Heft 08/2014

Inhaltsverzeichnis
Romano Guardini Preis 2014 für Karl Kardinal Lehmann

Der Romano Guardini Preis 2014 ist an Karl Kardinal Lehmann, den Bischof von Mainz und langjährigen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz verliehen worden. Beim Festakt am 28. Oktober 2014 waren zahlreiche Ehrengäste aus Kirche und Gesellschaft, Wissenschaft und Politik anwesend. Wir dokumentieren im Anschluss die gehaltenen Reden und zeigen Bilder vom Festakt.

Romano Guardini und Mainz
von Karl Kardinal Lehmann

Die Verleihung des Romano Guardini Preises 2014 ist für mich eine große Freude. Ich danke sehr herzlich der Katholischen Akademie in Bayern für die Verleihung, ganz besonders auch für die Grußworte der Herren Reinhard Kardinal Marx, Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle und Akademiedirektor Dr. Florian Schuller. Ihnen allen danke ich für die Mitfeier und die guten Wünsche, nicht zuletzt auch dem Arcis Saxophon Quartett für die musikalische Begleitung. Herrn Prof. Dr. Jean Greisch aus Paris danke ich für die Übernahme der Laudatio, ganz besonders aber für seine Darstellung, in der ich mich sehr gut wiederfinde: Jenseits von Optimismus und Pessimismus: Denken und Glauben im Zeichen der Zuversicht.

Die Auszeichnung mit diesem Preis bedeutet für mich mehr als manche andere Ehrung. Dies hat einen einfachen, aber bis heute nachwirkenden Hintergrund: (...)

Begrüßung
von Florian Schuller

Eine bunte Schar lieber Mitmenschen hat sich versammelt. Ihnen allen ein herzliches Grüßgott! Ich spreche es aus im Namen unserer Akademieleitung. Stellvertretend für deren aktive und ehemalige Mitglieder (eingeschlossen Prof. Folz als Vorsitzender des Vereins der Freunde und Gönner), sei Seine Königliche Hoheit genannt, Herzog Franz von Bayern. Denn die Akademieleitung ist es, zu deren edelsten Aufgaben es gehört, alle zwei Jahre den neuen Preisträger des Romano Guardini Preises zu benennen. Heuer zum 31. Male.

Seit vor einigen Wochen die Bilder des Malers Rupert Eder für die laufende Kunstausstellung aufgehängt wurden, beleben sie unsere nüchterne, mir sehr wertvolle Architektur der frühen 60er Jahre. Weil dies so ist, und weil Sie auf die zwei großformatigen Werke „München Rotor Paar“ neben mir blicken, die Anregung: suchen Sie sich aus diesen starken Farben jene aus, mit denen Sie sich am ehesten identifizieren könnten und fühlen Sie sich durch Ihre Farbe begrüßt und angesprochen. (...)

Grußwort der Bayerischen Staatsregierung
von Dr. Ludwig Spaenle

Eminenzen, Exzellenzen, Königliche Hoheit, hohe Festversammlung!

Eine wahrhaft katholische Farbenlehre, die diejenige Goethes, die auch nicht stimmt, weit übertroffen hat, haben wir gerade vom Akademiedirektor gehört. Der Wahrheitsgehalt heute ist natürlich ein ganz anderer.

Die Verleihung des Romano Guardini Preises ist ein ganz besonderer Anlass, hier in die Katholische Akademie im Herzen Schwabings zu kommen. Ich bin deshalb und nicht nur als Nachbar dieser Einladung sehr, sehr gerne gefolgt und überbringe die besten Wünsche unseres Ministerpräsidenten Horst Seehofer und der gesamten bayerischen Staatsregierung. (...)

Jenseits von Optimismus und Pessimismus: Glauben und Denken im Zeichen der Zuversicht
von Jean Greisch

Obschon die literarische Gattung der „Laudatio“ mir nicht sehr vertraut ist, habe ich ohne zu zögern die ehrenvolle und zugleich schwierige Aufgabe angenommen, hier an der Katholischen Akademie Bayern eine Lobrede auf Kardinal Karl Lehmann, den diesjährigen Träger des Romano Guardini Preises zu halten.

Ein Blick auf die Liste der bisherigen Preisträger belehrt uns darüber, dass man kein besonders großer Kenner der Werke Romano Guardinis zu sein braucht, um diesen Preis zu verdienen. Entscheidend ist einzig und allein die Geistesverwandtschaft mit seinem Denken und Wirken. Diesbezüglich ist der diesjährige Preisträger eine große Ausnahme, welche die allgemeine Regel bestätigt. (...)

Schlusswort
von Reinhard Kardinal Marx

Wir haben sicher eine große Stunde der Akademie erlebt, eine „tour d’horizon“ über ein Leben, das uns beeindruckt, und geistige und geistliche Impulse, die wir mitnehmen. So ist es für mich eine sehr große Ehre, Dir, lieber Karl, auch im Namen der Deutschen Bischofskonferenz als Dein Nach-Nachfolger und als Protektor der Akademie zum Romano Guardini-Preis zu gratulieren. Als der Akademiedirektor mich anrief und mich informierte, war ich sofort begeistert, und ich war wirklich froh.

Wenn ich an die ersten Begegnungen denke – es ist ja ein solcher Tag, wo man zurückdenkt, wir haben es in der Laudatio und auch in Deinen Ausführungen im Blick auf Mainz gehört – so war meine erste Begegnung mit Karl Lehmann kurz nach meiner Promotion. Ich hatte die große Ehre – ich weiß gar nicht, ob Du Dich erinnerst – bei einem deutsch-afrikanischen Bischofssymposion in Mainz einen Vortrag über die Enzyklika „Sollicitudo rei socialis“ zu halten. Offensichtlich wollte man in der Bischofskonferenz dem Streit der Sozialethiker entgehen und hat dann einen „youngster“ eingeladen, der noch nicht so festgelegt war. (...)

40 Jahre Erwachsenenbildungsförderungsgesetz

Das Erwachsenenbildungsförderungsgesetz (kurz EBFöG genannt) wurde heuer 40 Jahre alt. Bei einer Sitzung des Landesbeirats für Erwachsenbildung am 15. Oktober 2014 war Professor Hans Maier zu Gast, unter dessen Amtszeit als Kultusminister das EBFöG entstanden und in Kraft getreten war. Vor dem Landesbeirat, dem die Katholische Landesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung in Bayern (KEB) angehört und dessen Vorsitz Akademiedirektor Dr. Florian Schuller seit Mai 2014 innehat, berichtete Professor Hans Maier von der Entstehung dieses „Grundgesetzes“ der Erwachsenbildung in Bayern. Wichtigstes Ziel des Gesetzes war es, so Hans Maier, Freiheitlichkeit und Pluralität der Erwachsenenbildung sicherzustellen. Diesen Zweck erfülle es auch heute noch in vollem Umfang, war sein Fazit.

Vierzig Jahre EbFöG. Anmerkungen zu seiner Struktur und Intention
von Hans Maier

In seiner Regierungserklärung vom 27. Januar 1971 hatte Ministerpräsident Alfons Goppel u.a. ein „Gesetz zur Förderung der Erwachsenenbildung" angekündigt. Es nahm im Lauf der Jahre 1972/73 Gestalt an, im Austausch mit den Trägerorganisationen, die in Bayern im „Fachbeirat für Erwachsenenbildung" vereinigt waren. Grundlage der Beratungen war ein Entwurf der Staatsregierung, wobei jedoch Initiativgesetzentwürfe aus der Mitte des Landtags (von CSU-, SPD- und FDP-Politikern) in die parlamentarische Debatte einbezogen wurden.

Der Hergang der Beratungen müsste sich aus den Protokollen des Kulturpolitischen Ausschusses, des Rechts- und Verfassungsausschusses und des Haushaltausschusses – sowie aus den im Wortlaut vorliegenden Plenardebatten – rekonstruieren lassen; heranzuziehen wären auch die einschlägigen Verbandszeitschriften und die Berichterstattung in Presse, Funk und Fernsehen.

Es handelte sich bei diesem Gesetzesvorhaben um die rechtliche Ausgestaltung eines ursprünglich „freien Bereichs“. (...)

Zwei Fotografien von Christoph Brech in der Akademie
Erwerb mit Hilfe des Vereins Ausstellungshaus für christliche Kunst

Eine großzügige Förderung durch den Verein Ausstellungshaus für christliche Kunst ermöglichte es der Katholischen Akademie Bayern jetzt, zwei neue Werke moderner Kunst zu erwerben. Die beiden Fotografien von Christoph Brech aus den Vatikanischen Museen im Stil von Fineartprint hängen in Zukunft im großen Speisesaal des Hauses. Dort sind sie für alle Gäste im Kardinal Wendel Haus, dem Tagungsgebäude der Katholischen Akademie, öffentlich zugänglich.

Die beiden Arbeiten des preisgekrönten Fotografen, die durch die großzügige Hilfe des Vereins Ausstellungshaus für christliche Kunst in das Eigentum der Akademie übergegangen sind zeigen Stillleben aus dem weltberühmten Museen, wie man sie wahrlich nicht erwartet. Viele leere Weingläser vor einer antiken Marmorstatue bilden das erste Motiv, das Christoph Brech am 21. November 2009 aufgenommen hat. Am selben Tag glückte ihm auch das zweite Foto, auf dem – ebenfalls zu Füßen einer Statue – Stapel leerer Teller auf das Essen warten. Auch im Vatikan gibt es schließlich Catering (…)

Wolfgang Rihm
im Gespräch mit Siegfried Mauser

Mit dem Komponisten Wolfgang Rihm war der dritte Künstler in unser Reihe „Musiker im Gespräch mit Professor Siegfried Mauser“ zu Gast. Kenner halten Wolfgang Rihm, den wir nach dem Dirigenten Kent Nagano und der Sängerin Waltraud Meier in der Katholischen Akademie Bayern begrüßen durften, für einen der größten seiner Zunft. Wolfgang Rihm gab interessante Einblicke in seine Arbeitsweise und berichtete auch von seinen musikalischen Anfängen auf der Orgel und in Chören. Das Gespräch der Musiker, das umrahmt wurde von zwei Kompositionen Wolfgang Rihms – interpretiert von Siegfried Mauser am Klavier und dessen Ehefrau Amélie Sandmann (Sopran) – fand am 8. Juli 2014 statt.

Wolfgang Rihm im Gespräch mit Siegfried Mauser
von Wolfgang Rihm und Siegfried Mauser

Siegfried Mauser: (...) Arnold Schönberg soll einmal im Kompositionsunterricht das schöne Wort geprägt haben: „Lieder komponieren ist das Einfachste und das Schwierigste zugleich.“ Gilt das?

Wolfgang Rihm: Ja, man müsste genau das einmal vertonen. Das Einfachste und das Schwierigste zugleich:  Weil man das eine zu haben glaubt, nämlich das Gedicht. Das verliert man aber bei der Arbeit daran, und dann wird es schwierig. Es gibt ebenfalls von Schönberg die Äußerung – ich glaube, das schreibt er in „Das Verhältnis zum Text“ –, dass er manchmal nur von den ersten Zeilen eines Textes affiziert mit dem Komponieren begonnen hat, ohne das Gedicht zu Ende gelesen zu haben. Das waren in der Stefan-George-Phase, opus 15, die George-Lieder. Ich kann mir das gut vorstellen, denn oft ist es genau dieses erste Anspringen eines Textes auf die Möglichkeit Musik, und das scheint dann einfach. Aber wenn man sich darauf einlässt, rückt es immer ferner. Und dieser Grundimpuls muss immer mehr mit seiner Begründung beantwortet werden. Es kann nicht beim Grundimpuls bleiben. (...)

Körper und Leib
Ein Gesprächsabend

Im Vorfeld der außerordentlichen Bischofssynode zu Fragen der Familie, die jetzt vom 5. bis zum 19. Oktober 2014 in Rom stattfand, nahm sich die Katholische Akademie Bayern der theologischen Grundlagen dieses hochsensiblen Themas an. Unter dem Titel „Körper und Leib“ referierten und diskutieren die Religionswissenschaftlerin Theresia Heimerl und der Dogmatiker Erwin Dirscherl am 24. September 2014, welche theologischen Zugänge zu Leiblichkeit und Körperlichkeit des Menschen es gibt und in welche Richtung sich eine Theologie des Leibes bzw. des Körpers weiterentwickeln müsste, um so auf einer soliden theologischen Grundlage über die verminten Themen wie Verhütung, Homosexualität und den Umgang mit wiederverheiratet Geschiedenen entscheiden zu können.

Strukturiert in drei Abschnitte gab jeweils einer der Experten ein Statement ab, während der andere darauf erwiderte. Auf Bitten der Redaktion verzichteten die Autoren darauf, ihre Texte mit einem Anmerkungsapparat auszustatten.

I. Statement: Körperlichkeit – Leiblichkeit. Grunddaten einer Debatte
von Theresia Heimerl

Dieses Thema ist ein rein deutschsprachiges. Oder, um es mit einem leicht anzüglichen italienischen Witz zu veranschaulichen: Eine attraktive, tief dekoltierte Frau kommt zur Kommunion, kniet nieder. Dem Priester, welcher die Kommunion austeilt und bei allen Kommunikanten zuvor brav „corpo di Christo“ gesagt hat, entfährt nun ein anerkennendes „Christo, que corpo“! In unserem Sprachraum käme indes nicht einmal hartgesottenen Blasphemikern der Gedanke, die Hostie sprachlich mit einem erotischen Körper zu assoziieren. (...)

I. Erwiderung zu Körperlichkeit – Leiblichkeit. Grunddaten einer Debatte
von Erwin Dirscherl

Der Mensch ist wesentlich durch seine Leibhaftigkeit gekennzeichnet. Er ist Leib, der Leib gehört zu seiner Identität. Und obwohl der Mensch Leib ist, kann und will er sich doch auch von seinem Leib distanzieren, wenn er sich in ihm fremd oder unwohl, oder wenn er sich von ihm begrenzt fühlt. Diese Erkenntnis der Ambivalenz im Erfahren unserer Leiblichkeit kennen schon die alten Griechen: soma sema, der Leib kann als Gefängnis empfunden werden. Die Seele hingegen will frei sein und sich von dieser ärgerlichen Bindung lösen. Ärgerlich ist diese Bindung für die Seele auch, weil der Leib sterblich ist. Das scheint den Leib vor allem anderen zu diskreditieren. Er konfrontiert uns mit dem Tod! (...)

II. Statement: Reiner Leib – unreiner Körper?
von Erwin Dirscherl

„Mir ist eine ‚verbeulte‘ Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber, als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist.“ (Enzyklika Evangelii Gaudium 49) Mit diesen Worten stellt Papst Franziskus ein fundamentalistisches Reinheitsideal in Frage, das Kirche als reine, elitäre und heilige sieht und demgegenüber eine schmutzige Welt konstruiert, die durch die Sünde geprägt ist, und mit der die Kirche sich nicht kontaminieren sollte. Wer dem Papst unterstellen würde, dass er sublim mit diesem Gegensatz arbeite, hier die reine Kirche, dort die schmutzigen Straßen, der würde übersehen, dass dieser Papst immer wieder sehr deutlich von seiner eigenen und von der Sündigkeit der Kirche spricht, die eben nicht nur heilige, sondern auch sündige Kirche ist. (...)

II. Erwiderung: Reiner Leib – unreiner Körper?
von Theresia Heimerl

Ich möchte in meiner Erwiderung auf folgende Aspekte ein wenig eingehen:

(1) Eine kurze kulturanthropologische Anmerkung zu den einleitenden Ausführungen über Reinheit und Unreinheit im AT, insbes. zu geschlechterspezifischen Vorschriften. (2) Die Wandlung der Vorstellungen von reinem bzw. unreinem Körper durch den Dualismus, also Platonismus und Gnosis/Manichäismus, (3) aktuelle Anfragen zu Reinheit-Körper und Sexualität als Problemkomplex des Christentums heute und (4) darf ich einige gegenwartsdiagnostische Beobachtungen einbringen, die scheinbar mit einer theologischen Reflexion nicht viel zu tun haben, uns aber den populären Umgang mit dem Thema „reiner Leib – unreiner Körper“ sehr schön veranschaulichen. (...)

III. Statement: Perspektiven einer Theologie des Körpers
von Theresia Heimerl

(...) Zunächst einmal muss es m.E. darum gehen, die große Ambivalenz des Körpers anzuerkennen. Was meine ich damit? Die schwierige Geschichte des Christentums mit dem Körper spiegelt eben nicht die Psychopathologie einiger weniger Männer und Frauen wider, sondern eine menschliche Grunderfahrung des Körpers als unmittelbarer Erfahrung von Endlichkeit und Vergänglichkeit, von Bedürftigkeit und Verwiesenheit auf andere, sei es im sexuellen Begehren, sei es in der Krankheit.

Diese Erfahrungen verschwinden nicht mit der scheinbaren Säkularisierung des Körpers, vielmehr wird ihre Deutung nunmehr rein innerweltlichen Instanzen übertragen wie der Medizin und dem Staat, wie Michel Foucault ausführlich gezeigt hat. (...)

III. Erwiderung: Perspektiven einer Theologie des Körpers
von Erwin Dirscherl

(...) Ottmar Fuchs hat in einem flammenden Plädoyer für eine „Leibliche Spiritualität“ auf Friedrich Schiller hingewiesen, der „ein kämpferisches Verhältnis zur Natur und zum eigenen Körper“ gehabt habe. Schiller sehe, so Rüdiger Safranski, den Körper als „Attentäter“, der etwas Fremdes sei, das nicht zu unserem Selbst gehöre. Dem gehe das Empfinden einer Ungerechtigkeit voraus, denn: Warum bevorzugt die Natur den einen und benachteiligt den anderen? So müsse der Geist gegen die Unzulänglichkeiten des Leibes kämpfen. Safranski nimmt diesen Impetus auf, wenn er unter Verweis auf die Obduktion des Leichnams Schillers und deren schockierende Ergebnisse festhält: „Hatte nicht Schiller selbst davon gesprochen, dass es der Geist sei, der sich seinen Körper baut? Ihm war es offenbar gelungen. Sein schöpferischer Enthusiasmus hielt ihn am Leben über das Verfallsdatum seines Körpers hinaus … Idealismus ist, wenn man mit der Kraft der Begeisterung länger lebt, als es der Körper erlaubt.“ Ottmar Fuchs fügt zu Recht und lapidar hinzu: „Am Ende hat der Körper dann doch gesiegt“. (...)

Das neue Gotteslob

Fast 1300 Seiten ist es dick und wurde in einer Auflage von mehreren Millionen gedruckt: das neue Gotteslob, das einheitliche Gebet- und Gesangbuch aller deutschsprachigen Katholiken. Bei der Veranstaltung „Das neue Gotteslob“ am 4. Juni 2014 in der Katholischen Akademie Bayern sprachen Experten über das neue Buch und über seinen Vorgänger aus dem Jahr 1975. Worin unterscheidet es sich, was wird fortgeführt und was ist neu?, waren die Fragen. Bei der Veranstaltung war aber auch die Situation der Kirchenmusik im Allgemeinen, besonders ihre Rolle im Gottesdienst Thema.

Leben mit Gesangbüchern
von Hans Maier

Wer lebt mit Gesangbüchern? Nun, das sind viele: All jene nämlich, die jahraus jahrein am Gottesdienst teilnehmen und in der Kirche aus dem Gesangbuch beten oder singen; sodann Familien oder Einzelne, die das Gesangbuch zu Hause zur Lektüre, zum Singen, Beten, Vorlesen gebrauchen; in spezieller Weise natürlich die Geistlichen, die Lektoren, die Kantoren, die Chöre, die Organisten.

Endlich die Bischöfe, sie sind ja die Auftraggeber und Herausgeber des „Gebet- und Gesangbuchs“, wie sich das alte und das neue „Gotteslob“ im Untertitel nennt. Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann, Vorsitzender der Kommission „Gemeinsames Gebet- und Gesangbuch der Deutschen Bischofskonferenz“, darf in besonderer Weise als „Vater“ des neuen „Gotteslob“ gelten. Nicht zu vergessen sind auch die Verleger, denen mit dem „Neuen Gotteslob“ ein Millionenauftrag ins Haus flatterte. Und zuletzt müssen die Drucker genannt werden, die mit dem neuen Buch in mehreren Diözesen zunächst überfordert waren: In vielen Fällen war das Papier durchscheinend, woraus sich Misshelligkeiten und teilweise erhebliche Verzögerungen ergaben. Die Dimensionen sind ja auch beachtlich: Für die Druckerei C. H. Beck in Nördlingen war die 3,6 Millionen starke Erstauflage der größte Auftrag ihrer Firmengeschichte überhaupt. Anderswo mag es ähnlich gewesen sein. (...)

Von „Gotteslob“ zu „Gotteslob“ – Kontinuität und Innovation im neuen Gebet- und Gesangbuch
von Markus Eham

Der Name Marcus Fidelis Jäck wird denen bekannt sein, die auch das Kleingedruckte unter den Gesangbuch-Liedern lesen. Im Gotteslob (GL) von 1975 steht er bei Nr. 206 als Verfasser der deutschen Übertragung des Improperien-Liedes „O du mein Volk, was tat ich dir“. Jäck, Theologe und Pfarrer im Bistum Konstanz, schrieb vor gut 200 Jahren an seinen Generalvikar Ignaz Heinrich von Wessenberg, den Autor des 1812 erstmals erschienen Gesangbuches: „Die Hoffnung, ein katholisches Gesangbuch zu erhalten, welches von Kenner und Meister in jeder Hinsicht die Prüfung aushalten könne, hat unbeschreiblich viel Reizendes für mich, aber leider wird diese Ungeduld nach dessen Erscheinen immer größer.“

Nach der druckpannenbedingten Verzögerung beim neuen „Gebet- und Gesangbuch“ sind die Gläubigen in den beteiligten Bistümern auch geduldserprobt. Inzwischen aber liegt das Buch wohl in allen Kirchenbänken; jetzt kann der Weg beginnen, dass sein Inhalt den Menschen am Herzen liegt, zu Herzen geht. (...)

Autoren zu Gast bei Albert von Schirnding
Rüdiger Safranski

Mit Rüdiger Safranski war am 29. Oktober 2014 einer der wohl renommiertesten Biographen Deutschlands und ein Bestsellerautor in der Katholischen Akademie. In der Reihe „Autoren zu Gast bei Albert von Schirnding“ las Rüdiger Safranski aus seiner Goethe-Biographie vor und im Gespräch mit dem Gastgeber ging er unter anderem auf den Spagat ein, gleichzeiti Wissenschaftler und Autor zu sein. Lesen Sie im Anschluss die Einführung des Gastgebers zu diesem gut besuchten Literaturabend. 

Rüdiger Safranskis Annäherungen
von Albert von Schirnding

Hören Sie das Zitat aus der Besprechung einer in diesem Jahr erschienenen Publikation zu Martin Heidegger: „Noch Rüdiger Safranskis vielgelobtes Buch von 1994 setzt auf biedermeierliche Art das Raunen um den ‚Meister aus Deutschland‘ fort.“ Der Autor Willi Winkler bezieht sich auf Safranskis große Heidegger-Monographie, über die Jürgen Busche seinerzeit in derselben Zeitung, nämlich der Süddeutschen, urteilte: „Man kann Wissenschaftsgeschichte in Biographien schreiben. Dafür ist Safranskis Heidegger ein mustergültiges Beispiel.“

Wie man auf biedermeierliche Art über einen Philosophen schreibt, in dessen Leben und Denken Safranski die Leidenschaften und Katastrophen des ganzen 20. Jahrhunderts enthalten sieht, demonstriert der letzte Satz von Winklers Besprechung: „In seinen [also Heideggers] Arbeiten [...] entbirgt sich der deutscheste aller Denker [...] in seiner schwarzwalddunklen Eigentlichkeit: als ganz gewöhnlicher Barbar.“ Der Schlusspunkt des Artikels markiert zugleich den absoluten Tiefpunkt eines Feuilletons, in dem einst Joachim Kaiser, Reinhard Baumgart, Ivan Nagel, Ivo Frenzel und eben auch Jürgen Busche die Feder führten. (...)

Buddhismus und Christentum – Grundpositionen im Diskurs

In einer vierteiligen Reihe mit dem Titel „Buddhismus und Christentum – Grundpositionen im Diskurs“ will die Katholische Akademie Bayern den interreligiösen Dialog voranbringen. Nach der großen Resonanz, die wir mit unserem sechsteiligen „Grundkurs Buddhismus“ im Jahr 2013 erzielten, bei dem buddhistische Positionen veranschaulicht wurden, geht es in dieser am 29. April 2014 gestarteten Reihe um die Klärung der unterschiedlichen Positionen. Mit dezidierten Stellungnahmen aus buddhistischer wie christlicher Perspektive sollen Kernbegriffe der jeweiligen Religion gegenübergestellt werden. Vier dokumentieren in loser Folge die vier Abende und beginnen mit dem Diskurs Karma – Sünde.

Karma oder Sünde. Buddhistische Perspektive
von Carola Roloff

Ziel des Textes ist es, das Konzept Karma aus einer traditionell-buddhistischen Perspektive vorzustellen. Weder war es Aufgabe noch persönlicher Anspruch, zunächst dem christlichen Verständnis des Begriffs „Sünde“ nachzuspüren und den Forschungsstand früherer Untersuchungen und Dialoge zu diesem Thema aufzuarbeiten. Mein Ansatz war vielmehr, mich dem Thema möglichst unvoreingenommen und offen zu widmen. Dabei kann ich mich für das christliche Verständnis des Begriffs Sünde nur auf ein laientheologisches Verständnis als ehemalige Protestantin stützen. Trotzdem wage ich eine erste, vorläufige Positionierung, ob und inwieweit der Begriff „Sünde“ meines Erachtens im Buddhismus zu finden ist. Dabei soll herausgearbeitet werden, welche Aspekte von Karma mir im Kontext „Sünde“ als besonders wichtig erscheinen. Ich hoffe, damit einen ersten Impuls für weitere Dialogveranstaltungen geben zu können, um so das gegenseitige Verständnis der Gemeinsamkeiten und Unterschiede unserer Religionen vertiefen zu können. (...)

Karma oder Sünde. Christliche Perspektive
von Bertram Stubenrauch

Ich danke Frau Kollegin Roloff, für die lexikalische Dichte, mit der sie uns die Karma-Lehre des Buddhismus vor Augen geführt hat. Vieles, was Sie, Frau Roloff, gesagt haben, tut gut zu hören. So ist es mir jedenfalls gegangen: schöne Sätze, die Sie geprägt haben, ein Menschenbild, das Mut macht und anspornt – auf der einen Seite. Auf der anderen Seite ist in mir ein fröstelndes Einsamkeitsgefühl hochgestiegen – so man vor die große Macht eines kosmischen Karma gestellt wird, vor Vergeltung und Belohnung, was jeweils strikt auf die Taten oder Nicht-Taten von uns Menschen folgt. Da ist das Christentum denn doch einen anderen Weg gegangen.

Was bedeutet aus christlicher Sicht Sünde? Es ist völlig klar, dass eine einzelne Definition nicht die Fülle des christlichen Gedankens ausschöpfen kann, sondern dass man von verschiedenen Seiten her an das Thema herangehen muss. Sünde hat in jedem Fall mit Gott zu tun. (...)

Verleihung des Kardinal Wetter Preises 2014 an Dr. Thomas Meckel

Am 19. November 2014 wurde der nach Friedrich Kardinal Wetter benannte und mit 1.500 Euro dotierte Preis der Katholischen Akademie Bayern für eine theologische Dissertation oder Habilitation zum siebten Mal verliehen; in diesem Jahr nach alphabetischer Rota der sieben bayerischen Universitäten Augsburg, Bamberg, Eichstätt-Ingolstadt, München, Passau, Regensburg, schließlich an der Universität Würzburg. Preisträger 2014 ist der Kirchenrechtler Dr. habil. Thomas Meckel, der für seine Dissertation „Religionsunterricht im Recht. Perspektiven des katholischen Kirchenrechts und des deutschen Staatskirchenrechts“ im Beisein von Kardinal Friedrich Wetter ausgezeichnet wurde.

Anwesend bei der Preisverleihung war auch Dr. Karl Hillenbrand, der Generalvikar des Bistums Würzburg. Er, ein Freund und Förderer der Katholischen Akademie, verstarb nur wenige Tage später. (...)

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