Faulhaber-Tagebücher online

Startschuss für Großprojekt
Zwei Männer sitzen mit Headphons auf roten Sessel auf dem Podium im Vortragssaal: Professor Andreas Wirsching (li.) und Professor Hubert Wolf analysierten und diskutierten die vorgetragenen Stellen aus Kardinal von Faulhabers Tagebüchern.
Professor Andreas Wirsching (li.) und Professor Hubert Wolf analysierten und diskutierten die vorgetragenen Stellen aus Kardinal von Faulhabers Tagebüchern.

Die ersten Jahrgänge der Online-Edition der Tagebücher von Kardinal Michael von Faulhaber (1869 bis 1952) sind ab sofort öffentlich zugänglich. Die entsprechende Website mit dem Namen www.faulhaber-edition.de wurde am Abend des 28. Oktober 2015 im Rahmen einer Veranstaltung in der Katholischen Akademie Bayern freigeschaltet. Rund 180 Teilnehmer verfolgten die Freischaltung. Wissenschaftliche Einordnungen lösten sich mit Lesungen von Textstellen ab.

Michael Kardinal von Faulhaber, von 1917 bis 1952 Erzbischof von München und Freising, führte schon ab 1911 und bis zu seinem Tod diese Tagebücher - regelmäßig und sehr sorgfältig. Da er über Jahrzehnte eine der zentralen Personen der bayerischen und deutschen Geschichte sowie auch der internationalen Kirchengeschichte war, ist das Vorhandensein dieser Tagebücher ein Glückfall für die Forschung. Doch erst vor ein paar Jahren wurden die Tagebücher im Nachlass seines Sekretärs entdeckt und es stellte sich heraus, dass der Kardinal die Eintragungen ausschließlich in Gabelsberger-Kurzschrift vorgenommen hatte. Kaum jemand kann die Erinnerungen in dieser Form lesen und sie in der Folge historisch auswerten.

In einem aufwändigen und insgesamt auf über mehr als ein Jahrzehnt projektierten DFG-Forschungsprojekt gehen Experten des Instituts für Zeitgeschichte und des Seminars für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte Münster in Zusammenarbeit mit dem Erzbischöflichen Archiv München daran, die Tagebücher für die Forschung aufzuarbeiten. Ein Team von jungen Wissenschaftlern lernt nun seit rund zwei Jahren als ersten Schritt die Gabelsberger-Kurzschrift und fing auch schon an, die ersten Jahrgänge zu transkribieren und für eine Online-Ausgabe vorzubereiten. Seit der Freischaltung am 28. Oktober sind nun Teile der Jahrgänge 1918 und 1919 (revolutionärer Übergang von Monarchie zur Republik) sowie 1933 (Machtübernahme Hitlers) online. Unter der wissenschaftlichen Leitung des Kirchenhistorikers Prof. Dr. Hubert Wolf aus Münster und Prof. Dr. Andreas Wirsching, dem Direktor des Instituts für Zeitgeschichte, wurden die nun edierten Tagebucheinträge umfangreich kommentiert, so dass neben Fachwissenschaftlern auch interessierte Laien die Online-Edition nutzen können.

Zu Beginn der Veranstaltung sprach Kardinal Friedrich Wetter, von 1982 bis 2007 als Erzbischof von München und Freising amtierend und somit einer der späten Nachfolger Faulhabers, ein Grußwort. Unter anderem berichtete Friedrich Wetter, dass er dem Kardinal als junger Theologiestudent noch begegnet sei.

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