Genozid an Armeniern

Gedenken und Reflexion
Fünf Menschen sitzen auf dem Podium: Unter der Moderation von Akademiedirektor Dr. Florian Schuller (Mi.) diskutierten Prof. Dr. Hacik Rafi Gaszer, Thomas Hartwig, Elke Hartmann und Dr. Axel Meißner (v.l.n.r.).
Unter der Moderation von Akademiedirektor Dr. Florian Schuller (Mi.) diskutierten Prof. Dr. Hacik Rafi Gaszer, Thomas Hartwig, Elke Hartmann und Dr. Axel Meißner (v.l.n.r.).

Der Völkermord an den christlichen Armeniern in den Jahren 1915 bis 1918 ist zurzeit eines der Top-Themen in den Nachrichten und beschäftigt auch die internationale Politik; und allein schon die Diskussion über die Ereignisse führt zu heftigen Auseinandersetzungen darüber was vor jetzt genau einem Jahrhundert in der Türkei passierte.
In der Veranstaltung „Der armenische Genozid vor 100 Jahren“ am Dienstag, 21. April 2015, standen nicht Schuldzuweisung an die damalige Osmanische Regierung im Vordergrund stehen, sondern Fachleute gaben zum einen Einblick in das armenische Leben und die christlich-armenische Kultur im Osmanischen Reich. Dann wurden auch deren Zerstörung und Vernichtung thematisiert.

Die Osmanistin Elke Hartmann aus Berlin, selbst armenischer Abstammung, betonte unter anderem die Notwendigkeit einer umfassenden Quellenauswertung, um zu einem klaren Bild der Verhältnisse zu kommen. Hacik Rafi Gazer, Professor für Geschichte und Theologie des Christen Ostens an der Universität Erlangen-Nürnberg, zitierte ausführlich Stellungnahmen deutscher Diplomaten aus dem Osmanischen Reich an das Auswärtige Amt und die aktenmäßig festzustellende Weigerung Berlins, den Armeniern zu helfen.
In einem zweiten Block wurden auf der anderen Seite engagierte Deutsche gewürdigt, die sich für die Armenier einsetzten und versuchten, deren Schicksal nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. So ging der evangelische Pfarrer Dr. Axel Meißner ausführlich auf seinen Amtsbruder Johannes Lepsius ein, der als Orientalist Kenner der armenischen Kultur war und sowohl praktisch half, als auch das Schicksal des armenischen Volkes bekannt machte.

Ähnlich wie es die Schriftsteller Armin T. Wegner und Franz Werfel versuchten, deren publizistischen Kampf der Berliner Autor Thomas Hartwig schilderte. 
Lesungen aus Werken, die sich mit dem Völkermord beschäftigen, beschlossen die Veranstaltung, an der mehr als 300 Zuhörer teilnahmen. Thomas Hartwig las aus seinem Roman "Die Armenierin" und Elke Hartmann trug Stellen aus dem Werk "Der Wald von Vincennes" des armenischen Schriftstellers Nigoghos Sarafian vor.

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