Udo Di Fabio und Herfried Münkler

Deutschland und Europa
Zwei Männer sitzen zusammen in der ersten Reihe im Vortragssaal der Akademie und unterhalten sich angeregt: Der Jurist Prof. Dr. Udo Di Fabio aus Bonn(re.) und Prof. Dr Herfried Münkler, Professor für Theorie der Politik aus Berlin.
Prof. Dr. Udo Di Fabio (re.) und Prof. Dr. Herfried Münkler unterhielten sich eingehend.

Alle sind sich einig: Die Europäische Union muss umgebaut werden, damit sie sich stabilisiert, damit sie nicht zerbricht. Doch wie soll das geschehen und in welche Richtung soll der Umbau gehen? Zwei Wissenschaftler trugen dazu am 25. Oktober 2012 in der Katholischen Akademie Ihre Ideen vor. Im Forum "Wieviel Deutschland braucht Europa? Wieviel Europa verkraftet Deutschland?" diskutierten Herfried Münkler und Udo Di Fabio.

Professor Dr. Herfried Münkler ist Professor für Theorie der Politik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Den Hauptgrund für die gegenwärtige Krise sieht er in der unterschiedlichen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der europäischen Staaten. „Dadurch gibt es viele Unwuchten, Europa läuft nicht rund.“ Aus seinem analytisch brillanten Vortrag zog er den Schluss, dass die EU flexibler werden müsse. Um ein Zentrum mit leistungsfähigen Staaten, die handlungsfähig sind und die Führung übernehmen, müssten sich in Form von Kreisen und Ellipsen die anderen gruppieren, die sich unterschiedlich stark integrieren sollten. Diese im Ansatz schon eingeführte Regelung müsse zu einem Strukturelement der EU werden, forderte Herfried Münkler.

Prof. Dr. Udo Di Fabio, Professor für Öffentliches Recht an der Universität Bonn und bis 2011 Richter am Bundesverfassungsgericht, stimmte in seinem Referat den Grundthesen Münklers zu, setzte aber auch eigene Akzente. Für ihn ist die europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit der Garant dafür, dass die schweren, in Kriege mündenden innereuropäischen Konflikte, ausgelöst durch die wirtschaftlichen Rivalitäten der Nationalstaaten und Nationalökonomien, gelöst wurden. Durch die Abgabe von Souveränitätsrechten seien alle europäischen Staaten wohlhabender und auch politisch mächtiger geworden, weil sie sich gegenseitig unterstützen und fördern. „Die Wirtschaftseinheit veränderte die politischen Verhältnisse grundlegend“, so Di Fabio.

Doch mit der Währungsunion sei man einen Schritt zu schnell gewesen. Leistungsschwächere Staaten zum inneren Kern zuzulassen, sei genauso „wie einem armen Menschen einfach eine goldene Kreditkarte in die Hand zudrücken“, formulierte Udo Di Fabio. Die Schuld für die Krise sieht der Jurist daher bei den europäischen Staaten, die schlicht und ergreifend Misswirtschaft betrieben hätten. Sein Lösungsweg: Alle Staaten, auch Deutschland, müssten sich wieder an die EU-Verträge halten, vor allem die Staatsschulden auf die vertraglich erlaubte Grenze zu senken.

Sie können die beiden Referate in unserer Mediathek nachhören.

Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie in der Ausgabe zur debatte 7/2012.

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