Die Frage nach dem Bösen

Reihe Buddhismus und Christentum
Zwei Männer sitzen auf Stühlen und schauen freundlich in die Kamera: die Professoren Karl-Heinz Brodbeck (li.) aus Würzburg und Ralf Miggelbrink aus Essen.
Die Professoren Karl-Heinz Brodbeck (li.) aus Würzburg und Ralf Miggelbrink aus Essen.
Beim sechsten Abend in unserer Reihe Buddhismus und Christentum - Grundpositionen im Diskurs ging es am 9. Juni 2015 um die Frage nach dem Bösen in beiden Religionen. Auf der wieder von der Theologin und Religionswissenschaftlerin Prof. Dr. Dr. Katharina Ceming moderierten Abendveranstaltung sprachen und diskutierten Prof. Dr. Karl-Heinz Brodbeck aus München, der die Frage nach dem Bösen aus Sicht des Buddhismus beleuchtete. Die christliche Perspektive nahm Prof. Dr. Ralf Miggelbrink aus Essen ein.
Professor Brodbeck, emeritierter Professor für VWL an der FH Würzburg-Schweinfurt-Aschaffenburg und bekennender Buddhist, führte zunächst aus, dass es eine Einteilung nach „gut“ und „böse“ im Buddhismus so nicht gebe. Die dafür verwendeten Begriffe „kusala“ bzw. „akusala“ stünden vielmehr für „heilsam“ bzw. „unheilsam“. Das „Böse“ stehe im Buddhismus hauptsächlich für eine eingeübte, leicht von der Hand gehende schlechte Gewohnheit, von der man zwar schwierig wieder loskomme, von der aber eine komplette Reinigung auch wieder möglich sei.
Eine Vorstellung der Entstehung des Bösen im christlichen Bereich gab Professor Miggelbrink, Professor für Systematische Theologie an der Universität Duisburg-Essen, mit seinen Ausführungen zur sogenannten „Mimetischen Theorie“ des Religionsphilosophen René Girard, die davon ausgeht, dass Menschen ein Nachahmungsverhalten gegenüber ihren Mitmenschen an den Tag legen, das Neid, Eifersucht und Rivalität hervorbringt. In einem interessanten Exkurs legte Miggelbrink zudem dar, dass er bei einer kurz zuvor stattgefundenen Veranstaltung mit hochrangigen Juristen festgestellt habe, dass der Begriff des „Bösen“ selbst in der Jurisprudenz immer mehr abhandenkäme, da dort Urteile wegen unerlaubter Handlungen gesprochen würden, aber nicht deswegen, weil ein Mensch „böse“ sei.
Die Audiodateien mit den beiden Referaten von Karl-Heinz Brodbeck und Ralf Miggelbrink finden Sie in unserer Mediathek.
Im NDR-Inforadio lief der Bericht des Journalisten Burkhard Schäfers zu der Veranstaltung unter dem Titel "Karma und Fegefeuer". Hier finden Sie ihn zum nachhören. https://www.ndr.de/info/sendungen/blickpunkt_diesseits/
 

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