Michael Wolffsohn beim Akademiegespräch

300 Bundeswehroffiziere zu Gast
Zwei Männer unterhalten sich und schauen sich dabei an: Generalleutnant Richard Roßmanith war der ranghöchste Bundeswehroffizier beim Akademiegespräch, bei dem Professor Michael Wolffsohn zum Thema "Weltfrieden" referierte.
Generalleutnant Richard Roßmanith war der ranghöchste Bundeswehroffizier beim Akademiegespräch, bei dem Professor Michael Wolffsohn zum Thema "Weltfrieden" referierte.
Rund 330 Bundeswehroffiziere waren am Dienstag, 1. März 2016, in die Katholische Aka-demie gekommen. Referent war diesmal Prof. Dr. Michael Wolffsohn, Professor em. für Politik an der Universität der Bundeswehr München.

In seinem Vortrag mit dem Titel „ Zum Weltfrieden. Ein politischer Entwurf“ legte Wolffsohn dar, dass herkömmliche Konfliktlösungsstrategien zunehmend scheitern, weil sie auf dem Modell des Nationalstaats basieren. Er konstatierte, dass friedliches Zusammenleben vor allem dort möglich sei, wo die Bevölkerung einigermaßen homogen sei. Sobald aber innerhalb von Staaten oder in benachbarten Staaten über Grenzen hinweg sehr unterschiedliche Gemeinschaften zusammenleben müssten, seien Konflikte programmiert. Der bekannte Politikwissenschaftler führte als Beispiele die Türkei, Syrien, den Irak, Afghanistan und das westafrikanische Mali an – alles Länder, in deren Konflikte die Bundeswehr involviert sei. Wolffsohns Vorschlag, wie Spannungen und Konflikte minimiert werden könnten, ging dahin, föderative Strukturen innerhalb von Staaten oder über Staatsgrenzen hinweg zu schaffen, die es unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen erlauben würden, in Eigenständigkeit zu leben, ohne von einer Zentrale bevormundet zu werden. Die demografische Geografie, also die Bevölkerungsstruktur in und über Staatsgrenzen hinweg, müsse in Zukunft stärkeres Gewicht erhalten als die politische Geografie, also die Staatsgrenzen.
Professor Wolffsohn setzte in seinem Referat darauf, dass der Leidensdruck bei Konflikten so stark werde, dass Lösungen wie von ihm vorgeschlagen in den Blick genommen würden. Außerdem müsse der politische Druck auf Staaten, in denen Bundeswehrsoldaten im Rahmen von UN-Missionen zum Einsatz kommen, dahingehend erhöht werden, dass als Vorleistung oder sogar als Bedingung die Schaffung föderativer Strukturen in Angriff genommen werde.
Die lebhafte Diskussion, bei der sich im Anschluss an den Vortrag rund ein Dutzend Offiziere beteiligten, drehte sich vor allem um die Frage der praktischen Umsetzung und die politische Durchsetzbarkeit des Vorschlags.
Das Akademiegespräch mit Offizieren und Offiziersanwärtern der Bundeswehr aus Standorten in Süddeutschland veranstaltet die Katholische Akademie in enger Kooperation mit der katholischen Militärseelsorge. Zwei immer sehr gut besuchte Veranstaltungen pro Jahr – jeweils im Frühjahr und im Herbst – sind die Frucht dieser bereits jahrzehntelangen guten Zusammenarbeit.

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