (…)

Das Ende einer Kultur? Klosterbauten ohne Orden
von Abt Hermann Josef Kugler OPraem

„Haus Gottes billig zu haben“ – so titelte Christ & Welt, die Wochenzeitung für Glaube, Geist und Gesellschaft in einer Ausgabe im vergangenen Jahr. Darin kommt ein Immobilienmakler zu Wort, der als Anlageberater Klöster veräußert, die von ihrem Orden aufgegeben werden. Mehr als ein Dutzend hat er mit seiner Firma veräußert, weil die Gebäude vom jeweiligen Orden nicht mehr benötigt werden.

Die Tatsache, dass Klöster geschlossen werden, kann jeder von uns aus seinem weiteren oder näheren Umfeld bestätigen. Diese Entwicklung hat schon seit Längerem eingesetzt und sie wird sich in Zukunft noch verschärfen, wenn man die Überalterung in manchen Ordensgemeinschaften und die Entwicklung der Ordenslandschaft in Deutschland betrachtet. Erst kürzlich wurde berichtet, dass die Salesianerinnen in Beuerberg ihr Kloster aufgeben. Diese Entwicklung, die schon vor einiger Zeit begonnen hat, wird sich noch verstärken. (…)

Verwaiste Klöster – Chance und Entwicklung für eine Region
von Theo Waigel, Bundesminister a.D.

Mit der Kompetenz meiner Vorredner kann ich nicht dienen. Prof. Dr. Ferdinand Kramer ist ein ausgewiesener Experte, nicht nur der Bayerischen Geschichte, sondern auch der Folge der Säkularisierung Anfang des 19. Jahrhunderts. Abt Hermann Josef Kugler aus der Abtei der Prämonstratenser in Windberg und Vorsitzender der Deutschen Ordensobernkonferenz hat hinreichende persönliche Erfahrungen mit der Verwaltung von Klöstern und weiß, wie in verwaisten Klosterbauten Neues entstehen kann. Ich kann demgegenüber nur auf Erfahrungen mit meiner Heimat in Ursberg, mit dem Kloster Roggenburg, mit dem Wiederaufbau von Irsee und mit dem Wiedererstehen von Banz als Bildungsstätte aufwarten. Es sind Plaudereien aus dem Nähkästchen, wie das in Roggenburg gelaufen ist, wo ich von Anfang an noch als Bundesminister der Finanzen und als Wahlkreisabgeordneter involviert war.

Ich habe mich damals, Mitte der 1990er Jahre, über den unglaublichen Mut, Optimismus und Gottesglauben von Pater Rainer Rommens und Pater Gilbert Kraus und den anderen Patres in Roggenburg gewundert. (…)

Wie wir leben – wie wir leben könnten.

Fast 600 Menschen sind am Abend des 24. Januar 2015 in die Katholische Akademie Bayern gekommen, um Pater Anselm Grün zuzuhören. Bei der zusammen mit dem Verlag Herder organisierten Veranstaltung aus Anlass des 70. Geburtstages des Benediktinermönchs aus Münsterschwarzach stellte Anselm Grün einige Kapitel aus seinem neuen – im Verlag Herder herausgekommenen – Buch „Wie wir leben – Wie wir leben könnten“ vor. Dem öffentlichen Vortrag vorangegangen war ein Geburtstagsempfang des Verlages im Schloss Suresnes, bei dem der evangelische Theologe Werner Tiki Küstenmacher die Laudatio auf Pater Anselm hielt.

Haltungen, die die Welt verändern
von P. Dr. Anselm Grün OSB

Anlässlich meines 70. Geburtstag möchte ich Ihnen einige Gedanken aus meinem Buch vortragen: „Wie wir leben. Wie wir leben könnten“. In diesem Buch habe ich Haltungen beschrieben, die uns Halt geben mitten in der Haltlosigkeit unserer Zeit. Doch bevor ich einige Haltungen meditiere, möchte ich einige Grundsätze meiner Spiritualität zum Ausdruck bringen.

Wenn ich diese Haltungen beschreibe, dann nicht mit einem moralisierenden Zeigefinger: „So sollst du leben.“ Alles Moralisieren liegt mir fern. Ich möchte vielmehr Erfahrungen von Menschen erzählen, die diese Haltungen gelebt und damit den Reichtum ihres Menschseins erfahren haben. Es sind also Angebote, wie wir leben können. (…)

Flüchtlinge – Drama ohne Ende?

Rund 120 Menschen kamen am 13. Januar 2015 zu der Veranstaltung „Flüchtlinge – Drama ohne Ende?“ in die Katholische Akademie Bayern. Bei der ersten Veranstaltung in diesem Jahr berichtete der irakische Priester Dr. Sami Danka, Pfarrer der Chaldäischen Katholischen Gemeinde in München, von seinen eigenen Erlebnissen als Verfolgter und Flüchtling. Er war als Regens des Priesterseminars in Bagdad bedroht, entführt und mit Scheinhinrichtungen gequält worden. Sein Patriarch schickte ihn zur eigenen Sicherheit nach Deutschland, wo er seit 2009 als Seelsorger Chaldäischer Christen – die meisten ebenfalls aus ihrer Heimat vertrieben – arbeitet. Bei seinem teilweise in Deutsch, teilweise in Aramäisch gehaltenen Vortrag schilderte er auch den Leidensweg gerade seiner Kirche in den letzten Jahrzehnten. (…)

Italien im Umbruch
Analysen zur politischen und geistig-kulturellen Situation

Italien – ein Land, das bei uns Deutschen gegensätzliche Emotionen weckt: Einerseits Sehnsuchtsort, andererseits Besorgnis um die Zukunft des Landes angesichts vielfacher Krisen. Die Katholische Akademie Bayern nahm die EU-Ratspräsidentschaft, die Italien in der zweiten Hälfte des Jahres 2014 innehatte, zum Anlass, um gemeinsam mit dem italienischen Generalkonsulat in München am 21. November die schwierige Situation zu analysieren. Unter dem Titel „Italien im Umbruch“ sollte sowohl die politische wie auch die geistig-kulturelle Situation dieses Mittelmeerlandes untersucht werden.

Ein Licht am Ende der langen Nacht Italiens? Über aktuelle politische Entwicklungen und Perspektiven
von Angelo Bolaffi

Wie oft haben wir schon in der Vergangenheit die Feststellung gehört, Italien befinde sich in einer tiefen Krise! Ein Land, das nach dem Zweiten Weltkrieg 63 Regierungen gehabt hat, ist ein Land, das de facto in einer ständigen Krise gelebt hat. Aber zum Erstaunen vieler Beobachter und Kommentatoren (insbesondere der deutschen) ist jahrzehntelang nicht unbedingt schlecht mit dieser Krise umgegangen worden. Einige Politologen wagten sogar die These, das italienische Modell sei ein Gegenpol zu demjenigen in Deutschland: Das eine basiere auf schwacher Währung und instabilen Regierungen; das andere auf einer harten Währung und einer stabilen Regierungsform. Und eben diese Schwäche oder diese scheinbar ewige Instabilität – so die Feststellung – seien eigentlich das reale Geheimnis der Fähigkeit Italiens, in den kritischen Situationen schneller und beweglicher (oder sogar besser) als andere Länder auf neue politische und wirtschaftliche Herausforderungen zu reagieren: Wie Italien zum Beispiel in den 1970er Jahren, in den schrecklichen Jahren des Terrorismus, zusammenhielt und sich als fähig erwies, die demokratischen Institutionen der Verfassung zu verteidigen und zu retten; würde das auch heute noch zutreffen, könnten wir ruhig zur Tagesordnung übergehen. (…)

Die Rückkehr zu Realität. Über aktuelle geistig-kulturelle Tendenzen in Italien
von Giuliana Parotto

Pierpaolo Pasolini beschrieb Mitte der 1970er Jahre in einem legendären Artikel – Das Verschwinden der Glühwürmchen – den Wandel, den er bei seinem Volk erkannte: „Sie sind in wenigen Jahren zu einem degenerierten, lächerlichen, monströsen, kriminellen Volk geworden. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie ihr Verhalten sich unter dem Einfluss der Konsumgesellschaft verändert und das Gewissen irreversibel deformiert hat.“

Diese Degradation, von der Pasolini spricht, sei eine Folgeerscheinung der Konsumgesellschaft und der „Fernsehkultur“. Insbesondere das Fernsehen habe eine Sprache eingeführt, die einerseits flach und pseudo-technisch, anderseits rein kommunikativ und bar jeder Tiefe ist – eine Sprache der Werbung und der Slogans. Eine italienische Sprache, so beklagt er, die bettelarm geworden sei, Frucht einer Gesellschaft, die die Quelle der Sprachschöpfung aus den Universitäten in die Welt der Unternehmen verlagert hat. (…)

Zum 50. Todestag
Werner Bergengruen und die Behauptung der Poesie

Anlässlich des 50. Todestags des Schriftstellers Werner Bergengruen warf die Katholische Akademie Bayern am 12. und 13. September 2014 in der Veranstaltung „Werner Bergengruen und die Behauptung der Poesie“ unter anderem einen Blick auf seine geistige und religiöse Haltung, mit der er es in einer „inneren Emigration“ schaffte, dem Ungeist des Nationalsozialismus zu widerstehen. Anliegen der Tagung, die in Zusammenarbeit mit der Werner-Bergengruen-Gesellschaft organisiert wurde, war es unter anderem auch, den über Jahrzehnte vergessen und teilweise hart kritisierten – zur katholischen Kirche übergetretenen – Schriftsteller zu rehabilitieren.

Wie über den Ersten Weltkrieg schreiben? Kleine Poetik am Beispiel von Werner Bergengruens „Der erste Patrouillenritt“
von Günter Scholdt

„Der erste Patrouillenritt“ entstand im Mai 1935 und erschien erstmals 1936 im Sammelband „Die Rose von Jericho“. Das Gedicht soll im Folgenden näher vorgestellt werden, zumal es mir geeignet erscheint, exemplarisch einige poetologische Grundaussagen zu treffen. Bergengruen schrieb es in Erinnerung an eigene Erlebnisse im Ersten Weltkrieg.

Der Marburger Student hatte sich sofort freiwillig zur deutschen Armee gemeldet, was für Balten trotz vielfacher Sympathien nicht völlig selbstverständlich war. Später provozierte er seinen Vater mit der Bemerkung, er hätte es bei den Russen in der gleichen Zeit um zwei Dienstränge weiter gebracht. (…)

Innerlich emigriert: Werner Bergengruen (1892-1964) und Reinhold Schneider (1903-1958)
von Peter Steinbach

Am Beginn meiner Überlegungen stehen die tröstenden Worte, die Reinhold Schneider auf die Nachricht von der Zerstörung von Bergengruens Münchener Haus nach einer der frühen Bombenangriffe auf München an seinen Geistesverwandten und Freund Werner Bergengruen richtete: „Der Dichter ist in seinem tiefsten Wesen nach ja ohne Haus.“ Schneider beschreibt hier das Grundgefühl des in seiner Zeit verharrenden, sich nicht den Zeitströmungen ausliefernden Schriftstellers, er deutet den Verlust des Hauses als Ausdruck der Vereinsamung und Schutzlosigkeit, die er als Kennzeichen der Zeit und Umstand seiner schriftstellerischen Existenz empfand. In der Tat drückte sich in wenigen metaphorischen Worten das Wesen der Entheimatung und Enthausung aus, die beide erfahren hatten und verarbeiteten mussten.

Wenige Jahre nach dem Untergang des NS-Regimes wurde diese Vereinsamung in einem Begriff gefasst, der vorher unbekannt war: „Innere Emigration“. (…)

Erinnerung an Werner Bergengruen
von Albert von Schirnding

Am 15. Dezember 1941 schrieb Werner Bergengruen aus Solln bei München an meine Mutter: „Ich freue mich sehr, am Freitag in Ihrem Hause vorzulesen.“ Der Autor war 1937 aus der „Reichsschrifttumskammer“ ausgeschlossen, sein 1940 mit Sondergenehmigung erschienener Roman „Am Himmel wie auf Erden“ ein knappes Jahr später verboten worden. Private Vorlesungen waren das mündliche Pendant zur Verbreitung von Gedichten unerwünschter Autoren durch Schreibmaschinendurchschläge. Eugen Diesel, der Sohn des Erfinders und Freund der Eltern, hatte die Einladung vermittelt. Die Gesellschaft hatte sich drunten im getäfelten Esszimmer versammelt, das Konzert der Stimmen drang in mein Schlafzimmer herauf. Dann wurde es still, man hörte dem Dichter zu, der vorher an mein Bett gekommen war und mir Gute Nacht gesagt hatte. (…)

Einführung in das Compendium Bergengruenianum
von Maria Schütze-Bergengruen

Der Titel Einführung in das Compendium Bergengruenianum gilt einer noch wenig bekannten Seite aus der Werkstatt meines Vaters, die ich Ihnen heute näher bringen möchte.

Der Ausschluss aus der Reichsschriftumskammer im Jahr 1937, das nachfolgende teilweise Publikationsverbot, das sich in einer Grauzone bewegte, sowie die noch ungewissen Weiterungen, die sich aus der 1938 einbekannten Autorschaft am Gedichtzyklus „Der Ewige Kaiser“ für ihn ergeben würden, versetzten Bergengruen in einen Zustand völliger Unsicherheit. Der damals schon vielgelesene Autor glaubte, seine Leserschaft nicht mehr erreichen zu können. (…)

„Mein Zeichen ist ein Feuerscheit“ – Über die Lyrik von Werner Bergengruen
von Otto Betz

Vom „letzten Rittmeister“ erzählt Bergengruen in seinem Roman, er habe eine „vieldeutige abwinkende Handbewegung“ gemacht, für die unsere Sprache im Gegensatz zur russischen kein eigenes Wort hat. Sie kann, je nachdem, Geringschätzung ausdrücken, Resignation, ja, Hoffnungslosigkeit, aber auch ein gleichmütiges Fahrenlassen des nicht zu Haltenden, eine wohlwollende Nachsicht gegenüber den Unbegreiflichkeiten des Lebens und schließlich eine Ergebung in den Willen des Schicksals.“ – Und dann heißt es: „Was wollen Sie? Wir sind bywschie ljudi. Es bedeutet ‚gewesene Leute’.“

Ich vermute, diese Charakterisierung des letzten Rittmeisters, wie sie sich in einer charakteristischen Geste niederschlug, trifft in mancher Hinsicht auch auf die Lebenshaltung und Geistesverfassung Bergengruens zu. Nicht, dass es ihm an Tatkraft oder gar an Ideen gemangelt hätte, im Gegenteil, aber es lag ihm nicht, sich in den Vordergrund zu spielen, aufzutrumpfen, große und umfassende Pläne zu entwickeln. (…)

„Konflikt und Identität“. Zur Konversion Werner Bergengruens
von Lorenz Schütze

Der Beitrag lädt im Voraus zu einer Überprüfung eingespielter Interpretationen des Autors Werner Bergengruen ein, deren Fokussierung sie in Adornos Essay vom „Jargon der Eigentlichkeit“ gefunden haben: die „Heile Welt“ als Kürzel für: „Im Grunde ist alles in Ordnung“. Obwohl nicht zuletzt Bergengruens eigene Verlautbarungen wie sein Schweigen zu einigen für drängend gehaltenen Fragen dieser Deutung Vorschub leisten, wird hier die These vertreten, dass Bergengruens Werk aus dieser Vereinfachung heraus so unverständlich bleiben müsste wie sein Lebensweg. (…)

Szenische Lesung
Helmuth James und Freya von Moltke. Abschiedsbriefe

Mit einer szenischen Lesung aus ihren Abschiedsbriefen gedachte die Katholische Akademie Bayern am Abend des 27. Januar 2014 Helmuth James Graf von Moltke und seiner Frau Freya. Am Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslager Auschwitz kamen rund 120 Menschen in die Akademie, um zu hören, welche Gedanken und Sehnsüchte diese beiden entschiedenen Gegner des NS-Regimes in brieflicher Form ausgetauscht hatten. (…)

„So weit das Auge reicht“

Mit einer Vernissage zur Ausstellung „So weit das Auge reicht“ mit Werken von Georg Thumbach startete die Katholische Akademie Bayern in ihr Kunstjahr 2015. Rund 100 Kunstinteressierte waren am Abend des 15. Januar 2015 in das Kardinal Wendel Haus gekommen, um dort der Einführung des Kunstkritikers und Journalisten Wilhelm Christoph Warning zu folgen und dann bei einem Glas Wein die Werke zu betrachten. Unter der Internetadresse www.georg-thumbach.de finden Sie detaillierte Informationen zum Künstler und seinen Arbeiten. (…)

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