Heft 06/2014

Inhaltsverzeichnis
Glaube und Bildung

In einem interdisziplinären Gespräch zwischen Erziehungswissenschaft, Naturwissenschaft und Theologie ging die Katholische Akademie Bayern am 15. Januar 2014 dem Begriff „Bildung“ nach. „Glaube und Bildung“ war der Titel der Auftaktveranstaltung der Akademie im neuen Jahr. Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, Prof. Dr. Wolfgang M. Heckl, Generaldirektor des Deutschen Museums in München und darüber hinaus Professor für Wissenschaftskommunikation an der TU München, sowie Prof. Dr. Klaus Zierer, Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Oldenburg, diskutierten unter anderem über die Fragen, was Bildung eigentlich ausmacht und, ob Bildung eigentlich Glauben braucht, oder ob Glauben Bildung voraussetzt. Die Moderation hatte Akademiedirektor Dr. Florian Schuller.

Reinhold Kardinal Marx im Gespräch mit Wolfgang M. Heckl und Klaus Zierer
von Reinhold Kardinal Marx, Wolfgang M. Heckl und Klaus Zierer

Florian Schuller: (...) Wenn Sie den Bereich Bildung bei uns in Deutschland ansehen: Was müsste als erstes repariert werden?

Wolfgang M. Heckl: Ich würde einmal sagen, uns geht es vergleichsweise sehr gut. Wir sind insgesamt in Deutschland, in Bayern allemal, eine Insel der Seligen, wenn wir uns nicht nur den Zustand der Bildung anschauen, sondern auch, sagen wir einmal, die Umwelt, in der wir leben dürfen. Nichtsdestotrotz, wie man im Englischen immer sagt, „there is room for upgrade.“ Es gibt also immer etwas zu verbessern. Ich habe mir einmal überlegt, ob der Nachfolgetitel des Buches „Kultur der Reparatur“ lauten müsste: „Die Reparatur der Kultur“.

(...)

Florian Schuller: Herr Kardinal. Sie haben vor einiger Zeit das Buch „glaube!“ herausgegeben. Der Titel ist ja für einen Bischof nichts Ungewöhnliches. Auch für Ihr anderes Buch „Das Kapital“ gibt es verschiedene Gründe. Was bewegt Sie, das Thema Bildung jetzt so in den Vordergrund zu rücken und zu betonen, das sei ein Thema, das jetzt in der Kirche verstärkt werden müsse?

Kardinal Reinhard Marx: Einmal ist es natürlich eine biographische Situation. Ich war lange in der Erwachsenenbildung tätig, musste mich also auch theoretisch damit befassen, wie Bildungsprozesse ablaufen, wie Kommunikationen zustande kommen, die dann als Bildung gelten können. Das hat mich schon beschäftigt.
Wir sagen ja auch in der öffentlichen Debatte: Bildung ist die eigentliche Ressource. Aber oft ist es ein verkürzter Diskurs. (...)

Peter Kardinal Turkson
Soziale und ökologische Bedingungen von Entwicklung

Peter Kardinal Turkson, der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, war auf Einladung der Hochschule für Philosophie SJ und der Katholischen Akademie Bayern zu Gast im Kardinal Wendel Haus der Akademie. In seinem Referat am 7. Juli 2014 mit dem Titel „Soziale und ökologische Bedingungen von Entwicklung“ ging der aus Ghana stammende Kardinal unter anderem auf die Stellung der Kirche in der Weltgesellschaft und die Herausforderungen durch die Globalisierung ein. Der Vortrag des Kardinals stand im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt „Entwicklung im Dienst des Weltgemeinwohls“, das vom Institut für Gesellschaftspolitik an der Hochschule für Philosophie in Kooperation mit dem bischöflichen Hilfswerk Misereor durchgeführt wird.

Gerechtigkeit. Friede. Entwicklung.
von Peter Kardinal Turkson

Der von den Vereinten Nationen angestoßene Post-MDG-Prozess (Millenniumsentwicklungsziele) mit der Suche nach nachhaltigen Entwicklungszielen verdeutlicht, wie relevant und dringlich ein Nachdenken über die Zukunft der Entwicklungsagenda ist. In diesem Prozess spielt ein weiter Armutsbegriff eine zentrale Rolle, der die Notwendigkeit einschließt, die ökologische Dimension in die Entwicklungsdebatte einzubeziehen.

Gleichzeitig führte die Finanzkrise mit ihren negativen Auswirkungen zu einer kritischen Reflexion über die Zukunft ökonomischer Konzepte. Die Finanzkrise hat zudem einmal mehr die enge Verwobenheit und starke Interdependenz der Staaten weltweit verdeutlicht. Daher darf die Suche nach Lösungen nicht auf die nationale oder bilaterale Ebene begrenzt werden, sondern muss sich auch auf die Gestaltung globaler Institutionen und des Zusammenlebens von Menschen weltweit richten.

Dies schließt ein Nachdenken über zukünftige Wohlstands- und Wachstumsmodelle ein. (...)

Entwicklung in interkultureller Perspektive
von Michael Reder

Mehr denn je sieht sich die Weltgemeinschaft mit immensen Herausforderungen konfrontiert. Die Folgen des Klimawandels, die Ernährungssicherung oder die politische Gestaltung der globalen Finanzwirtschaft sind drei Felder, in denen globale Krisen besonders sichtbar geworden sind. Diese Krisen sind auch Ausdruck der Grenzen unseres gegenwärtigen Entwicklungs- und Wohlstandsmodells. Dieses Modell ist vor allem auf Wachstum ausgerichtet, ohne dezidiert zu fragen, ob dieses Wachstum breitenwirksam ist und allen Menschen, d.h. insbesondere auch den Armen, zugutekommt. Außerdem werden mit diesem Modell langfristige Folgen, wie zum Beispiel Klimaschäden, meist vernachlässigt. Angesichts dieser strukturellen Grenzen gilt es nach zukunftsfähigen Modellen für das Zusammenleben zu suchen.

In dem Projekt Entwicklung im Dienst des Weltgemeinwohls, welches das Institut für Gesellschaftspolitik an der Hochschule für Philosophie zusammen mit dem Bischöflichen Hilfswerk MISEREOR derzeit durchführt, werden diese Fragen in einem interkulturellen diskutiert. Dabei wird aus den Ländern des Südens kritisch angefragt, ob das Konzept von Entwicklung insgesamt nicht zu sehr mit einem ökonomistischen Verständnis verbunden ist, welches das Wohl der Ärmsten Menschen zu wenig beachtet. (...)

Kirchenrechtliche Tagung 2014
Säkularisierung und Neuevangelisierung als Herausforderung für das Kirchenrecht

Das Verhältnis der katholischen Kirche zu anderen Religionen, aber besonders die Beziehungen zu Staat und Gesellschaft waren die Themen der großen kirchenrechtlichen Tagung, die die Katholische Akademie Bayern in Zusammenarbeit mit dem Klaus-Mörsdorf-Studium für Kanonistik der LMU München vom 3. bis zum 5. Februar 2014 veranstaltete. „Säkularisierung und Neuevangelisierung als Herausforderung für das Kirchenrecht“, so der Titel der Veranstaltung, versammelte kompetente Fachleute, deren überarbeitete Referate hier nachzulesen sind.

Struktur – Kultur – Einzelperson: Was unter ‚Säkularisierung‘ verstanden werden kann
von Michael N. Ebertz

Nicht nur im Gegensatz zu Nordamerika, sondern auch zu Lateinamerika, Afrika, Indien und der islamischen Welt scheint Europa „der einzig wirkliche säkulare Kontinent der Erde“ (David Martin) geworden zu sein. Was auch immer als Gründe für diese Ausnahmestellung vorgetragen wird, man wird den Begriff der Säkularisierung differenzieren müssen, um zu einem differenzierten Urteil zu gelangen. Allerdings lässt sich rasch sehen, dass es nahezu ausgeschlossen ist, unparteilich über „Säkularisierung“ zu sprechen. Dies hängt nicht nur mit dem Religionsbegriff zusammen, den es nicht nur einfach, sondern vielfach gibt, der in substantialem oder in funktionalem Kleid erscheint. Sehe ich z.B. die zentrale Funktion der Religion in der gesellschaftlichen Integration, als vinculum societatis, dann gelangt die radikal funktionalistische Perspektive dahin, jede Leistung, die diesen Nutzen hat, als religiös zu bezeichnen, selbst wenn die entsprechenden Institutionen wie z.B. das deutsche Grundgesetz oder unser System der sozialen Sicherung sich nicht als religiös im substantialen Sinn verstehen. Was sich „säkularisiert“, ist abhängig davon, was unter den Begriffsinhalt von „Religion“ fällt. (...)

Entweltlichung und/oder Neue Evangelisierung – Zur Verhältnisbestimmung von Kirche und Staat
von Reinhard Kardinal Marx

„Das bewährte Staatskirchenrecht in unserem Land ist eine geeignete Grundlage für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Religionsgemeinschaften.“ Dieses Zitat aus dem Koalitionsvertrag „Deutschlands Zukunft gestalten“, den CDU, CSU und SPD am 27. November vereinbart und am 16. Dezember 2013 unterzeichnet haben, ist begrüßenswert. Dies gilt gleichermaßen für die Würdigung, dass „zahlreiche Leistungen kirchlicher Einrichtungen für die Bürgerinnen und Bürger […] nur möglich [sind], weil die Kirchen im erheblichen Umfang eigene Mittel beisteuern und Kirchenmitglieder sich ehrenamtlich engagieren“, heißt es weiter. Deshalb beteuert der Koalitionsvertrag auch, am Kirchensteuersystem festzuhalten. Aufgrund dieser programmatischen Ansagen für das Regierungshandeln in den nächsten vier Jahren ließe sich vermuten, dass die derzeitige Ausgestaltung des Verhältnisses von Staat und Kirche politisch unumstritten ist. In Wirklichkeit ist die Beteuerung, am bestehenden Verhältnis festzuhalten, aber natürlich ein Hinweis darauf, dass es sehr wohl starke Bestrebungen gibt, an der Ausgestaltung der Beziehungen zwischen den Religionsgemeinschaften und dem politischen Gemeinwesen Änderungen vorzunehmen. (...)

Advocacy-Arbeit der Kirchen im säkularen Rechtsstaat
von Karl Jüsten

Es gibt wenige Themen in der Politik, die für die Kirchen nicht interessant sind. Zu den meisten trägt sie allerdings keine dezidierte Meinung vor, weil es Themen sind, zu denen man als Christ unterschiedlicher Meinung sein kann. Andere sind ihnen ein Herzensanliegen und hier markieren die Kirchenleitungen klar Position. Wie etwa zu Fragen des Lebensschutzes, zur Bewahrung der Schöpfung, zur Bio- und Gentechnologie, zu Sozialreformen, zur Migrationspolitik, zu grundlegenden Fragen von Staat und Gesellschaft. Friedensethisch relevante Fragen sind ihr ebenso wichtig wie Fragen der Entwicklungszusammenarbeit.

Auch wenn manche von einem Relevanzverlust der Kirchen im gesellschaftlichen Raum sprechen, im politischen Meinungsbildungsprozess wird allen Unkenrufen zum Trotz sehr viel Wert auf die Haltung der Kirchen zu diesen Themen gelegt, insbesondere dann, wenn sie eine sozialethische oder moraltheologische Dimension impliziert. Entscheidend ist, dass die Kirchen nicht nur Positionen markieren, sondern diese auch so vortragen, dass diese die öffentliche Debatte zu beeinflussen vermögen. (...)

Grundlinien einer Theologie der Neuevangelisierung
von Achim Buckenmaier

Es war ein starkes Zeichen, dass Benedikt XVI. am 28. Juni 2010 ankündigte, einen eigenen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung einzurichten. Sein Amtsverzicht und die Wahl des argentinischen Kardinals Bergoglio zum Papst bringen es mit sich, dass an dieses Vorhaben, das gerade ernst begonnen hat, nicht wenige Fragen gestellt werden. Manche fragen, ob das Feuer, das er entzündet hatte, nicht doch ein Strohfeuer war, ob „der programmatische Aufruf zur ‚Neuevangelisierung Europas‘ (…) vielleicht nur die jüngste Selbstüberforderung der Kirche [war], die sich in Wahrheit noch immer nicht als ‚Kirche der Welt von heute‘ wahrzunehmen vermag, so daß der Umschlag in die Resignation schon abzusehen ist“ (Zerfaß). Und weiter: Bedeutet die Rede von der „armen Kirche“, die nun ins Zentrum gerückt ist, dass sich das theologische Interesse vom Vorhof der Völker nun in einen Hinterhof der Armen verlagert? (...)

Kirchliche Leitung und Säkularisierung
von Patrick Valdrini

Säkularisierung meint Autonomie und Freiheit von Gesellschaft und individuellem Verhalten gegenüber der Religion. Sie ist betrifft den Bereich des Politischen, Ökonomischen und der Kultur und wird in Gemeinschaften, in denen zuvor die Religion eine wichtige Rolle spielte, als Identitätsverlust gebrandmarkt oder gegenteilig gefördert als notwendiger Schritt hin zu einer reifen Gesellschaft.

Säkularisierung und Laizismus stehen in engem Zusammenhang. Erstere basiert auf einer Geisteshaltung, nach der Religion nicht vorgeschrieben werden kann und als kollektiver Bezugspunkt einer Gesellschaft untauglich ist; die Säkularisierung beschneidet daher den Einfluss der Religion auf die verschiedenen Kulturbereiche und Handlungsfelder der Gesellschaft und macht sie abhängig von der individuellen Wahl des Einzelnen. Der Laizismus bezieht sich auf die institutionelle Rolle der Religion in der Gesellschaft und auf die Verwendung sozialer und rechtlicher Kategorien, die mit einer religiösen Gewalt in rechtlicher Beziehung stehen. (...)

Die Entchristlichung der Gesellschaft
von Stefan Muckel

Der christliche Glaube hat in Deutschland wie in vielen anderen Ländern an Wirk- und Strahlkraft verloren. Seit Langem schon werden die meist auf diesen Begriff gebrachten Säkularisierungsprozesse gesellschafts- und rechtswissenschaftlich beleuchtet. Die juristische Quintessenz solcher Überlegungen ist überwiegend, dass das deutsche Staatskirchenrecht hinreichend flexibel und offen ist, um die gesellschaftlichen Veränderungen aufzunehmen und ihnen angemessen, ja bestmöglich Rechnung zu tragen. Das deutsche Staatskirchenrecht – so lesen wir – ist zukunftsfähig. Ich darf sagen, dass auch ich davon fest überzeugt bin. Die gesellschaftlichen Veränderungen, die das Christentum stark in den Hintergrund drängen und anderes, vor allem den Islam, aber auch ganz allgemein eine weiter wachsende religiöse und weltanschauliche Heterogenität in den Vordergrund treten lassen, stellen für das Staatskirchenrecht eine Herausforderung dar. Es dürfte unter dem Strich sogar einiges dafür sprechen, hinfort in der Tat nicht mehr von „Staatskirchenrecht“, sondern von „Religionsverfassungsrecht“ zu sprechen. Aber dieses Recht kann die Herausforderung meistern. (...)

Katholisches Basiscamp II
Dialoge über Grundbegriffe des Christentums: Erlösung

Ein Basiscamp ist nötig, um von diesem sicheren Ort aus in die Höhen vorstoßen zu können. Dieses Wissen der Bergsteiger stand Pate bei der Reihe „Katholisches Basiscamp“. An drei Abenden sollten dabei in Form eines interdisziplinären Gesprächs Grundlagen des Glaubens erörtert werden. In der zweiten Veranstaltung, am 31. März 2014, stand der Begriff „Erlösung“ im Zentrum. Der emeritierte Münsteraner Fundamentaltheologe Professor Jürgen Werbick sprach mit Professor Frido Mann. Der „Lieblingsenkel“ von Thomas Mann ist studierter Musiker, promovierter Theologe, war Professor für Psychologie und ist als Schriftsteller tätig.

Zum Einstieg in die Thematik dienten zwei Texte. Es kontrastierten – vorgetragen von zwei jungen Schauspielern der Bayerischen Theaterakademie – das fünfte und sechste Kapitel des paulinischen Römerbriefs und Friedrich Nietzsches Aphorismus „Der tolle Mensch“ aus der „Fröhlichen Wissenschaft“. Auf Vorschlag von Professor Frido Mann wurden im Verlauf des Gesprächs noch zwei weitere Texte eingefügt, nämlich die Seligpreisungen der Bergpredigt und ein kurzer Text dazu aus Meister Eckharts „Buch der göttlichen Tröstung“.

Lesen sie in "zur debatte" das überarbeitete Gespräch der beiden Wissenschaftler, das von Dr. Johannes Schießl, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Katholischen Akademie, moderiert wurde.

Ein Gespräch zwischen Jürgen Werbick und Frido Mann
von Jürgen Werbick und Frido Mann

Johannes Schießl: Herr Professor Mann, was ging Ihnen spontan durch den Kopf, als Sie vorhin diese zwei Kapitel aus dem Römerbrief gehört haben?

Frido Mann: Mir ging durch den Kopf, dass die Schriften von Paulus, die ja fast die Hälfte des Neuen Testamentes einnehmen – von 27 Schriften stammen 13 von Paulus –, eine sehr andere Welt sind als die jesuanischen Schriften etwa der Evangelien. Die Evangelien handeln von Jesus, und die paulinischen Briefe von Christus. Paulus hat ein riesiges neues Programm entworfen. Er selbst hat Jesus nicht gekannt; er ist ihm zwar erschienen, aber er hat ihn nicht im wörtlichen Sinn gekannt. Paulus hat sozusagen aus der Ferne – aus der Perspektive eines Menschen, der auch nichtjüdische Menschen gewinnen konnte, zum Christentum überzutreten – eine ganz neue Welttheologie geschaffen. Er hat eigentlich das Christentum begründet. Mir ging auch durch den Kopf, was der irische Religionswissenschaftler Hyam Maccoby einmal gesagt hat: Man muss es nicht so akzeptieren, wie Paulus es gesagt hat. Maccoby meinte, Jesus wäre in vielen Punkten schockiert gewesen, wenn er gewusst hätte, was Paulus alles über ihn sagt. Das ist ein sehr hartes Wort, aber man kann das vielleicht doch auch irgendwo nachvollziehen. (...)

Wert und Qualitätssicherung der Promotion
Symposion der Hochschulkreise

Das zweite Symposion der Hochschulkreise der Katholischen Akademie Bayern – im Vorjahr traf man sich in Augsburg – fand am 16. Mai 2014 in Bamberg statt und widmete sich dem Thema „Wert und Qualitätssicherung der Promotion“. In einem Podiumsgespräch erörterten ausgewiesene Experten Wege, wie dieses Ziel erreicht werden könnte. Drei der Fachleute fassten ihre Analysen und Thesen für den Abdruck in unserer Zeitschrift „zur debatte“ zusammen.

Neben der Diskussion über die Qualität der Arbeiten des wissenschaftlichen Nachwuchses stand auch ein besseres Kennenlernen von Bamberg auf dem Programm für die Hochschullehrer aus ganz Bayern. Der Bamberger Literaturwissenschaftlers Prof. Dr. Friedhelm Marx, auch Vorsitzender des Hochschulkreises der Katholischen Akademie an dieser oberfränkischen Uni, referierte über E.T.A. Hoffmann. Außerdem gab es Führungen durch den Bamberger Dom.

Zur Qualität der Promotionen
von Alfred Hierold

I.

 Grundlage für eine qualitätsvolle Promotion ist der gute Abschluss eines grundständigen Studiums, dies aus verschiedenen Gründen: Zum einen kann ein Student in seiner Magister-, Master- oder Diplomarbeit zeigen, dass er in der Lage ist, einen Sachverhalt mit wissenschaftlichen Methoden eigenständig zu erforschen und angemessen darzustellen. Dadurch kann vermieden werden, dass eine Arbeit und damit der Titel aberkannt werden müssen, weil die wissenschaftlichen Standards nicht eingehalten worden sind. Zum anderen ist es für die Professoren und Professorinnen leichter möglich, wissenschaftliche Begabungen zu entdecken und zu fördern, wie es gängige Praxis ist. (...)

Transparenz und klare Standards zur Qualitätssicherung in Promotionsverfahren
von Astrid Schütz

I.

In der Diskussion um Etablierung und Weiterentwicklung von Kriterien zur Qualitätssicherung wurden vom Wissenschaftsrat und der Hochschulrektorenkonferenz wesentliche Eckpunkte definiert. Persönlich scheinen mir Transparenz und klare Standards von besonderer Bedeutung. Zur Sicherstellung dieser Aspekte sind schriftliche Betreuungsvereinbarungen, die Einsetzung von Promotionskomittees und Maßnahmen zur Gewährleistung von unabhängiger Begutachtung nach definierten Kriterien hilfreich. (...)

Wert und Qualitätssicherung der Promotion
von Michael Sendtner

I.

Der enge Verbund von Lehre und Forschung ist Fundament der deutschen Universitäten. Ein erfolgreiches Studium sollte deshalb nicht nur aus dem Erwerb von umfangreichem Wissen bestehen, sondern auch aus der Qualifikation, Wissen zu erweitern und einen eigenen kreativen Beitrag zur Fortentwicklung des jeweiligen Fachs zu leisten. Dies trifft für alle Fächer gleichermaßen zu, egal ob in den Natur- oder Geisteswissenschaften. Nach dem Abschluss eines Bachelor- und Masterstudiums, dem erfolgreichen Bestehen von Staatsexamen, entscheiden sich viele Studierende zu einer Promotion und gestalten durch ihre Forschung, ihre Kreativität und ihr Engagement die Wissenschaft mit. So erfüllt die Promotion einen doppelten Zweck. (...)

Fronleichnam

Mehr als 300 Gäste sind am 19. Juni 2014 zum Festlichen Abend an Fronleichnam in die Katholische Akademie Bayern gekommen. Die Besucher erlebten ein abwechslungsreiches Programm, das in diesem Jahr unter dem Schwerpunkt „Diözese Würzburg“ stand. Künstlerischer Höhepunkt waren die Lieder, die der Monteverdi Kammerchor Würzburg unter der Leitung von Professor Matthias Beckert sang. Unter anderem standen Hubert Parrys „There is an old belief“, dann „Pater Noster“ von Michael Praetorius sowie von Sergej Rachmaninov „Bogorodice Devo“ auf dem Programm der jungen Sängerinnen und Sänger.

Unter dem Titel „Zeigen, was nicht zu sehen ist“ zeichnete Dr. Andreas Bieringer, Liturgiewissenschaftler aus der Würzburger katholisch-theologischen Fakultät, eucharistische Spuren in der modernen Literatur nach und näherte sich so dem Fronleichnamsfest auf wissenschaftlichem Weg. (...)

„Das schönste Warten, das auf die Verwandlung.“
von Andreas Bieringer

Es gibt wohl kaum einen passenderen Tag als am Hochfest des Leibes und Blutes Christi (wie Fronleichnam im Messbuch genannt wird) über die Verbindung von Eucharistie, Poesie und Leben zu sprechen. In unseren Gotteshäusern erklang eben noch zur Vesper der wohl berühmteste Eucharistie-Hymnus der gesamten Stundenliturgie:

 

Pange, lingua, gloriosi

Corporis mysterium,

sanguinisque pretiosi,

quem in mundi pretium

fructus ventris generosi

rex effudit gentium.

 

(Preise, Zunge, das Geheimnis

Dieses Leibs voll Herrlichkeit

und des unschätzbaren Blutes,

das, zum Heil der Welt geweiht,

Jesus Christus hat vergossen,

Herr der Völker aller Zeit! usw.)

 

„Das ist ganz groß!“ – wird man mit James Joyce sagen dürfen: „Große Musik!“ Hier verbinden sich auf unverwechselbare Weise dogmatische gefasste Theologie, poetisches Gebet und liturgischer Gesang. 

Leben und sterben oder: Wie lebt man ganz anders?

Bereits zum sechsten Mal war die Katholische Akademie an zwei Abenden Aufführungsort im Rahmen des DOK.fest München; ermöglicht und gefördert wird diese Kooperation von Daniel Sponsel, dem Leiter des DOK.fest. Gezeigt wurden am 8. Mai 2014 der Film „Intensivstation“ von Eva Wolf (mit ca. 60 Zuschauern) und am 13. Mai 2014 die Produktion „Die Gelübde meines Bruders“ von Stephanie Weimar, die rund 135 Dokumentarfilmfreunde in die Akademie lockte.

Der Dokumentarfilm „Intensivstation“ stammt aus dem Jahr 2013 und zeigt das Leben mit der Intensivmedizin. Eva Wolf und ihr Kameramann Michael Weihrauch haben vier Monate als Beobachter auf einer internistischen Intensivstation der Berliner Charité verbracht und Pfleger und Ärzte bei ihrer Arbeit begleitet. In fünf Kapiteln mit den Titeln „Helfen“, „Überleben“, „Entscheiden“, „Sterben“ und „Abschied nehmen“ kommen vor allem zwei Fragen auf: Wie wollen wir sterben? Und wie wollen wir leben? Im Anschluss an den Film kam das Publikum ins Gespräch mit Regisseurin Eva Wolf und Produzentin Kathrin Lemme, wobei deutlich wurde, dass Eva Wolf ein sensibler Film gelungen ist, der die Sorgen und Nöte aller in einer Intensivstation arbeitenden Menschen Personen gut thematisiert. (...)

Wilhelm Schmid
Gelassenheit. Was wir gewinnen, wenn wir älter werden

Gelassenheit, diese ideale Geisteshaltung reifer Menschen, kann kaum jemand so gut wie Professor Wilhelm Schmid vermitteln. Der Erfolgsautor, dessen Werk „Gelassenheit. Was wir gewinnen, wenn wir älter werden“ in der Spiegel-Bestseller-Liste momentan auf Platz 1 steht, war am 26. Mai 2014 zu Gast in der Katholischen Akademie Bayern und gab den rund 250 Zuhörern realistische Tipps, wie sie – gerade im Alter bzw. beim Älterwerden – zu mehr Gelassenheit finden können.

In unserer Mediathek können Sie den gesamten Vortrag von Professor Wilhelm Schmid noch einmal hören: mediathek.kath-akademie-bayern.de/audio/wilhelm-schmid-gelassenheit

„Konflikt“
Ausstellung der Klasse Hörl

Erstmals zeigten Studierende der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg ihre Arbeiten in der Katholischen Akademie Bayern. In der Ausstellung zum Thema „Konflikt“ präsentieren 22 Studierende der Klasse Ottmar Hörl ihre Werke – Skulpturen, Fotografien, Installationen, Videos, Zeichnungen und Gemälde - in allen öffentlich zugänglichen Räumen des Kardinal Wendel Hauses und im Park der Akademie. Auch Professor Ottmar Hörl ist mit einem Werk vertreten. Dr. Angelika Nollert – bis vor kurzem Direktorin des Neuen Museums Nürnberg, seit dem 1. Mai leitet sie die „Neue Sammlung“ in München – führte bei der Vernissage am Montag, 12. Mai 2014, in die Ausstellung ein, die bis zum Sommer in der Akademie zu sehen war. Den Studierenden gelang es, darin sind sich Kunstfreunde und Fachleute einig, den Geist der Akademie zu erfassen und ihre sehr unterschiedlichen Arbeiten an die Räume anzupassen.

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