Helmuth James und Freya von Moltke

Abschiedsbriefe Gefängnis Tegel
Die Journalistin Stefanie Wirsching (Augsburger Allgemeinen Zeitung) und Dr. Markus Günther (Autor und Journalist bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung) auf dem Podium.
Die Journalistin Stefanie Wirsching von der Augsburger Allgemeinen Zeitung und Dr. Markus Günther, Autor und Journalist bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, trugen Ausschnitte aus einer Vielzahl von Briefen vor.

Mit einer szenischen Lesung aus ihren Abschiedsbriefen gedachte die Katholische Akademie Bayern am Abend des 27. Januar 2014 Helmuth James Graf von Moltke und seiner Frau Freya. Am Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslager Auschwitz kamen rund 120 Menschen in die Akademie, um zu hören, welche Gedanken und Sehnsüchte diese beiden entschiedenen Gegner des NS-Regimes in brieflicher Form ausgetauscht hatten.

Helmuth James Graf von Moltke, 1907 auf dem niederschlesischen Gut Kreisau geboren, und Freya Deichmann, geboren 1911 in Köln, lernten sich in Berlin kennen und heirateten 1931. Beide waren, von weltbürgerlicher Lebensauffassung geprägt, von Beginn an entschiedene Gegner der Nationalsozialisten. Graf von Moltke knüpfte seit Ende 1938 Kontakte zu Gesinnungsgefährten, um mit ihnen für die Überwindung des „Dritten Reichs“ zu arbeiten. Daraus entwickelte sich der Kreisauer Kreis, eine der wichtigsten Gruppen des Widerstands gegen das Naziregime. Graf von Moltke musste dafür mit dem Tod bezahlen. Am 19. Januar 1944 wurde er von der Gestapo verhaftet, im Konzentrationslager Ravensbrück sowie in Strafgefängnis Tegel eingesperrt, in einem Schauprozess vor dem „Volksgerichtshof“ verurteilt und am 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee gehängt.

Seit der Verlegung von Ravensbrück ins Strafgefängnis Tegel Ende September 1944 bis zur Hinrichtung schrieben sich Helmuth und Freya von Moltke heimlich Briefe, die Gefängnispfarrer Harald Poelchau unter Einsatz seines Lebens den Adressaten überbrachte. Freya von Moltke hielt diese gefährliche Korrespondenz in ihren Bienenstöcken auf Gut Kreisau versteckt und bewahrte sie anschließend in den USA bis zu ihrem Tod am 1. Januar 2010 bei sich. Veröffentlicht sind die Briefe in dem Buch „Abschiedsbriefe Gefängnis Tegel“, das im Beck-Verlag ein Jahr nach Freya von Moltkes Tod erschienen ist. Die Abschiedsbriefe legen Zeugnis ab von einem außergewöhnlichen Ehepaar, das sich im Angesicht des Todes in Zuversicht und unerschütterlicher Liebe zugetan war.

Über bewegende anderthalb Stunden trugen die Journalistin Stefanie Wirsching von der Augsburger Allgemeinen Zeitung und Dr. Markus Günther, Autor und Journalist bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, Ausschnitte aus einer Vielzahl von Briefen vor. Die Zuhörer waren Zeugen eines „Gesprächs“ zwischen zwei sich liebenden Ehepartnern, bei denen neben Fragen des Alltags natürlich vieles auftauchte, was James und Freya Moltke in diesen schweren Monaten bewegte und woran sie Halt fanden.

Es war ein bewusstes Abschiednehmen vom Leben. Man spürte, wie die beiden Menschen immer tiefer in den Glauben hineinwuchsen, sich von Gott getragen wussten, wobei auch deutlich wurde, welchen Anfechtungen sie durch die Trennung, den nahenden Tod und die Schikanen ausgesetzt waren.

Die Wirkung der Briefe auf die Zuhörer wurde noch verstärkt durch die Musik, die Prof. Julius Berger und Hyun-Jung Berger spielten. Die beiden Cellisten interpretierten je ein Werk von Antonio Vivaldi und John Cage, sowie die traditionelle Weise „Ave Maria“, das christliche Lied „Signore delle cime“ aus Norditalien und den „Cant del Ocalis“, ein katalanisches Weihnachtslied.

Der Augsburger Journalist Christian Imminger – er arbeitet ebenfalls für die Augsburger Allgemeine – führte am Abend umsichtig Regie und es gelang ihm, dass Texte, Musik und die eingeblendeten Faksimile der Briefe immer gut zusammenfanden. Der Abend endete bei Brot und Wein und nicht wenige Zuhörer bedankten sich für einen „bewegenden und ergreifenden Abend“.

Zurück