Heft 06/2016

Inhaltsverzeichnis
Europa - Nachdenken über unseren Kontinent

Reflexionen und Diskussionen zur Zukunft Europas waren in den vergangenen Monaten ein Schwerpunkt der Akademiearbeit. Rund 300 Gäste waren am Abend des 1. September 2016 in die Katholischen Akademie Bayern gekommen, um einem Entscheidungsträger auf europäischer Ebene zuzuhören. Mit Manfred Weber (CSU), dem Vorsitzenden der Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) im EU-Parlament, war einer der einflussreichsten und profiliertesten Europapolitiker in der Akademie zu Gast. Der Abgeordnete aus Niederbayern, auch einer der stellvertretenden Vorsitzenden der CSU, sprach zum Thema „Die EU am Scheideweg?!“ Manfred Weber hielt ein engagiertes, leidenschaftliches Plädoyer für Europa und fasste seine Rede für den Abdruck in unserer Zeitschrift in zehn Thesen zusammen.
Bereits im Frühjahr sprachen und diskutierten der frühere Bundesverfassungsrichter Dieter Grimm, die Politologin Ulrike Guérot und Münchens ehemaliger Oberbürgermeister Christian Ude über Wege aus der Legitimationskrise, in der die Europäische Union steckt. In unserer Veranstaltung „Europa – die Macht und das Recht“ am 25. April 2016 plädierte Dieter Grimm für mehr demokratisch legitimierte, politische Entscheidungen, Ulrike Guérot sogar für eine europäische Republik und Christian Ude beklagt, dass sogar EU-Organe die eigenen Gesetze außer Kraft setzen, wenn es opportun sei.

Zehn Punkte zur Selbstbehauptung Europas
von Manfred Weber

Einst wurde die Europäische Einigung in Sonntagsreden beschworen. Heute ist sie in vielen Bereichen mit großem Erfolg Wirklichkeit geworden: Auf keinem Kontinent der Welt leben die Menschen in gleicher Weise in Frieden, Freiheit, Sicherheit und Wohlstand. Allerdings sind die Flitterwochen für Europa vorbei. Die Europäische Union ist in vielen Bereichen im Alltag angekommen: Im politischen Alltag verlieren Visionen oftmals an Strahlkraft, aber nicht an Relevanz. Heute geht es um nichts weniger als die Selbstbehauptung Europas und seiner Werte in der Welt. Europa ist unsere Lebensversicherung in einer globalisierten Welt.
Wir leben in einer Zeit, in der so viele Megatrends parallel ablaufen, wie vermutlich noch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit. Die Digitalisierung wird die weltweiten Geschäfts- und Gesellschaftsmodelle fundamental verändern. In den vergangenen fünf Jahrhunderten noch wurden fast alle prägenden Erfindungen in Europa gemacht. Heute kommen die digitalen Innovationen der Welt zu einem Gutteil aus dem Silicon Valley. Die neuen Riesen der Geschäftswelt sind nicht länger Autobauer oder sogar Banken, sondern Internetkonzerne, fast alle mit Sitz in den USA. Wir können es uns schlicht nicht leisten, in der digitalen Wirtschaft weiter den Anschluss verlieren, sondern müssen an der Spitze der Entwicklung stehen. Nur so können wir Zukunftsjobs schaffen und die Entwicklung auf Grundlage unserer Wertehaltung mit unseren europäischen Standards sichern.

Europa - Wo liegt das Demokratieproblem?
von Dieter Grimm

Es herrscht wenig Streit darüber, dass die EU unter einer Akzeptanzschwäche leidet, die das Integrationsprojekt insgesamt gefährdet. Strittig ist aber, wo die Ursachen des Problems liegen, und dementsprechend, worin die Abhilfe bestehen könnte. Wenn es um diese Frage geht, ist am häufigsten der Vorschlag zu hören, man müsse das Europäische Parlament, also die Repräsentation der europäischen Bürger, aufwerten und es mit denjenigen Kompetenzen ausstatten, die nationale Parlamente üblicherweise haben. Die Ursache des Demokratiedefi-zits sei dann beseitigt, die Europäische Union würde wieder zu einer Sache der Bürger und nicht nur der Eliten und Bürokraten.
Plausibel ist das allerdings nur, wenn hier tatsächlich die Wurzel des Übels liegt. Daran be-stehen aber einige Zweifel. Sie kommen schon deswegen auf, weil mit jeder Ausweitung der Befugnisse des Europäischen Parlaments die Beteiligung an den Europawahlen gesunken ist. Auch mit den Spitzenkandidaten, die bei der letzten Europawahl erstmals aufgestellt wurden, um die Wahl durch Personalisierung attraktiver zu machen, hat sich das nicht geändert. Die Wahlbeteiligung war mit Spitzenkandidaten ebenso matt wie ohne sie. Das spricht nicht da-für, dass die Unionsbürger gerade in dem Kompetenzmangel des Parlaments den tieferen Grund für ihre Distanz gegenüber der Europäischen Union sehen.

Warum wir mit der EU nicht weiterkommen - und Europa eine Republik werden muss
von Ulrike Guérot

Ich freue mich sehr, heute Abend in München, zu sein und zum Thema Europa zu sprechen. Ich glaube indes, die Katholische Akademie hat ein Problem: wahrscheinlich haben Sie mich eingeladen, weil Sie gedacht haben, dass ich jetzt für die EU spreche und mit Herrn Grimm in einen konstruktiven Dialog treten werde. Genau das werde ich nicht tun. Ich bin zu 150 Pro-zent einverstanden mit der Dekonstruktion der EU, die Herr Grimm in einer Art und Weise vorgenommen hat, wie ich das nicht besser hätte machen können. Ich bin keine Juristin; so detailliert und juristisch fundiert wäre mir das gar nicht gelungen.
Darum fange ich mal da an, wo Herr Professor Grimm aufgehört hat, nämlich mit der Frage, gibt es noch Hoffnung? Da antworte ich, die Hoffnung stirbt zuletzt, oder ich antworte mit Ernst Bloch, „Das Prinzip Hoffnung“. Über dieses Prinzip Hoffnung habe ich versucht nachzu-denken. Was machen wir mit Europa in dieser Dystopie, von der Herr Grimm ja zurecht sagt, dass wir jetzt vor lauter Nationalismus und Populismus in die Schockstarre verfallen sind. Und aus dieser Schockstarre möchte ich Sie jetzt herausführen, und zwar mit 15 bis 20 Minuten utopischer, europäischer Poesie, damit wir wieder zusammenkriegen, was zusammengehört, und das ist, Europa. Europa ist nämlich nicht unbedingt die EU. An diese Schnittstelle zwischen der EU und Europa würde ich Sie jetzt also gerne in einem kleinen poetischen Moment entführen.

Recht nach Gutdünken?
von Christian Ude

Vielen herzlichen Dank beiden Referenten. Ich denke, dass wir jetzt schon die Gewissheit haben können, schlauer nach Hause zu gehen, als wir gekommen sind, denn wir haben neue Gesichtspunkte kennengelernt, sowohl bezüglich der demokratischen als auch der verfas-sungsrechtlichen Defizite der Europäischen Union, aber wir haben auch Visionen vernommen, was denkbare neue Perspektiven betrifft. Dafür herzlichen Dank. Im Übrigen habe ich gestaunt, wie zwei Statements von so unterschiedlichen Standpunkten und Maßstäben ausgehen können und doch so mühelos miteinander vereinbar scheinen. Ich glaube aber, dass das nur so scheint, weil beides gleichermaßen kritisch klang. Wir werden sehen, wie weit die Übereinstimmung tatsächlich reicht.
Als wir das Thema gewählt haben, bewusst mit den zwei Worten Macht und Recht, die wir doch gewöhnlich als Gegensatzpaar begreifen, gab es viel Erschütterung in Europa, die ja anhält. Und diese Erschütterung möchte ich am Anfang noch einmal zur Debatte stellen, um dann Ihren Pfaden weiter nachzugehen. Es ist ja erst wenige Jahre her, dass Europa in un-glaublich euphorischer Stimmung sich selber gefeiert hat. Das kommt uns jetzt so vor, als müsste es Generationen her sein. Dabei liegt es nur wenige Jahre zurück, dass die Europäi-sche Union unter dem Beifall ihrer Bürger den Friedensnobelpreis bekommen hat für ihre Grundsatztreue bei den Grundwerten, die sie permanent verkündet.

Sommernacht der Künste - Ein Gipfeltreffen von bildender Kunst und Musical
„Polyphon“ & „I love you, you’re perfect, now change!“
von Bernhard Forster

„Polyphon“ – das war das Motto der diesjährigen „Sommernacht der Künste“ der Katholischen Akademie Bayern am 27. Juni, bei der der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung der Klasse von Prof. Jorinde Voigt von der Akademie der Bildenden Künste in München präsentiert wurde. Im Mittelpunkt des Abends: das Gespräch von Akademiedirektor Dr. Florian Schuller mit fünf Studierenden der Klasse von Prof. Voigt über ihre Werke, aber auch ganz allgemein über die Sicht von jungen Menschen auf Kunst als Ausdruck des Menschseins und als Weg, das eigene Dasein zu deuten. „Ich war beeindruckt, mit welch tiefem philosophischen Anspruch die Studierenden von Jorinde Voigt ihre Arbeit sehen“, so Florian Schuller in seinem Statement, bevor er den Studierenden und ihrer akademischen Lehrerin die ersten frisch gedruckten Kataloge überreichte.
Beifallsstürme ernteten bei der Sommernacht auch die acht Studierenden der Musicalklasse der Theaterakademie August Everding. Sie präsentierten unter der Leitung von Tom Bitterlich am Klavier in zwei Blöcken Ausschnitte aus ihrem aktuellen Programm – eine mitreißende Mischung aus bekannten Evergreens und frechen Werken abseits des Mainstreams wie dem Musical „I love you, you’re perfect, now change!“. Der Auftritt wurde von Tom Bitterlich, musikalischer Leiter des Studiengangs Musical, mit viel Witz moderiert.
Im Anschluss an das offizielle Programm trafen sich die Teilnehmer noch zum geselligen Austausch im sommerlichen Park, wo sich intensive Gespräche mit den jungen Künstlerinnen und Künstlern beider Sparten ergaben. Unter den über 80 Gästen waren neben dem Präsidenten der Theaterakademie, Prof. Hans-Jürgen Drescher, auch die Bildhauerin und Malerin Antje Tesche-Mentzen sowie der Münchner Komponist Wilfried Hiller. Er arbeitet schon jetzt am Konzept der „Sommernacht der Künste“ 2017, bei der die Kunstwerke auf dem Gelände der Katholischen Akademie Bayern im Mittelpunkt stehen werden. Der Anlass: das 60. Gründungsjubiläum der Akademie im kommenden Jahr.

Buddhismus und Christentum im Gespräch
Ein Abschlussbericht
von Astrid Schilling

Nach insgesamt acht Abenden in den Jahren 2014 und 2015, die in jeweils zwei Experten-Vorträgen die Polarität u.a. von „Weltenkreislauf und Schöpfung“ über „Karma und Sünde“ und „Die Frage nach dem Bösen“ bis zu „Erlösung zwischen Glauben, Erkenntnis und Stellvertretung“ zum Thema hatten, bestimmte im Jahr 2016 ein dreiteiliger Lektürekurs den Schwerpunkt „Buddhismus und Christentum im Gespräch“ der Akademie. Die Leitung des Lektürekurses lag bei Prof. Dr. Dr. Katharina Ceming, die vorher auch schon die acht Vortragsabende moderiert hatte.
Der erste Abend des Lektürekurses am 2. März 2016 stand unter dem Titel „Das Innerste des Menschen: Seelenfunken und Buddha-Natur“. Nach einem kurzen Einführungsvortrag von Katharina Ceming wurden Texte zur Idee des Seelenfunkens bei Meister Eckhart und zur Lehre vom sogenannten Buddhakeim (der in jedem Wesen innenwohnenden Buddha-Natur) im Mahayana-Buddhismus vorgelesen und anschließend anhand von Impulsfragen gemeinsam diskutiert.
Der zweite Abend am 4. Mai 2016 beschäftigte sich mit dem Thema „Die Unsagbarkeit des Absoluten“. Hier wurden nach der Einführung von Katharina Ceming Texte von Dionysius Areopagita, dem geistigen Vater der christlichen Mystik, sowie von Arya Nagarjuna, dem wohl größten Philosophen des Mahayana-Buddhismus, gelesen.
Der dritte und letzte Abend am 11. Juli 2016 war schließlich der „Gewaltlosigkeit“ gewidmet. Diesmal wurden ausgewählte Passagen der neutestamentlichen Bergpredigt und dem buddhistischen Pali-Kanon gelesen und diskutiert.
Allen Abenden war gemeinsam, dass der jeweilige Eingangsvortrag die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehr gut in die Thematik einführte und auf die Texte vorbereitete, so dass die anschließende Diskussion stets äußerst angeregt ausfiel.
Mit dem Ende des Lektürekurses ist auch das Ende des Akademie-Schwerpunkts „Buddhismus und Christentum im Gespräch“ gekommen, da alle relevanten und diskussionswürdigen Themen bereits behandelt und tiefgründig aufgearbeitet wurden. Damit endet auch diese Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Dr. Katharina Ceming, die der Akademie für zukünftige Veranstaltungen aber auch weiterhin als Referentin erhalten bleibt. Die Akademie dankt ihr sehr für die langjährige kompetente Beratung in christlich-buddhistischen Fragen, die stets souveräne Moderation sowie die erhellenden und gut verständlichen Vorträge und freut sich auf die weitere Zusammenarbeit.

Flüchtlingspolitik

Fast 250 Menschen kamen am 20. Juni 2016 in die Katholische Akademie Bayern, um einer Diskussion über das wohl wichtigste innenpolitische Thema unserer Tage zu folgen: Wie ist die Integration der Flüchtlinge in die Gesellschaft zu lösen? Bei der Veranstaltung „Flüchtlingspolitik. Christliches Ideal und praktische Vernunft“, sprachen und diskutierten der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und Prälat Dr. Peter Neher, der Präsident des Deutschen Caritasverbandes. Die Moderation hatte Alois Glück übernommen, als ehemaliger führender CSU-Politiker und früherer Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken auf beiden Seiten zu Hause. Lesen Sie in der Folge die beiden Statements.

Integration, innere Sicherheit - Strategien der Flüchtlingspolitik in Bayern
von Joachim Herrmann

Flüchtlingspolitik, christliches Ideal und praktische Vernunft, ein spannendes Thema! Die Herausforderung ist natürlich vor allen Dingen zu überlegen, wie stark man beide Zielsetzungen, beide Herausforderungen zur Deckung bringen kann. Mancher wird gerne darüber reden, darin schon von vornherein einen Widerspruch zu sehen. Dazu gehöre ich nicht. Ich denke, die Herausforderung ist nicht nur auf das Thema Flüchtlingspolitik bezogen, sondern letztendlich natürlich täglich im Leben zwischen christlichem Ideal und praktischer Vernunft möglichst wenig Diskrepanz entstehen zu lassen.
Den Nachrichten des Bayerischen Rundfunks war am letzten Weihnachtsfest zu entnehmen, dass der evangelische Landesbischof Bedford-Strohm in seiner Weihnachtspredigt darauf Bezug genommen hat, dass ja auch die Heilige Familie nach Ägypten geflohen ist und sinngemäß, dass dies doch für uns alle eine Mahnung auch zur Aufgeschlossenheit für das Schicksal von Flüchtlingen sein sollte. Ich denke, darin können wir alle übereinstimmen.
Ich habe gleichwohl den Landesbischof, als ich ihn ein oder zwei Wochen später wiedergetroffen habe, darauf angesprochen, dass wenn man diesen zweifellos richtigen Bezug nimmt, es sinnvoll ist, auch in die Überlegungen mit einzubeziehen, dass nach Matthäus im zweiten Kapitel, Vers 19 bis 23, steht, dass die Heilige Familie wieder nach Galiläa zurückkehrte als die Gefahr vorüber war. Das gehört auch zur Botschaft des Evangeliums. Ich sage das deshalb, weil man unter diesem Blickwinkel manche Dinge vielleicht etwas entspannter betrachten kann.

"Nicht Mauern. Sondern Brücken" (Papst Franziskus). Flüchtlingspolitik in der Spannung von ethischem Anspruch und politischer Herausforderung
von Peter Neher

„Ich verstehe die Regierungen, auch die Völker, die eine gewisse Angst haben. Das verstehe ich, und wir müssen bei der Aufgabe sehr verantwortlich handeln. Ein Aspekt dieser Verantwortung ist dieser: wie wir uns zusammenfinden können, diese Menschen und wir. Ich habe immer gesagt, dass Mauern bauen keine Lösung ist: Eine davon haben wir im vergangenen Jahrhundert fallen sehen. Das führt zu nichts. Wir müssen Brücken bauen. Doch die Brücken müssen auf kluge Weise gebaut werden, mit dem Dialog, mit der Integration“, so der Papst während seines Rückflugs von der Insel Lesbos nach Rom.
Selten führte ein Thema wie die aktuelle Flüchtlingssituation zu einer so starken ge-sellschaftlichen Polarisierung. Dabei stehen auf der einen Seite die vermeintlichen Idealisten, die sich von der Not von Menschen ansprechen lassen und helfen wollen. Auf der anderen Seite diejenigen, die vermeintlich nüchterner die Realität wahrnehmen und klarstellen, dass nicht alle aufgenommen werden können. Gerade der christlichen Flüchtlingshilfe wird dabei immer wieder Weltfremdheit vorgeworfen. So war am 1. Februar diesen Jahres in einem Leserbrief der FAZ zu lesen: „Die Flüchtlingskrise legt offen, wie ausgezehrt die Christliche Sozialethik mittlerweile ist. Statt kriteriengeleiteter Verantwortungsethik regieren eine maßlos gewordene Gesinnungsethik, politische Naivität und wohlstandsverwöhnte Infantilität.“

Reihe "Wissenschaft für jedermann" - Wende im Plastikzeitalter

Dass naturwissenschaftliche Forschung dezidiert dem Schutz der Umwelt dienen kann, zeigte unsere Veranstaltung in der Reihe „Wissenschaft für jedermann“ am Mittwoch, 17. Februar 2016, die die Katholische Akademie Bayern in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Museum organisierte. Unter dem Titel „Wende im Plastikzeitalter. Warum wir Biokunststoffe brauchen!“ zeigte zum einen, wie gefährlich jetzt verwendete Kunststoffe für die Umwelt sind, besonders aber, welche ernst zu nehmenden Alternativen biologisch abbaubare Kunststoffe schon heute bieten. Cordt Zollfrank, der am Wissenschaftszentrum für Nachwachsende Rohstoffe in Straubing lehrt und forscht, sprach vor rund 250 Zuhörern im vollbesetzten Ehrensaal des Deutschen Museums. Die Einführung ins Thema übernahm Prof. Dr. Markus Vogt, Professor für Sozialethik an der Universität München, der auch die Fragerunde moderierte, die sich Zollfranks Referat anschloss.

Aufruhr im "Plastozän". Warum wir Biokunststoffe brauchen
von Cordt Zollfrank

Die Forderung nach Biokunststoff soll schon zu Beginn einfach beantwortet werden: Wir brauchen Biokunststoffe deshalb, weil die Rohstoffquelle Erdöl der synthetischen Kunststoffe endlich ist und weil sich die Kunststoffe in unserem Ökosystem anreichern und damit ein erhebliches ökologisches Risiko beinhalten. Warum wir Biokunststoffe ohne „Wenn“ und „Aber“ brauchen, möchten wir im Folgenden aufzeigen. - Kunststoffe sind aus der modernen Welt nicht mehr wegzudenken. Ungezählte Alltags- und Gebrauchsgüter sowie zahlreich technische Werkstoffe und Hilfsstoffe sind Kunststoffe. Dabei bezeichnet der Begriff „Kunststoff“ üblicherweise einen (Werk-)Stoff, der aus langkettigen oder vernetzten Molekülen besteht – den Makromolekülen oder auch Polymere. Damit aus Polymeren ein Kunststoff wird, müssen noch verschiedenste Zusätze (Additive) beigemengt werden, die eine geeignete Verarbeitung gewährleisten und die späteren Gebrauchseigenschaften bedingen. Erst durch den Zusatz von verschiedensten Additiven und Zuschlagsstoffen, die meist kleinere organische oder anorganische Verbindungen sind, wird ein Material mit einem Basispolymer überhaupt erst zu einem Kunststoff. Die bekanntesten unter den Additiven sind sogenannte Weichmacher, Antioxidantien, Brandschutzmittel, Treibmittel, UV-Stabilisatoren, aber auch Farbstoffe und -pigmente, wobei sich diese Liste fast beliebig lang fortsetzen ließe. Das heißt, der Begriff „Plastik“ oder der Begriff „Kunststoff“ hängt eben auch untrennbar mit den Additiven zusammen, über die man – bis auf wenige Fälle – wenig hört und sich meistens als Verbraucher auch keine Gedanken macht.

"Schön, dass wir darüber geredet haben" - Vertrauen in die Welt

Bruno Jonas, einer von Deutschlands bekanntesten Kabarettisten, und Philosophieprofessor Josef Früchtl trafen sich in der Katholischen Akademie Bayern. Der Niederbayer Jonas, der heute in München lebt und arbeitet, sowie der Oberpfälzer Früchtl, der einen Lehrstuhl für Philosophie der Kunst und Kultur an der Universität Amsterdam innehat, unterhielten sich am 2. Juni 2016 über nichts weniger als Vertrauen in die Welt und diskutierten die These, dass gerade der Film Vertrauen in die Welt zurückgeben kann. Kurze Szenen aus bekannten Filmen ergänzten das launige und interessante Gespräch, das Sie hier in einer etwas gekürzten und überarbeiteten Fassung nachlesen können.

Gespräch
von Bruno Jonas mit Josef Früchtl

Bruno Jonas: Es ist sicher eine ungewöhnliche Konstellation: auf der einen Seite ein Kabarettist, und auf der anderen Seite ein Philosoph. Vom Kabarettisten verlangt man Zuspitzungen, Überhöhungen, Überzeichnungen, eben satirische Verzerrungen, und von einem Philosophen systematisches Denken, Denken über das Denken, reflexives Denken, also das Kreisen um das eigene Denken in systematischer Form. Und man darf von einem Philosophen ein gewisses Abstraktionsvermögen erwarten, das kann ich Ihnen garantieren. Ich hoffe, dass ich diese Abstraktionen zum Teil hinterfragen kann. Denn beim Lesen deines Buches ist es mir ein bisschen so gegangen, dass ich mir gedacht habe: Jonas, bist doch net ganz so g’scheit, wie du immer gedacht hast!
Ja, also, der Gegenstand unseres heutigen öffentlichen Nachdenkens wird sein „Vertrauen in die Welt“. So heißt auch das Buch vom Josef Früchtl. Wir sind befreundet, deshalb werden wir uns duzen. Und ganz am Schluss werden wir die Liebesgeschichte eines sonderbaren Paares erzählen, nämlich der Philosophie und des Films.
Wir können ja davon ausgehen, dass die meisten hier im Saal das Buch vom Josef Früchtl gelesen haben! Aber für die drei, die nicht dazugekommen sind, will ich jetzt erst einmal den Josef bitten, dass er uns in ein paar Sätzen erklärt, worum es ihm in seinem Buch geht.

Josef Früchtl: Ich habe das Buch geschrieben zwischen 2007 und 2012. Ich weise deshalb sofort auf die Jahreszahl 2007 hin, weil in jenem Jahr der Beginn dessen war, was wir die Finanzkrise nennen, an der wir immer noch laborieren. 2007 war es, als wir im Fernsehen zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg in Europa Fernsehbilder sahen, die man bis dato noch nie gesehen hatte, dass nämlich Sparer eine Bank stürmen, „Northern Rock“. Sie hatten kein Vertrauen mehr in diese Geldinstitution. Ein Jahr später war der Zusammenbruch der Lehman Brothers in New York.
Seit dieser Zeit verfolgt uns auf dem finanzpolitischen Sektor ein gewisses Vertrauens-Management, so nennt man das in den entsprechenden Kreisen. Vertrauens-Management heißt, dass man Kompensation versucht einzurichten für verloren gegangenes Vertrauen. Die nächsthöhere Ebene versucht aufzufangen, was auf der kleinen Ebene nicht mehr zu managen ist. Die Banken werden gerettet von den Staaten, und die kleinen Staaten werden gerettet von den großen Staaten, und alle Staaten werden zuletzt natürlich gerettet von Steuerzahlern. In der Zeit fing ich an, über das Thema nachzudenken.
Als Philosoph bin ich natürlich kein Experte für Finanzpolitik oder für gesellschaftstheoretische Fragen. Ich mache mir natürlich meine Gedanken, wie jede und jeder andere auch. Bruno hat schon darauf hingewiesen: fundamentale Fragen, Reflexion, nochmal nachdenken über etwas, worüber schon so viele nachgedacht haben. Eine der Fragen, mit denen sich Philosophen nun wirklich schon seit der Antike herumplagen, ist das Problem des Realismus der Existenz. Wissen wir überhaupt, dass wir existieren, dass die Welt existiert, dass der andere, mit dem ich gerade in einem Gespräch bin, existiert und nicht eine Illusion ist?
Möglicherweise ist es ja so, wie René Descartes, ein Philosoph Mitte des 17. Jahrhunderts, und Hilary Putnam, ein amerikanischer Philosoph des 20. Jahrhunderts, es sich gedacht haben. Es könnte doch sein, dass wir alle angeschlossen sind an einen riesigen Computer. Der versorgt uns mit allen nötigen Daten, sodass wir den Eindruck haben, alles, was um uns herum geschieht, geschieht wirklich. In Wirklichkeit, tatsächlich liege ich aber in irgendeiner Röhre und bin angeschlossen an diesen Super-Computer. Ich spiele auf den Film „Matrix/Teil I“ an, der uns eine filmische Darstellung dieser klassischen philosophischen Szenerie präsentiert. Es gibt aber ein paar kluge Leute, andere Philosophen, die uns zumindest die Richtung vorgeben, in der wir besser suchen sollten. Diese Richtung ist benannt mit dem Begriff „Vertrauen“.
Manche nennen auch einen anderen Begriff; der ist vielleicht hier in der Katholischen Akademie beliebter, nämlich der des Glaubens. Wobei Sie bedenken sollten, dass wir den Begriff des Glaubens mindestens zweifach verwenden können. Im Englischen ist das geläufiger als im Deutschen. Wenn wir im Englischen sagen „to believe“, „I believe that“, dann heißt das so viel wie „ich bin der Meinung, dass“, „ich bin überzeugt, dass“. Hier hat Glauben eher eine erkenntnistheoretische Bedeutung und weniger eine religionsphilosophische. Aber beide Möglichkeiten haben wir, und diese Philosophen, auf die ich anspiele, sagen uns: Wenn ihr nachdenken wollt über das Problem, was wirklich ist, dann müsst ihr in jene Richtung von „glauben“ gehen, die „vertrauen“ heißt, und nicht „wissen“.
Und das Überraschendste für mich war die Entdeckung, dass der Film, dieses Massenmedium des 20. Jahrhunderts, genau auf die uns seit 2500 Jahren bedrängende Frage eine Antwort gibt.

Bruno Jonas: Es wird sicher nicht nur hier in diesem Raum Leute geben, die sagen: Die Skepsis, die da herausschimmert – wir können quasi nichts wissen, wir können nicht sicher sein, ob wir überhaupt da sind! Also, lieber Herr Professor, dies sehen wir ganz anders, wir fühlen uns in unserem Glauben gefestigt. Mir fällt dazu aus meiner alten Ministranten-Zeit das berühmte Loblied „Tantum ergo“ ein, und dort heißt es an einer Stelle: „Praestet fides supplementum sensuum defectui“. Das heißt frei übersetzt so viel wie: Der Glaube möge uns ersetzen, was wir an sensitiven Defekten haben. Leider ist unsere Wahrnehmung mangelhaft. Doch der Glaube kann diese Mängel ausgleichen. Wenn jemand glauben kann, dann fühlt er sich gefestigt. Aber dazu braucht er natürlich wieder Vertrauen. Das Interessante an deinem Buch ist, dass du die These vertrittst, der Film kann dieses Vertrauen stärken. Und wenn ich es richtig gelesen habe, ist diese These vor allem bezogen, von Deleuze her, auf die Zeit des Nachkriegsfilms?

Josef Früchtl: Es gibt zwei herausragende Philosophen in der Nachkriegszeit, die beide erst in den 1980er Jahren die entsprechenden Bücher vorgelegt haben, also vor 30, beinahe 40 Jahren. Der eine ist Gilles Deleuze in Frankreich, der ein dickes Buch über Philosophie und Film geschrieben hat, und der andere ist der amerikanische Philosoph Stanley Cavell. Beide haben unabhängig voneinander, aber etwa zur gleichen Zeit, angefangen, über das Thema Film und Philosophie intensiv nachzudenken. Beinahe alles, was heute auf diesem kleinen Terrain innerhalb der Philosophie und der Medientheorie geschieht, geht im Wesentlichen auf diese beiden Leute zurück.

Afrika geht online

„Wir“ sind schon lange online – aber auch in den so genannten Entwicklungsländern in Afrika, Asien und Lateinamerika ist die Digitalisierung auf dem Vormarsch. Das bietet einerseits das Potential, die Entwicklung zu beschleunigen, weil damit der Zugang zu Bildung und Information erschlossen ist. Anderseits geht mit der Digitalisierung auch die Gefahr einher, dass sich internationale Großkonzerne auf die Länder stürzen.
Zu diesem spannungsreichen Thema hat die Katholische Akademie Bayern am Abend des 9. Juni 2016 zu einem Podiumsgespräch unter dem Titel „Afrika geht online: Digitalisierung als Chance für die Entwicklungspolitik“ geladen. Akademiedirektor Dr. Florian Schuller moderierte das Gespräch zwischen dem Jesuitenpater Peter Balleis, Director of Advancement and Development beim „Jesuit Commons – Higher Education at the Margins“, der Programmmanagerin bei der „Europäischen Digitalen Agenda“ der Berliner „Stiftung neue verantwortung“, Julia Manske, sowie Ludwig Prinz von Bayern, der Menschen in Kenia mit zwei Internet-Projekten berufliche Perspektiven eröffnet.

Digitalisierung als Chance für die Entwicklungspolitik
von Julia Manske, Prinz Ludwig von Bayern, P. Peter Balleis SJ, Florian Schuller

Florian Schuller: Pater Balleis, Sie sind in einem kleinen Bauerndorf in der Nähe von Augsburg geboren. Die Priesterweihe war dann aber in Harare, der Hauptstadt von Simbabwe. Wie kam es, dass sich Ihr Leben von Augsburg in Richtung Harare entwickelt hat?

P. Peter Balleis: 1976, kurz vor dem Abitur, hatte ich Gelegenheit, mit einem Benediktinerpater von St. Ottilien im Westen von Kenia einen Missionar zu besuchen. Da ist die Welt in meinem Kopf explodiert. Die kulturelle Verschiedenheit, auch die Armut, haben viele Fragen angestoßen, die dann den Prozess einer Berufung vorangetrieben haben. Schließlich bin ich in den Jesuitenorden eingetreten, um in die Mission zu gehen. So kam ich 1984 nach Simbabwe.

Florian Schuller: Und warum nicht zu den Benediktinern, nach St. Ottilien?

P. Peter Balleis: Vielleicht bin ich doch nicht so der Mensch für einen stabilen Ort, sondern brauche einen größeren Rahmen.

Florian Schuller: Frau Manske, Sie waren drei Jahre bei Vodafone, sind Mitglied mehrerer Institutionen, unter anderem auch bei einer, die ich bisher nicht kannte, „Think Tank 30“: Auf der Homepage findet man lauter junge Leute, alles „Digital Natives“. Sie haben hier in München an der LMU studiert, und in Mexiko Stadt. Wenn Sie die Kommilitoninnen und Kommilitonen von München und von Mexiko Stadt vergleichen, welche Ähnlichkeiten, welche Unterschiede haben Sie da vor Augen?

Julia Manske: Den großen Unterschied macht die Auseinandersetzung mit sozialer Ungleichheit. Das hat mich immer sehr bewegt. Auch der „Think Tank 30“ ist eine junge Organisation des „Club of Rome Deutschland“, die sich den Fragen von sozialer Nachhaltigkeit widmet. Um auf Mexiko einzugehen: Es ist ein Land mit unglaublichen Ungleichheiten, die es sehr schwierig machen, soziale Mobilität zu fördern. Meine Hoffnung ist, und so bin ich auch zum Digitalisierungsthema gekommen, dass gerade im lateinamerikanischen Raum die Digitalisierung im besten Fall dazu beiträgt, mehr Chancen zu schaffen.

Florian Schuller: Deshalb noch einmal die Rückfrage: Die Studierenden in München und Mexiko Stadt, unterscheiden die sich fundamental? Oder haben sie eine ähnliche optimistische oder pessimistische Wahrnehmung der Wirklichkeit?

Julia Manske: Ich habe in Mexiko an der UNAM, der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko, studiert. Die UNAM ist eine öffentliche Universität, die unterscheidet sich stark von den privaten Universitäten im lateinamerikanischen Raum. Dort gab es starke Impulse, politisch etwas bewegen zu wollen, sich auch gegen das System zu wehren oder die Korruption zu bekämpfen. Das sind Themen, mit denen sich ein Münchner Student normalerweise nicht auseinandersetzen muss. Aber generell ist meine Generation eine Generation, bei der es sehr viel Harmonisierung gibt. Die Leute hören ähnliche Musik, bekommen durch die sozialen Medien eine sehr ähnliche Vorstellung von der Welt.

Florian Schuller: Prinz Ludwig, wenn man an das Haus Wittelsbach denkt, denkt man an großes Engagement für Kunst oder an die Liebe zu Griechenland. Aber Wittelsbach und Afrika, wie geht das zusammen? Einer Ihrer Onkel ist Missionsbenediktiner von St. Ottilien und leitet eine riesige Pfarrei im Norden Kenias. Gibt es doch so etwas wie ein Afrika-Gen im Hause Wittelsbach?

Prinz Ludwig: Wenn, dann ist es ein schlummerndes Gen; denn sehr viele machen immer wieder die Erfahrung, und ich bin da sicher nicht der Einzige: Wer einmal diesen Kontinent betreten hat, kann leicht daran kleben bleiben. So war es ganz sicher bei meinem Onkel Pater Florian, der dort sein ganzes Leben verbracht hat und nun seit über 20 Jahren mit einem richtigen Nomadenstamm zusammenlebt.
Bei mir war es so, dass ich erst über kleine Reisen für den Hilfsverein Nymphenburg, eine gemeinnützige Organisation, die meine Familie ins Leben gerufen hat, immer öfter nach Kenia gefahren bin. Ich habe dann gemerkt, dass ich in diesen abgeschiedenen Regionen, wo es fast keine Chancen gibt, wirklich viel erreichen kann. Das in Kombination mit der Liebe zum Kontinent Afrika hat mich dazu gebracht, für zumindest eine Lebensphase dort sehr intensiv zu sein.

Film ab!

Im ersten Halbjahr 2016 hieß es in der Akademie fast jeden Monat: „Film ab!“. Den Startschuss im Januar gab eine neue Kooperation mit der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) München, genauer mit deren Drehbuchabteilung. Dort produzieren die Studierenden der unteren Semester unterschiedlich lange Filme: diejenigen, die nach einem Jahr Studium entstehen, sind ca. 8 bis 10 Minuten lang und heißen „Filme 01“, diejenigen, die nach zwei Jahren entstehen, sind ca. 20 bis 30 Minuten lang und heißen „Filme 02“.

Ein cineastischer Bericht
von Astrid Schilling

Am 20. Januar waren sieben „Filme 01“ zu sehen, in Anwesenheit aller beteiligten Autorinnen und Autoren. Nach jedem der äußerst kreativen 8-Minüter gab es die Gelegenheit, mit dem oder der Filmverantwortlichen ins Gespräch zu kommen, was für spürbare Begeisterung bei den 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sorgte. Moderiert wurden die Diskussionen von Tim Moeck, künstlerischer Mitarbeiter der Drehbuchabteilung (VI) an der HFF.
Am 24. Februar gab es unter dem Titel „Phantasiebegabte Außenseiter“ zwei der „Filme 02“ zu sehen („Mia“ und „Visch“), die sich inhaltlich unter dieses Motto fassen ließen. Als inhaltlich passende Zugabe wurde im Anschluss der Dokumentarfilm „Am Ende der Wiese“ gezeigt, der ebenfalls an der HFF gedreht wurde. Auch hier gab es für die 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, mit den Autorinnen und Autoren zu sprechen. Die Moderation hatte wieder Tim Moeck.
Am 6. April wurde, als dritter HFF-Abend, ein abendfüllender Spielfilm geschaut: „Hin und weg“. Die Hauptrolle spielt ein 36-jähriger Mann, der an ALS erkrankt ist und frühzeitig durch Sterbehilfe aus dem Leben scheiden will. Er tut dies am Ende einer mehrtägigen Fahrradtour mit seiner Frau und seinen besten Freunden, in denen diese zusammen das Leben feiern. Aufgrund der ernsten Thematik war – neben Tim Moeck als Moderator und Ariane Schröder, der Drehbuchautorin von „Hin und weg“ – auch PD Dr. Marcus Schlemmer, der Chefarzt der Palliativmedizin am Krankenhaus Barmherzige Brüder in München, auf das Podium eingeladen. Die beiden Sichtweisen aus „Film“ und „Medizin“ ergänzten sich in der Diskussion sehr gut, wofür die 72 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach der Veranstaltung großen Applaus und viel Lob spendeten.

Vernissage zur Ausstellung Martin Gensbaur - Malerei

Bis Anfang Dezember werden Bilder von italienischen Tankstellen und Peitschenlampen die Optik in den Räumen der Katholischen Akademie Bayern bestimmen. Die Ausstellung mit dem Titel „Warum bleibt mir die Tankstelle, als wäre sie von Michelangelo?“ mit Bildern von Martin Gensbaur wurde am 12. September 2016 mit einer Vernissage eröffnet. Im Rahmen des Eröffnungsabends sprach der Kunsthistoriker Prof. Dr. Thomas Raff vor rund 150 Gästen mit dem Künstler aus Dießen am Ammersee.
Die Ausstellung ist bis zum 1. Dezember 2016, jeweils montags bis freitags, von 9 bis 17 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei, wir bitten um eine kurze Anmeldung unter 089/38102-0, weil die Ausstellungsräume immer wieder auch für Veranstaltungen genutzt werden und dann nicht zugänglich sind.

Gespräch
von Thomas Raff mit Martin Gensbaur


Interview:
Thomas Raff: Meine Damen und Herren, ich bin ganz gerührt, wie viele Besucher gekommen sind. So viele, dass nicht einmal die Stühle gereicht haben. Das ist bei Ausstellungseröffnungen nicht so regelmäßig der Fall; sagen wir es einmal so. Ich freue mich umso mehr. Ich freue mich auch für Martin Gensbaur, dass so viele Menschen Interesse an seiner Kunst haben. Diese Ausstellung hat einen sehr schönen Titel: „Warum bleibt mir die Tankstelle, als wäre sie von Michelangelo?“ Ihnen wird dieser Vers, vermute ich, bis dahin unbekannt gewesen sein. Ich will meine Unbildung nicht zum Maßstab Ihrer Bildung machen, aber ich habe davon nie gehört. Es hat mich auch ein bisschen gewundert, weil ich Martin Walser eigentlich nicht als Dichter kenne, sondern als Prosaiker. Das Gedicht heißt „Heimweh nach Amerika“.

Den Maler Martin Gensbaur kenne ich schon sehr lange. Und wenn ich überlege, was wir an Ausstellungen zusammen gemacht haben, fällt mir eine Regelmäßigkeit auf, die mich geradezu verblüfft. Es hat immer etwas mit Dezennien zu tun: Meine erste Ausstellungseröffnungsrede für ihn habe ich 1996 in Dießen am Ammersee gehalten, als er noch gar nicht in Dießen gewohnt hat. Meine zweite Ausstellung mit ihm war 2005 in Dießen, wohin die Familie Gensbaur inzwischen gezogen ist, und nun 2016 in München, wo Martin Gensbaur geboren ist, wo er Kunsterzieher ist und wo er Kunstlehrer ausbildet. Eine merkwürdige Regelmäßigkeit, wie wenn wir es abgesprochen hätten; was wir übrigens nicht getan haben. Und diese Regelmäßigkeit – sonst würde ich sie vielleicht gar nicht erwähnen – passt tatsächlich sehr gut zu Martin Gensbaur, in dessen Leben Regelmäßigkeit eine ganz unglaubliche Rolle spielt. Sehr eindrucksvoll, sehr konsequent, sehr wenig abgelenkt vom Wirbel der Zeiten. Das Schicksal hat ihm manchmal ein bisschen dazwischengewirbelt, aber insgesamt hat er sich doch sehr bemüht, das Gleichmäßige zu tun. Das bringt sein Beruf und seine Familie auch ein bisschen mit sich, aber in seiner Arbeit zeigt sich das auch. Diese Arbeit ist unglaublich konsequent und mühselig in ihrer Regelmäßigkeit. Darauf kommen wir nachher im Gespräch noch zu sprechen. 

Martin Gensbaur ist sehr gut in der Lage, über seine Kunst zu sprechen. Er hat darin sehr viel Routine, so viel, dass ich mir gedacht habe, es wäre vielleicht geschickter, mit ihm zu reden als über ihn. Das habe ich jetzt vor und bitte dich, lieber Martin, an diese Mikrophone. Zuerst zum titelgebenden Zitat. Wie ist es denn zu diesem Titel gekommen?

Martin Gensbaur: Wir hatten im November letzten Jahres eine Ausstellung bei uns. Wir haben eine kleine „Galerie“, also eigentlich meine Werkstatt, als Vorstellungsraum …

Thomas Raff: … sehr empfehlenswert …

Martin Gensbaur: … genutzt. Da kam Bärbel Holländer, die heute auch da ist, in die Ausstellung und hat gesagt, sie kenne da ein Gedicht, das passe einfach zu meinen Bildern! Ich war sofort angetan, und du, liebe Bärbel, hast dir sogar die Mühe gemacht, das abzuschreiben. Das hing dann eine ganze Weile bei uns in der Küche und ist uns dann zugewachsen als Titel für diese – ja, die Ausstellung war damals noch nicht geplant –, für diese Bilder.

Altschwabinger Sommerausklang

Mehr als 1200 Besucher kamen am Nachmittag und Abend des 16. Septembers 2016 in die Akademie, die zum traditionellen Nachbarschaftsfest in den großen Park im Herzen Schwabings eingeladen hatte. Das große Gartenfest, der Altschwabinger Sommerausklang – Einlass war beim Schwabinger Maibaum an der Gunezrainerstraße, – begann am Nachmittag um 14.30 Uhr. Geboten wurden unterhaltsamen Musik, sehr gutes Essen und Getränke zu zivilen Preisen, ein gewohnt freundlicher und kompetenter Service unserer Hauswirtschaft, Tanzeinlagen der „Celtic Colleens“ und viele Attraktionen für kleine und größere Kinder, wie Kletterturm, Kasperltheater, Hüpfburg, Ponyreiten sowie Malen und Schminken. Ab 15.30 Uhr schon spielte die „Blaskapelle Maisach“ unter der Leitung von Franz Kellerer auf. Die 30 Musikerinnen und Musiker aus der Gemeinde im Landkreis Fürstenfeldbruck hatten ein sehr breites Repertoire an Stücken dabei.
Bange Blicke nach oben nutzten bis kurz nach halb sieben Uhr etwas, sodass es bis dahin trocken blieb. Doch dann, die Tänzerinnen der „Celtic Colleens“, Schülerinnen des Theresia-Gerhardinger-Gymnasiums in München, waren gerade dabei, ihren zweiten Auftritt zu beenden, da brach der heftige Regen los – traditionellerweise, muss man leider sagen, denn auch bei den Festen in den beiden vergangenen Jahren war das Wetter durchwachsen. Doch alle waren flexibel und ließen sich die gute Stimmung nicht verderben. Die Gäste flüchteten unterdie aufgestellten Zelte oder ins Innere, die Musiker aus Maisach fanden unter dem Glasdach Obhut und spielten dort noch einige Stücke als Abschluss – obwohl es noch etwas hell war – „Der Mond ist aufgegangen“.
Das wunderbare Lied mit dem bekannten Text von Matthias Claudius stand deshalb in diesem Jahr einmal nicht am Ende des Altschwabinger Sommerausklangs. Denn nachdem diese Töne verklungen waren, blieben viele Gäste trotz des ungemütlichen Wetter noch lange sitzen - vor allem diejenigen, die im Schloss Suresnes der Musik von Ernst-August Quelle (Piano) und Eric Stevens (Bass) lauschten.
Alles in allem waren Gastgeber, Gäste und Mitwirkende sehr zufrieden und hoffen schon auf den kommenden Sommer.
Das Nachbarschaftsfest, der Altschwabinger Sommerausklang, findet seit 1980 am Freitag vor Beginn des Oktoberfestes statt und ist ein kleines Dankeschön für die vielen Freunde der Akademie und für die Nachbarn, die an diesem Tag den Park der Akademie genießen dürfen, der sonst für die Teilnehmer der Veranstaltungen reserviert ist.

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