Heft 02/2014

Ägypten im Umbruch

Rund 500 Interessierte kamen am 22. Oktober 2013 in die Katholische Akademie Bayern, um bei der Veranstaltung „Ägypten im Umbruch“, die in enger Kooperation mit missio München stattfand, den beiden Referenten zuzuhören, die aus erster Hand über die Lage in diesem Land am Nil berichteten. Peter Scholl-Latour, bereits seit Jahrzehnten ein exzellenter Kenner der arabischen Welt, schilderte die politische und gesellschaftliche Dimension des Umbruchs. Kyrillos William, koptisch-katholischer Bischof der oberägyptischen Stadt Assiut, erläuterte die Situation der Katholiken.

Zur Situation der Katholiken in Ägypten
von Bischof Kyrillos William

Die Katholiken sind eine kleine Minderheit innerhalb der christlichen Minderheit, aber wie viele Christen es in Ägypten gibt, das kann ich nicht sagen. Die Meinungen dazu sind ganz verschieden. Herr Scholl-Latour sprach von 8 Millionen. Es gibt auch Experten, die sprechen von 23 Millionen Christen in Ägypten. Jedenfalls sind die Christen eine Minderheit, und die Katholiken eine noch kleinere Minderheit innerhalb der christlichen Minderheit, aber keine ethnische Minderheit. Wir sind alle Ägypter, und deswegen fühlen wir uns sehr verbunden mit allen anderen Ägyptern, die nicht Christen sind, also mit der Mehrheit der Ägypter. Obwohl wir so wenige sind, vielleicht nur 200.000 in ganz Ägypten, versuchen wir, unsere Aufgabe beim Aufbau unserer Gesellschaft durchzuführen, auf der geistlichen und auf der sozialen Ebene. (...)

Peter Scholl-Latour im Gespräch
von

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Frage: Wie glauben Sie wird sich das Verhältnis Ägypten – Israel in Zukunft gestalten wird?

Peter Scholl-Latour: Im Moment versuchen die Israeli und die Ägypter, dieses Aufstandes, der im Sinai ausgebrochen ist, Herr zu werden. Da arbeiten beide auch zusammen, und sie tauschen auch ihre Geheimdienstberichte aus. Also, im Grunde sind sie, zumindest im Sinai, heimliche Verbündete.

Frage: Wie sehen Sie die Rolle der anderen islamischen Staaten, in Nordafrika und im Nahen Osten?

Peter Scholl-Latour: Bahrein am Persischen Golf ist zu 70 % schiitisch. Ob die Sunniten, wie immer behauptet wird, nun unbedingt die aufgeklärte Oberschicht sind, möchte ich bezweifeln. Es gibt gerade unter den Schiiten auch sehr gebildete Leute. Der Prozess gegen die Dynastie, die in Bahrein herrscht, die eine sunnitische Dynastie ist, geht läuft schon seit Jahrzehnten. (...)

Waltraud Meier
… im Gespräch mit Siegfried Mauser

Mit Waltraud Meier, einer der größten Wagner-Sängerinnen unserer Zeit, setzte die Katholische Akademie Bayern am 27. November 2013 die Reihe „Musiker im Gespräch mit Professor Siegfried Mauser“ fort. Nach dem fulminanten Auftakt im Juli 2013, als Kent Nagano zu einem sehr tiefgründigen Gedankenaustausch in der Akademie war (siehe „zur debatte“ 7-2013), gelang es wieder, einen hochkarätigen Star der Musikszene zu gewinnen. Waltraud Meier und Siegfried Mauser, der Präsident der Münchner Musikhochschule, führten vor rund 250 Besuchern ein ebenso interessantes wie kurzweiliges Gespräch, dessen überarbeitete Fassung Sie in "zur debatte" finden.

Waltraud Meier
von

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Siegfried Mauser: Dieser spielerische Umgang mit der Sprache, das gab es ja bei älteren Übungen häufiger. Ich weiß nicht, ob du das Buch „Der kleine Hey. Die Kunst des Sprechens“ noch kennst? Da gibt es genau solche Spiele mit Silben und mit Vokalbildungen, wie ein Würfelspiel, damit man auch so spielerisch in die Diktion hineinfindet.

Waltraud Meier: Auch musikalisch kann man ja erst einmal herumspielen! Man kann sagen, da mache ich jetzt einmal auf der Fermate noch irgendeine Kadenz hinein, oder ich mache musikalisch eine ganz andere Figur, also überhaupt erst einmal frei sein von dem Ganzen, das man vorfindet. Es ist klar, dass man nachher wieder den Bogen schaffen muss zu dem, was da wirklich steht. Da bin ich auch immer sehr streng, weil ich denke, eine Viertelpause ist eine Viertelpause, und die kann nicht verändert werden usw. Aber ich habe eine andere Information schon im Kopf, und das macht den Unterschied.

Siegfried Mauser: Im Bereich des Musiktheaters hast du ja dann einen Partner, der sozusagen diese Sängerdarstellung mittragen muss oder dir Hilfestellungen oder Anregungen geben kann und soll, nämlich den Regisseur. Du hast ja mit sehr vielen Regisseuren ganz unterschiedlicher Provenienz und unterschiedlicher Traditionen gearbeitet. (...)

Entschleunigung
Impulse am Beginn des Advent

Immer mehr Menschen leiden darunter, dass sie im Leben wie Maschinen getaktet sind, von Termin zu Termin hetzen. Die Digitalisierung unserer Zeit zwingt förmlich zur Gleichzeitigkeit und vermittelt andauernd das Gefühl, nie alles erledigen zu können, was eigentlich getan werden müsste. In unserer Veranstaltung „Entschleunigung. Impulse am Beginn des Advent“ am 30. November 2013 gingen die Referenten – alles Menschen, die sich intensiv mit dem Phänomen „Zeit“ befasst haben – unterschiedlichen Aspekten unseres „Zeitproblems“ nach.

In unserer Mediathek sehen Sie ein Kurzvideo, in dem die vier Referenten ihre Kernthesen formulieren. Drei der vier Texte sind auch als Audiofiles in der Mediathek aufrufbar.

Ist die Zeit aus den Fugen?
von Aleida Assmann

Das Wort Advent reimt sich heute, wie ich gerade lesen konnte, auf ‚die Zeit rennt’. Aus dieser Rennbahn möchte uns diese Veranstaltung herausführen durch Musikhören, Nachdenken und eine Meditation über das Thema Zeit. Dazu möchte ich einen kleinen historischen Exkurs über Zeitdarstellungen sowie einige Gedanken über die Unordnung und Neuordnung der Zeitvorstellungen in der Gegenwart beisteuern.

Ist die Zeit aus den Fugen? Der Titel meines Vortrags geht auf einen Ausruf von Shakespeares Hamlet zurück:

The time is out of joint – O cursed spite / That I ever I was born to set it right

Ein Stück von der Aufgabe, der sich der überforderte Hamlet gegenüber sah, teilen wir heute alle. (...)

Vom Rhythmus zum Takt – und wieder zurück?
von Karlheinz Geißler

„Ach, wenn ich doch nur etwas mehr Zeit hätte...“ Wirklich? Gilt das auch für die Zeit, die man beim Zahnarzt im Wartezimmer verbringt? Trifft das auch auf die Rumsteherei auf zugigen Bahnsteigen beim Warten auf verspätete Züge zu? Nein, kein Mensch will mehr Zeit im Stau auf der Autobahn verbringen, niemand sehnt sich danach, länger an der Supermarktkasse anzustehen. Mehr Zeit fürs Kranksein, mehr Zeit für eine ungeliebte Arbeit, mehr Zeit für die Steuererklärung, die Mülltrennung, nicht einmal Masochisten wünschen sich diese.

Was fehlt uns, wenn wir über zu wenig Zeit klagen, was haben wir da eigentlich zu wenig? Was ist das, was wir uns wünschen wenn wir um mehr Zeit bitten? Von welcher Zeit hätten wir gerne mehr? (...)

Wie eine Benediktinerin mit der Zeit umgeht
von Sr. Carmen Tatschmurat OSB

Papst Gregor der Große (gest. 604), der uns die Vita des heiligen Benedikt überlieferte, litt selbst sehr unter den Notwendigkeiten seines Amtes und der Spannung, dass er eigentlich viel mehr in Stille und Kontemplation leben wollte. In seiner „Pastoralregel“ hat er uns dazu seine Gedanken überliefert.

Oft hetzt die Übernahme des Hirtenamtes das Herz in die verschiedenartigsten Angelegenheiten hinein, und ein jeder Mensch wird unfähig der einzelnen Sache gegenüber, wenn sein Geist in stetem Durcheinander sich in viele Dinge teilen soll … Der Geist kann unmöglich die ganze Aufmerksamkeit jedem einzelnen Punkte zuwenden, wenn er sich auf so viele Dinge verteilen muss. Während er nämlich durch irgendeine vordringliche Sorge völlig nach außen gezogen wird, verliert er die ganze zarte Innerlichkeit; er geht völlig in äußeren Geschäften auf; und während er nur sich allein nicht kennt, denkt er über alles Mögliche nach, für sich selbst gar nichts mehr übrig habend. Indem er sich mehr als notwendig in äußere Dinge einlässt, vergisst er … das eigentliche Ziel, und zwar in solchem Maße, dass er dem Streben nach Selbsterkenntnis entfremdet wird und nicht einmal mehr die Verluste sieht, die er erleidet, und nicht mehr weiß, wie viele Fehler er begeht. (Viertes Kapitel)

Diese Analyse kommt manchen von uns sicher seltsam bekannt vor. Schreit sie nicht geradezu nach „Entschleunigung“? (...)

Sabbat und Sonntag
von Uwe Becker

Eine in der Zeit-Soziologie geläufige These besagt, dass die gesellschaftliche Organisation von Zeit nicht primär einem individuellen Aushandlungsprozess unterliegt, sondern von kollektiven Kräften, Institutionen und Organisationen geprägt wird. Hinsichtlich dieser Akteure ist Norbert Elias ein erster Differenzierungsaspekt zu verdanken, wenn er, eher am Rande, auf die personalisierte und auch institutionalisierte Vermittlung der Zeitbestimmung verweist. So sei in den frühen Kulturen die soziale Integrationsleistung durch Zentralfiguren wie Priester oder Könige erfolgt, die durch rituelle Vorgaben Aussaat-, Ernte- und Festzeiten – für alle verbindlich – angezeigt hätten. Dieses Zeitbestimmungsmonopol sei mit zunehmender Erweiterung des Zeitbestimmungsraums von Institutionen, beispielsweise der Kirche, übernommen worden, die damit zugleich ihre eigene Legitimität stabilisierten.

Diese monopolartige kirchliche Zeittaktgeber-Funktion ist inzwischen aufgehoben, und andere Institutionen haben Einfluss gewonnen. (...)

Peter Hamm
Autoren zu Gast bei Albert von Schirnding

Der Lyriker und Essayist Peter Hamm war am 23. Januar 2014 zu Gast bei Albert von Schirnding. Der gebürtige Münchner Hamm, Jahrgang 1937, Vizepräsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Mitglied des PEN und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Literarisch hervorgetreten ist Peter Hamm auch Kritiker und Herausgeber von Anthologien  z. B. schwedischer und tschechischer Lyrik. Lesen Sie in "zur debatte" die Einführung von Albert von Schirnding, mit der der Literaturabend begann. Im Anschluss las Peter Hamm dann aus seinen Werken.

Eine Einführung
von Albert von Schirnding

Jedes Jahr empfangt man als ein dem Umkreis der Katholischen Akademie in Bayern Angehöriger einen Weihnachtsbrief ihres Direktors. In seinem Mittelpunkt stand heuer Erimannus Contractus, Hermann der Lahme, der trotz (oder gar wegen?) schwerster körperlicher Behinderung (er musste getragen werden und konnte nur kaum verständlich sprechen) als Benediktinermönch auf der Bodenseeinsel Reichenau wahre geistige Heldentaten vollbrachte: Der genau vor 1000 Jahren Geborene verfasste eine Weltchronik, beschäftigte sich mit Kalenderberechnungen, dichtete Hymnen und schuf eine bedeutende Musiktheorie. Wo war mir dieser Hermann der Lahme schon einmal begegnet? Natürlich – bei Peter Hamm, in seiner am 22. Mai 1995 gehaltenen Rede auf Hermann Lenz, als dieser den Literaturpreis der Stadt München erhielt. (...)

Kann man die Existenz Gottes beweisen?
Philosophische Tage 2013

Die „Philosophischen Tage“ der Katholischen Akademie Bayern vom 10. bis zum 12. Oktober 2013, die die Tradition der „Philosophischen Woche“ mit erneuerter Struktur fortsetzen, stellten eine Frage, die die Philosophie seit ihren Anfängen beschäftigt: „Kann man die Existenz Gottes beweisen?“ Die „Philosophischen Tage“, die in diesem Jahr zum ersten Mal unter der Leitung von Prof. Dr. Winfried Löffler, außerordentlicher Universitätsprofessor am Institut für Christliche Philosophie der Universität Innsbruck standen, versuchten Antworten aus heutiger Sicht in systematisch-historischer Hinsicht. In Vorträgen, die Sie in "zur debatte" dokumentiert finden, Arbeitskreisen und Gesprächen begab sich die Philosophie in einen Dialog mit Theologie und Naturwissenschaften.

Laboratorium der Sinnproduktion
von Klaus Müller

Zur Gegenwartssituation akademisch beheimateter Theologien gehört ein zunehmend spannungsgeladenes Verhältnis zu den Religionswissenschaften. Es geht dabei präzise um die Frage, ob der Anspruch der Theologie genuin kognitiv geladen und im öffentlich-wissenschaftlichen Diskurs satisfaktionsfähig ist. Wäre er das nicht, hätte Theologie als Kulturwissenschaft zu gelten und würde als solche mit der Religionswissenschaft koinzidieren, d. h. heute: Sie würde von dieser beerbt und absorbiert mit allen Konsequenzen. Ist der Anspruch der Theologie dagegen berechtigt, muss er als solcher ausgewiesen werden. Also hängt – pointiert gesagt – die Legitimation der akademischen Theologie daran, dass sie Gotteserkenntnis vermittelt. Der Ausweis dieser Legitimität entspringt freilich nicht einer Selbstbehauptung der Theologie, sondern einer Prüfung des Erkenntnisanspruchs mit dem Instrumentar autonomer Vernunft. Das heißt: diese wissenschaftstheoretische Grundfrage ist in der Instanz der Philosophie auszutragen. (...)

Was müsste ein Argument für die Existenz Gottes eigentlich leisten?
von Winfried Löffler

Ein Argument für die Existenz Gottes, so möchte man meinen, sollte ein möglichst stichhaltiges Argument sein, das zur Konklusion „Gott existiert“ führt. Aber so einfach ist es offenbar nicht: Was sind „stichhaltige Argumente“ generell, und erst recht in diesem Kontext? Mit strikten Beweisen ist offenkundig kaum zu rechnen (sonst wäre Atheismus ein rätselhaftes Phänomen!), aber auch viele Theologen lehnen derlei Argumente eher ab. Außerdem: Was genau bedeutet der Satz „Gott existiert“?

Im Licht der Jahrhunderte langen Diskussionen um solche Argumente soll hier versucht werden, die Mindestbedingungen und Grenzen für leistungsfähige philosophische (d.h. offenbarungsunabhängige) Argumente in diesem Bereich auszuloten. (...)

Warum „Intelligent Design“ kein intelligentes Argument für die Existenz Gottes ist
von Armin Kreiner

Seit der Veröffentlichung von Darwins „Über die Entstehung der Arten“ tobt ein teilweise erbittert geführter Streit zwischen den Anhängern und Gegnern seiner Theorie. Mittlerweile hat dieser Streit so viele Facetten, dass häufig unklar ist, worum es eigentlich geht beziehungsweise was genau auf dem Spiel steht. Die bislang letzte Phase dieser Auseinandersetzung ist der seit mehreren Jahren ausgefochtene Streit um „Intelligent Design“. Kritiker tun Intelligent Design vielfach als Neuauflage des alten Kreationismus ab. Die Fürsprecher betonen hingegen die Unterschiede und sehen in der Etikettierung ihres Anliegens als Kreationismus eine auf Unkenntnis basierende Verunglimpfung.

Unumstritten ist, dass sowohl Kreationisten als auch Anhänger des Intelligent Design den Darwinismus ablehnen. (...)

Paralleluniversen, Gott und unser Platz im Kosmos
von Christian Weidemann

Die Milchstraße beherbergt 100 Milliarden Sterne. Das sichtbare Universum enthält 100 Milliarden Galaxien. Erst in 100 Billionen Jahren werden die letzten Sterne verlöschen. „Wenn ich die kurze Dauer meines Lebens betrachte, das von der vorhergehenden und der darauffolgenden Ewigkeit aufgesogen wird […] und den kleinen Raum, den ich ausfülle und den ich noch dazu von der unendlichen Unermesslichkeit der Räume verschlungen sehe, die ich nicht kenne und die mich nicht kennen, so gerate ich in Schrecken“, schreibt Blaise Pascal. Eine entgegengesetzte Reaktion artikuliert Immanuel Kant im Schlusskapitel der Kritik der praktischen Vernunft: „Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir.“

Erstaunlicherweise sind sowohl das Gefühl kosmischer Heimatlosigkeit als auch der Eindruck der Erhabenheit unter den meisten heutigen Theologen Gleichgültigkeit gewichen, als sei die unermessliche Größe des Universums für Menschenbild, Soteriologie und Schöpfungstheologie irrelevant.

Philosophie und Naturwissenschaft im Dialog
von Wilhelm Vossenkuhl & Harald Lesch

(...)

Wilhelm Vossenkuhl: (...) Die Naturwissenschaften sind extrem stark davon getrieben, dass ein erfolgreiches Verfahren so lange wiederholt wird, bis es scheitert, und dann muss man sich etwas Neues überlegen.

Das macht uns natürlich auf der anderen Seite auch so angreifbar, weil man natürlich genau an der Stelle – das hat er gerade getan – so von der Seite hereingrätschen kann, um im Fußballmetier zu bleiben, und sagen kann, Mensch, ihr wisst ja gar nicht, was ihr tut. Und da hast du Recht.

Wilhelm Vossenkuhl: Noch einmal zurück zu dem, was du über die Naturwissenschaften sagst: Irgendwie habe ich den Eindruck, dass die Naturwissenschaften, die du ja auch betreibst, eigentlich nur Zukunft sehen. Also wie in Goethes „Faust“, einem deiner Lieblingsautoren – er ist nämlich nicht nur Philosoph, sondern auch Goethe-Freund …

Harald Lesch: … Schmeichle mir jetzt nicht, lass den Geheimen Rat hier raus …

Wilhelm Vossenkuhl: … aber natürlich ist das ein vergiftetes Kompliment, weil Goethe im „Faust“ eigentlich genau diesen Charakter der Naturwissenschaften sehr gut beschrieben hat: Nur Zukunft! Und das ist eine Katastrophe. Aber das ist auch unser Zeitgeist. Wir sind durch die Naturwissenschaften daran gewöhnt worden, eigentlich nur die Zukunft zu sehen. Nur immer in die Zukunft: schneller, mehr, größer. Für Weihnachten ist es ja lohnend, nicht wahr, wenn man mehr und Größeres bekommt, aber für die Menschheit (…)

Shadow play 1
Vernissage zur Ausstellung mit Werken von Hyon Soo Kim

„Shadow play 1“ ist der Titel der aktuellen Ausstellung in der Katholischen Akademie Bayern, in der Zeichnungen, Installationen und Videos der seit vielen Jahren in München lebenden koreanischen Künstlerin Hyon Soo Kim zu sehen sind. Bei der Vernissage am 28. Januar 2014 führte Michael Buhrs, der Direktor des Museums Villa Stuck, in die Arbeiten und besonders den biographischen Hintergrund der Künstlerin ein, der für ihr Schaffen von grundlegender Bedeutung ist.

Die Ausstellung in der Katholischen Akademie an der Mandlstraße 23 ist bis zum 25. April zu sehen. Der Eintritt ist frei, die Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr. Infos und kurze Anmeldung unter 381020.

Eine Einführung
von Michaels Buhrs

„Oft muss erst ein Außenstehender kommen, um einem die Augen für Selbstverständliches erneut zu öffnen“, schreibt Udo Dossi in einem Text zur Ausstellung von Hyon-Soo Kim in der Lothringer-13. Und er fährt fort: „Die Künstlerin Hyon-Soo Kim ist eine solche Außenstehende. Sie ist Koreanerin und kam [damals] vor 14 Jahren in unsere vertraute/allzuvertraute westliche Welt. Sie sieht unseren Alltag und seine Rituale mit den Augen einer anderen Tradition und kann über vieles staunen, das sich uns durch seine Selbstverständlichkeit in das Unerkennbare entzieht. Mit ihren Installationen und Objekt-Kästen versucht sie ihr Erstauntsein festzuhalten und weiterzugeben.“

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