50 Jahre "Lumen Gentium"

Ein interreligiöses Gespräch
Vier Männer sitzen auf dem Podium im Vortragssaal der Akademie: Prof. Dr. Ednan Aslan, Prof. Dr. Peter Neuner, Akademiedirektor Dr. Florian Schuller, Prof. Dr. Michael Wolffsohn (v.l.n.r.).
Streitkultur im besten Sinne: Prof. Dr. Ednan Aslan, Prof. Dr. Peter Neuner, Akademiedirektor Dr. Florian Schuller, Prof. Dr. Michael Wolffsohn (v.l.n.r.).

Mit einem interreligiösen Gespräch aus christlicher, jüdischer und muslimischer Perspektive erinnerte die Katholische Akademie am 29. November 2014 an die vom Zweiten Vatikanischen Konzil formulierte und vor 50 Jahren promulgierte Dogmatische Konstitution „Lumen Gentium“. Prof. Dr. Michael Wolffsohn, Publizist und emeritierter Professor für Neuere Geschichte an der Universität der Bundeswehr München, und Prof. Dr. Ednan Aslan, Professor für islamische Religionspädagogik an der Universität Wien, formulierten positive Aspekte, aber auch Schwierigkeiten, welche dieser fundamentale Text katholischen Selbstverständnisses aus jüdischer und muslimischer Sicht beinhaltet. Zuvor machte Prof. Dr. Peter Neuner, emeritierter Professor für Dogmatik und Ökumenische Theologie an der Universität München, die Kernaussagen von „Lumen Gentium“ deutlich, darunter besonders diejenige, dass die Katholische Kirche ihren Exklusivitätsanspruch auf die Wahrheit aufgibt und auch anderen Religionen zugesteht, dass in ihnen eine gewisse Wahrheit zu finden sei.

In seinem Vortrag sowie in der Podiumsdiskussion, die sich an die Vorträge anschloss, kritisierte Michael Wolffsohn besonders die an einigen Stellen aus seiner Sicht eklatant defizitäre Bibelexegese von „Lumen Gentium“. Prof. Neuner erklärte daraufhin, dass sich die Glaubens- und Kirchensituation vor 50 Jahren noch völlig anders dargestellt habe als heute. Damals sei man mit einem anderen (Vor)-Verständnis an Texte herangegangen, was heutzutage teilweise so nicht mehr haltbar sei. Zudem sei der Text in erster Linie „ad intra“, also für die Kirche und ihre Gläubigen selbst, geschrieben. Nichtsdestotrotz zeige sich natürlich erst in der Wirkung „ad extra“, also im Handeln der Gläubigen in Richtung außerhalb der Kirche, ob die „Vorgaben“ auch umgesetzt würden. Ednan Aslan zeigte Schwierigkeiten seitens des Islam besonders mit der Trinitätslehre auf, sah aber auch an einigen Passagen die „ausgestreckte Hand“, die „Lumen Gentium“ explizit dem Islam hinhalte. Mit drei sehr guten Vorträgen und einer kritischen, dabei aber immer sachlichen und fairen Diskussion war diese Veranstaltung Streitkultur im besten Sinne.

 

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