Joseph Kardinal Wendel

Büste enthüllt
Vier Männer rahmen die vor dem Haupteingang der Akademie stehende Granitsäule mit der Büste Kardinal Wendels ein: Professor Hans Maier und Friedrich Koller stehen links, Professor Meitinger und Florian Schuller stehen rechts von der Büste.
Nach der Enthüllung der Büste: Professor Hans Maier, Friedrich Koller, Otto Meitinger und Florian Schuller (v.l.n.r.).

Anlässlich der Feiern zum 50-jährigen Bestehen des Kardinal Wendel Hauses der Katholischen Akademie enthüllte Akademiedirektor Dr. Florian Schuller eine Bronzebüste des früheren Erzbischofs von München und Freising, Joseph Kardinal Wendel. Der Münchner Oberhirte amtierte von 1952 bis 1960, trug maßgeblich zur Gründung der Akademie bei und sorgte auch dafür, dass ein Tagungsgebäude für die Akademie gebaut wurde. Die Einweihung am 27. September 1962 erlebte er nicht mehr. Aus Dankbarkeit und in Anerkennung seiner großen Verdienste wurde das Haus dann aber nach ihm benannt. Florian Schuller: „Ohne diesen Bischof gäbe es weder die Akademie in dieser Form noch dieses Haus.“
Die schon 1962 von Theodor Georgii geschaffene Bronzebüste steht jetzt auf einer vom Bildhauer Friedrich Koller gestalteten Granitsäule vor dem Haupteingang der Akademie. Koller, der unter vielen anderen Werken auch die Gedenksäule für die Opfer des Oktoberfestanschlags von 1980 auf der Münchner Theresienwiese gestaltet hat, schuf die zwei Meter hohe und rund eine Tonne schwere Säule aus dem selben Material, aus der 1962 die Eingangstreppe gemacht worden war: Granit aus dem Fichtelgebirge.
An der Einweihung und an einer daran anschließenden Gesprächsrunde nahmen auch Professor Hans Maier und Professor Otto Meitinger teil. Maier, lange Jahre Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und der Akademie seit 1962 eng verbunden, skizzierte die politische und kulturelle Lage zu Beginn der 60er Jahre. Dabei ging er besonders auf die unmittelbare Vorgeschichte des II. Vatikanischen Konzils ein und lobte die damalige Arbeit der Akademie: „Vieles, was auf dem Konzil behandelt wurde, ist in der Akademie vorausgedacht oder sogar schon vorweggenommen worden“. Hans Maier erinnerte aber auch an die aktuelle Bedeutung der Akademie und damit des Akademiegebäudes als Ort des Dialogs. „Die Kirche braucht das Gespräch. Man muss mit den Menschen reden, um sie zu gewinnen und darf nicht meinen, bei allen ist schon alles vorhanden“, sagte er.
Otto Meitinger, früher Präsident der Technischen Universität und seit den 50er Jahren als Architekt in München aktiv, lobte ganz explizit den Baustil des Kardinal Wendel Hauses. Architekt Thomas Wechs – vor einigen Tagen im Alter von 83 Jahren verstorben – habe das Gebäude sehr gut in den Park des Schlosses Suresnes integriert. Die Uridee einer Akademie, des Wandelns und dabei Denkens, habe er umgesetzt. Auch was das Baumaterial und die Bauausführung angeht, sei es eine sehr respektable Leistung. „Es ist der einzige der Kultur gewidmete Neubau Münchens aus dieser Zeit“, so Meitingers Feststellung. Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre habe man sich noch in der Nachkriegszeit befunden. Die historischen Bauten wären zwar mit viel Gefühl restauriert, Zweckbauten aber – aus der Not heraus – vielfach ohne architektonischen Anspruch erstellt worden, um zum Beispiel neuen Wohnraum zu schaffen. „Aber dass man 3,5 Millionen Mark, damals sehr viel Geld, in ein kulturelles Gebäude steckte, ist wirklich bemerkenswert“, sagte der renommierte Architekt.

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